Ernst Haeckels Stimme


Heute möchte ich  die Seite des Deutschen Rundfunkarchivs vorstellen.

Das DRA verfügt über Bestände, u.a. historische Tondokumente ab 1888 und somit glücklicherweise auch über die Stimme Ernst Haeckels

Foto: Ernst Haeckel

Ihr werdet bestimmt genauso wie ich von Haeckels Stimme überrascht sein.
Man erwartet, angesichts dieses kräftigen, bärtigen Mannes eine tiefe Bass Stimme, nicht wahr? Weit gefehlt.  Dieser Auschnitt ist

„. die einzige bekannte von Ernst Haeckel und wurde 1918 von Wilhelm Doegen im Rahmen seiner Sammlung von Stimmporträts berühmter Zeitgenossen aufgenommen. Die Tonqualität ist zeitgemäß“. (Quelle DRA)

Ihr hört hier wie Ernst Haeckel das Vorwort zu seinem letzten Buch: Kristallseelen (1917) spricht.( Leipzig 1917, Vorwort)
AD 03.05.1918 / DRA Frankfurt B003854247; 2’22“

  • Ernst Haeckel: Über die Einheit aller Naturerscheinungen
    „Durch so großartige Fortschritte unserer tieferen Naturerkenntnis, deren weitreichende Bedeutung noch heute den meisten Naturforschern und Philosophen nicht zum Bewusstsein gekommen ist, wurde das Jahr 1904 zu einem hervorragenden Markstein in der Geschichte der Naturphilosophie. Als wichtigste Errungenschaft desselben betrachten wir die fundamentale Überzeugung von der Einheit aller Naturerscheinungen, die im Begriffe des ‚Monismus‘ ihren einfachsten und klarsten Ausdruck findet. Es fielen jetzt mit einem Schlage die künstlichen Grenzen, die man bisher zwischen anorganischer und organischer Natur, zwischen Tod und Leben, zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft errichtet hatte. Alle Substanz besitzt Leben, anorganische ebenso wie organische; alle Dinge sind beseelt, Kristalle so gut wie Organismen.
  • Unerschütterlich erhebt sich aufs neue die alte Überzeugung von dem inneren einheitlichen Zusammenhang alles Geschehens, von der unbegrenzten Herrschaft allgemeingültiger Naturgesetze: ‚Nach ewigen, ehernen, großen Gesetzen müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden!‘ Was Goethe vor hundert Jahren mit seinem wunderbarsten Naturverständnis geahnt und mit unvergleichlichen Dichterworten in Weimar und Jena prophetisch ausgesprochen hatte, das ist heute zum strahlenden Sonnenlichte wissenschaftlicher Erkenntnis und Wahrheit geworden.“
    QUELLE: DRA