Take these broken wings and learn to fly


Da in meiner Familie unterschiedliche Informationen vorlagen, wo mein Grossonkel Horstmar gefallen war (Russland, Italien), hatte ich im August eine Anfrage an die WASt (Deutschen Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht) geschickt.

My family and I had different opinions where my Great-uncle Horstmar Haeckel was killed during WW2.  Finally I wanted to clarify this matter. A friend of mine recommended to write a letter to WASt ( Deutsche Dienststelle ) This is a German government agency based in Berlin which maintains records of members of the former German Wehrmacht who were killed in action, as well as official military records of all military personnel during the Second World War (ca. 18 million) as well as naval military records since 1871 and other war-related records.

So I wrote a letter to WASt, gave them all the information I had and waited for an answer.

Gestern erhielt ich die Antwort:

Ihr Angehöriger

Wachtmeister Horst Haeckel

geb 14.03.1914 in München 

letzter Truppenteil: 2. Batterie Artillerie-Regiment 85

ist am 13.04.1944 in Wozilow / Nordukraine gefallen

Yesterday I received their answerletter: 

Your relativ, Sergeant Horst Haeckel, born 14.03.1914 / Munich, last unit: 2. Batterie Artillerie-Regiment 85, was killed in action at Wozilow/ Ukraine

A single letter, a few lines and they made me so sad.  Sad about this beautiful young men who lost his life, all his dreams and thoughts  during a senseless war.  So far away from home, far away from his sisters, friends.  

Ein paar Zeilen, die Klarheit schaffen und doch irgendwie traurig machen. Trauer um den verblendeten jungen Mann der so weit weg von der Heimat sterben musste. Ein Schicksal, dass er mit vielen anderen seiner Kameraden teilte.

Ruhe in Frieden / RIP

 

Ein Brief errötet nicht*


Als ehemalige Buchhändlerin finde ich die Verlagskorrespondenz zwischen den verschiedenen Verlagen und Vater und Sohn Haeckel nicht nur inhaltlich sondern auch optisch sehr interessant.

Die Briefköpfe der Verlage sind wahre Kunstwerke, viel zu schön um sie zu verstecken. Fast könnte man damit eine Ausstellung machen.

While reading the correspondence between the different publishing houses i.e: Eugen Diederichs, Gebrueder Paetel etc and Messr. Haeckel I felt in love to the wonderful letterheads. They are not only letterheads, they are real artworks. Too nice to hide behind closed doors. 

 

 

Die verschiedenen Briefköpfe der Verlagsbuchhandlung Gebrüder Paetel

Ist die Eule auf dem Briefkopf der Gebrüder Paetel nicht schön?

I love the Owl on the letterhead from the publisher Gebrueder Paetel

 

Von der anderen Seite


Ein frühes Landschaftsbild von Walter Haeckel. Ich mag es sehr- vermutlich zeigt es das damals noch unberührte Dachauer Hinterland.

Here you can see an early Landscape painting, made by Walter Haeckel. It shows the unaffected hinterland of Dachau.

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Um näheres über das Bild zu erfahren, habe ich es einmal umgedreht und dabei eine überraschende Entdeckung gemacht.

To learn more about this painting I turned it off and made a surprising discovery.

Ein Bild hinter dem Bild- ich denke ein in Walters Augen misslungenes Gemälde, dass er dann als Hintergrund für das gelungene Werk verwendete.

A further picture.- I assume Walter was not really happy with the result and decided to hid this „failed work“.

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Dann wurde ich neugierig und habe meine übrigen Bilder von Walter genauer angesehen und weitere „Missgeschicke“ gefunden.

I began to study Walters further pictures closely and I was happy to find more „failed pictures“.

Ehrlich gesagt finde ich diese fast schon interessanter als die „gelungenen“ Werke.

I must admit: I like these failed pictures very much.

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Bei einigen Bildern finden sich noch Preisschilder oder Aufkleber mit dem Stempel der jeweiligen Ausstellung an denen das Bild gezeigt wurde.

On the back of my other paintings I found price labels or labels from different exhibitions.

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Das schöne Aquarell von Ernst Haeckel das er in Widdersberg bei Andechs gemalt hat, gefällt mir besonders gut. Widdersberg ist ein kleiner Ort zwischen Gauting und Andechs und hat sich kaum verändert.

This wonderful aquarell made by Ernst Haeckel is also one of my favorites. It shows the little village „Widdersberg“ near to Andechs Abbey.

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and someone was of the opinion that it is worthless.

….und es ist scheinbar nichts wert ;-).

It does not matter: I love it.

Egal, mir gefällt es sehr.

My brother is awesome


Das kleine runde Fenster im ehemaligen Walter-Haeckel-Haus.

Wie ein Bullauge auf einem Schiff- ich mochte es schon immer gern.

Hinter dem Fenster war das „Zimmer des Sohnes“ – Horstmar, und später das Zimmer meines ältesten Bruders.

The little porthole- window in my former parents house respectively Walter-Haeckel-House.  My favorite as always. 

This window belonged to my brothers room- with a wonderful view in the garden- in former times this room belonged my great-uncle Horstmar.

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An jenem Sonntag, an dem wir uns vom Elternhaus verabschiedeten, rettete mein Bruder das schöne Fenster—

On that day when we said good bye to our parentshouse- my brother decided to rescue his beloved window—

fenster-collage

–und gab ihm nicht nur ein schöneres Aussehen sondern auch ein neues Zuhause.

–and gave it ( after some renovation work ) a new home

fenster-ii

 Ist es nicht wunderschön geworden? Eine liebevolle, schöne Arbeit.

So wird dieses Fenster immer lebendig bleiben und an vergangene Zeiten erinnern.

Isn’t my brothers work awesome? So lovely and wonderful. 

So this window will stay alive

❤ Thank you dearest C!! You are the best!! ❤ 

❤ Danke C. !!! ❤

Landhaus Haeckel 1936-2016)


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Das Walter-Haeckel Haus in Lochham bei München. Erbaut 1936. Auf dem Bild Walter, unbekannte Dame mit Schäferhund ( Renata Kühn? ) und Josefa

Hier bin ich aufgewachsen. Auf dem Bild seht ihr im ersten Stock ein geöffnetes Fenster. Das war mein Kinderzimmer. Eigentlich als Küche gedacht, später für mich zum Kinderzimmer umgebaut. Klein aber fein.

This is Walter Haeckels house at Lochham / Munich. It was built in 1936. On the Picture you can see Walter, an unknown woman ( Renata Kühn) and Josefa. At the first floor you can see an open window. This was my childsroom, actually it was a kitchen but then it was altered to a childsroom. I liked it.

haeckel-haus

Die Collage zeigt, wie sich das Haus im Laufe der Jahre verändert hat. 1938, 1968, 1970 und 2016. (Im Bild rechts: Ich mit meinem ältesten Bruder)

dsc04391Damals lag das Haus noch sehr idyllisch, in mitten von Feldern und Wiesen.

In 1936 the house was idyllically situated.



haus-gartenansicht

1938 noch mit Fensterläden, Blumenkästen und Beeten; 2016 mit Rolläden

1938 with window shutters and flower boxes; 2016 with roller shutters

 Gruppenbild vor der Haustür 2016 ( Meine Mutter, ich, mein ältester Bruder);  Horstmar mit Fahrrad 1938

Group Picture on the doorstep 2016( Mum, me, my brother) ; 1938 Horstmar Haeckel with his bicycle.

vor-dem-haus

haus-verschiedene-ansichten

Das Haeckelhaus 1966 vor der Sanierung, als meine Eltern in das Haus einziehen durften.

Walters house in 1966

fenster

Fensterbilder (ehem. Zimmer meines ältesten Bruders, Wohnzimmer, Speisekammer)

Window Pictures ( from my Brothers room; Living room; Larder

speicher

Der „berühmte“ Dachboden. Auf diesem lagerte die Aussteuer meiner Großtante Ingeborg, der Haeckelnachlass und sonstige schöne Dinge. Der verbotene Ort und mein liebster Spielplatz.

Vom Original eingerichteten Dachboden gibt es leider keine Fotos ( Betreten war ja schliesslich verboten 😉 ) Doch ich erinnere mich an drei riesige Schränke, viele Kisten und Kommoden.

Here you can see the „secret attic. Actually none of us were allowed to enter the attric in former times, because my great aunts endowment, Ernst Haeckels relief and other things were stored here. I was the only one who breaked the rule. The attic was my favorite playground. In former times it was filled with heavy cupboards, chests and boxes.

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Der schöne Apfelbaum, den meine Urgroßmutter Josefa zur Geburt meiner Mutter 1938 gepflanzt hatte.

This wonderful apple-tree was planted by Great grandmother Josefa, on the occation of my mums birth 1938

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Blick in die Laube, in der Josefa und Walter so gern Kaffee tranken.

Walters and Josefas favorite place to enjoy coffee.

Garten.jpg

Und der Garten selbst. Ein Paradies

The big Garden, a little paradise

Die Abdrücke von Großtante Ingeborgs genagelten Wanderschuhen auf dem lasierten Fussboden im Wohnzimmer

Greataunt Ingeborgs footsteps on the parkett at the living room. She walked with her heavy and nailed hiking boots on the fresh laised floor 😉

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Das Entwicklerbecken im Fotolabor im Keller in dem Horstmar und mein Bruder ihre Fotos entwickelten. In jenem Keller, in dem ich mich als Kind nie allein heruntertraute, weil ich immer dachte, dass im Fotolabor ein Bär wohnt. ( Vor der Sanierung lebten dort tatsächlich Tiere. Der Keller war damals dermassen feucht, dass sich eine Froschfamilie dort einquartierte). Unterm Dach ging es auch lebhaft zu. Der Kamin diente als Vogelnest, bis er Ende der 60 er Jahre eines Nachts unter schrecklichem Gepolter in sich zusammenfiel).

The sink in the little photographic laboratory in the cellar. As a child I was always afraid to go in the cellar because I was confinced that a big bear lives in the cellar.

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Und so endet die Geschichte des Walter Haeckel Hauses Nr 34.

In den nächsten Wochen wird es abgerissen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern wird dort ein neues Haus bauen.  Die Kinder werden auf dem Grundstück herumtollen, nichts ahnend von der Geschichte die dieses Grundstück einst erlebte, sie werden nicht hören was die Bäume ihnen zuraunen werden.

Was bleibt sind die Erinnerungen.

Mein Bruder und  ich haben gestern das Haus zum letzen Mal besucht. Wir haben uns verabschiedet und gegen Abend zum letzen Mal das Gartentürchen geschlossen.

Dann bin ich nach Hause geradelt.

And now it is time to say goodbye to Walters House. The house was sold by my parents, the new owner will demolish it and he will built a new one. His little children will enjoy the big garden and none of them will remember the history of this house.

Last sunday my brother and me said good-bye to our parents house. I went home without looking back. I assume will not come back for a long time. To see the house destroyd or a new one will break my heart.

Wo magst du sein?*


*Helga an Horst 07.10.1942

Horstmar Haeckel war der einzige Sohn von Walter und Josefa Haeckel, und auch der einzige Enkel Ernst Haeckels.

Horst und ErnstWidmung Ernst Haeckels in den Indischen Reisebriefen an seinen Enkel Horstmar.

Horstmar wurde am 14.03.1914 in München geboren. Er hatte eine Gaumenspalte die früh operiert wurde. Zeitlebens trug er eine Narbe an der Oberlippe.

Der Hahn im Korb. Allen voran, die große und begabte Schwester Ingeborg und die kleine Helga, die ihrer verstorbenen Schwester Renata so ähnlich war.

DSC02189Von links nach rechts: Helga, Ingeborg, Horstmar

Helga und Horst: sie küssten und schlugen sich, aber sie konnten nicht ohne einander sein. Ein inniges Band verband die beiden, so unterschiedlich sie auch waren.

Wie das Verhältnis zwischen ihm und der großen Schwester Ingeborg war, ist nicht bekannt. Ich vermute, Ingeborg war halt die große gelehrte Schwester die in Jena im Haus des Großvaters lebte und an der Universität studierte. 11 Jahre sind eben doch ein großer Unterschied.

Renata von Lilien erinnert sich:

„ Er war nie blos ein Abklatsch seiner Schwester. Auch hatte er sein ganz eigenes Gepräge, das war vor allem von der Naturkunde her bestimmt war, anlagemäßig und durch bewusste Förderung dieser Anlagen. Wenn es um naturkundliches ging, hatten die Eltern eine Engelsgeduld mit dem Buben. Er sammelte, was sich sammeln und finden liess. Er beobachtete mit unermüdlicher Ausdauer. Andere hatten wenig Sinn dafür, dass Horst Frösche und Schlangen und wer weiss noch was alles fangen wollte, stundenlang.“ Renata von Lilien: Erinnerungen an Helga

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So kam es, dass in Horstmars Zimmer Mäuse, Hamster und Schlangen gehalten wurden. Die Schlangen, weil sie so schön waren, die Mäuse und Hamster weil man an ihnen die Mendelschen Gesetzte sehr schön beobachten konnte und durch Verkauf an die Studenten der LMU sein Taschengeld aufbessern konnte.

„Als der Horst größer wurde, gewaltig aufschoss, hatte er lange schlacksige Haxen und hartgriffige Hände. Es freute ihn, einem die Finger zusammenzudrücken, dass man am liebsten geschrien hätte und den Gruß noch lange spürte. So geschehen, als ich schon 21 Jahre alt war und Studentin höheren Semesters- nach bürgerlichen Familienmileu also schon eine junge Dame. Ich hatte den Horst lange nicht mehr gesehen. Diese Gelegenheit nahm der Lausbub trotz seiner 15 Jahre wahr als kräftigen Händedruck die seinerseitige Freude über das Wieder sehen kundzutun. Aber die linke war ja noch frei und „Patsch!!“ hatte der Horst eine Mordswatschen sitzen. Meine Mutter war wirklich entsetzt und auch mein Vater tat seinen beliebten und mir so verhassten Ausspruch: „Nein, weisst du, da bist du allmählich zu groß dazu.“ Nur der Horst reagierte richtig. Sein Händedruck war in Zukunft nicht mehr so kraftvoll was keinem von uns geschadet hat.“Renata von Lilien: Erinnerungen an Helga

Collage Familie

Horstmar war  wie alle Haeckelkinder eigentlich ein begabter Schüler, vor allem im Zeichnen, aber nicht gerade willig dass zu lernen, was der Lehrplan verlangte . Im Gegensatz zur großen Schwester Ingeborg brachte er wohl jedes Jahr Zeugnisse heim, die selbst im nächsten Verwandtenkreis nicht gezeigt werden konnten. Nun.. er hatte eben andere Interessen 😉

Ich vermute, dass er die Schule mit dem mittleren Schulabschluss verliess. Dann wurde er Werkzeugmacher an der Technischen Universität München. Da kam ihm sein Zeichentalent und sein technisches Verständnis zugute. Mit Begeisterung konnte er sich stundenlang mit seinem Motorrad beschäftigen: Es in alle Einzelteile auseinanderschrauben, glücklich vor den ordentlich aufgereihten Schrauben, Muttern etc stehen und sie nach und nach wieder zusammenzusetzten um dann hoch zu Motorrad durch das damals noch ländliche Würmtal zu brausen.

Seine zweite Leidenschaft war die Fotografie. Im Elternhaus richtete er sich in einem kleinen Raum im Keller ein Fotolabor ein. Der Raum hat nur ein kleines Fenster, dass er mit Brettern verdunkelte. Mein ältester Bruder hat dort später auch Fotos entwickelt.

Horstmar war ein gutausehender, junger Mann. Schlank, helle Augen, sehr groß. Bei den Damen beliebt.

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In einem Fotoalbum habe ich Bilder von ihm mit hübschen, jungen Damen entdeckt. Wie sie zum Spass Kleider tauschten: Er im Blümchenkleid, die Dame in seinen Lederhosen. Beide fröhlich und unbeschwert. Ein Sommermärchen.

Die Zeit ging ins Land: Aus Ingeborg wurde das Fräulein Dr. phil Ingeborg Haeckel und aus Helga die Frau Clauss, Büttelbronn. Die Geschwister hielten Kontakt, besonders Helga und Horst waren eng miteinander verbunden. Wenn es ging besuchte der „kleine“ Bruder seine ältere Schwester. Sie standen einander auch als Erwachsene sehr nahe, auch wenn sie oft unterschiedlicher Meinung waren. Ein Umstand unter dem meine Großmutter später oft litt.

DSC02183.1                                                                              Helga und Horst mit Helgas Kindern Diethard (1943) und Fritjof (1941 †1947)

..Schön wärs ja, du könntest über Büttelbronn wieder zurück (von Russland). Aber es wird wohl nicht gehen. Unser letztes Zusammensein war ja so kurz und ausserdem hat es mir richtig leid getan, dass unser Gespräch eine so unbefriedigenden Ausgang nahm. Es liegt freilich im Grunde an meiner dualistischen und deiner monistischen Weltanschauung und kann keiner den anderen über zeugen wenn der einzelne nicht durch ein entsprechendes Erlebnis die Richtigkeit des Gegenteils erfährt. Wir lesen darum auch öfters in den Welträtseln und in einem Buch von Heinrich Schmidt, um Großvaters Persönlichkeit besser kennen zu lernen. Die Welträtsel bleiben uns aber nach wie vor ein „Rätsel.“ -(Helga an Horst 07.10.1942)

Und dann brach der zweite Weltkrieg aus: Horstmar meldete sich freiwillig als Fernmeldetechniker.

Fanatisch und blind zog er in sein Verderben.

1944 bekamen die Schwestern Ingeborg und Helga die Nachricht, dass ihr Bruder gefallen war.

„Horst Haeckel- Wachtmeister, geboren am 14.03.1914 in München ist am 13.04.1944 in Wozilow/ Nordukraine gefallen“ *

Ich denke öfters an diesen schönen, jungen Mann. Was wäre gewesen, wenn er nicht in den Krieg gezogen wäre, bzw. den Krieg überlebt hätte. Er hätte in das Elternhaus ziehen und eine Familie gründen können.

Er wäre einer von den „ewigen Sonntagsbastlern“ geworden, die begeistert stundenlang im Blaumann am Motorrad oder Auto herumwerkeln. Ölverschmierte Hände, Geruch nach Motoröl und Benzin. Dazwischen fröhliche Kinder und eine schöne Ehefrau.

Horstmars Reise dauerte nur 30 Jahre. Auf der Gedenktafel der Kriegsgefallenen auf dem Friedhof in Gräfelfing steht sein Name eingraviert: Horst Haeckel † 1944.

 Friedhof

*Herzlichen Dank an die Deutsche Dienststelle Berlin für Ihre freundliche Auskunft ( Nachtrag geschrieben am 14.10.2017)

Ruhe in Frieden Horstmar

Vergiss mein nicht


Untitled

Hirschberg den 13.ten April 1818

Wirst du einst an deine Freunde denken

No.4

so denk auch dann an mich zurück.

Wirst du ihnen Stunden schenken, schenk mir einen Augenblick.

Deine dich liebende Muhme

Henriette Haeckel

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Dieser schöne, anrührende Eintrag stammt aus einem Familienstammbuch der Vorfahren Ernst Haeckels.

Wer sich hinter der Muhme = weibliche Verwandte Henriette Haeckel verbirgt, konnte bis heute nicht ganz geklärt werden. Sicher ist nur, dass es sich um eine entfernte Großtante Ernst Haeckel handelte.

Zu diesem Eintrag, hat die geheimnisvolle Henriette Haeckel ein Bild gemalt.

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Some months ago I had the opportunity to have a look at a familybook from Ernst Haeckels ancestors. I really liked it, especially the picture which shows a young girl in a yellow dress who is watering the flowers.

I felt in love to the lovely dress of the unknown girl and I decided to make the same dress for me.

The girl does not wear a traditional dress. It is a contemporary dress which was popular around the mids of the 19th century. The girl wears a sleeveless maizyellow dress. Her Fichu has the same color like the trim of the skirt. Under the dress, the girl wears a fine chemise with puffed sleeves.

I really like her short hair. The girl was probably the daugther of the house, or a good friend of the family. She is not a girl from the upper class, as you can see on her dress. We assume she is a girl from the middle class because her dress is from cotton and not from silk. Maybe it is her beloved Sundays dress and it suits her very good. She wears white stockins and her best black ballerinas.

I assume she is very happy, because her mouth is laughing although her big eyes look a little bit sad.

The picture was painted by Henriette Haeckel at April 13, 1818. She was a Great-grandaunt from Ernst Haeckel, a relative of his ancestors while they had a bleachery at Cunnersdorf / Polen.

Es zeigt ein junges Mädchen in einem maisgelben Kleid, dass in einem Garten Blumen giesst. Bei den Blumen handelt es sich wahrscheinlich um Vergissmeinnicht. In der Schale befinden sich Vergissmeinnicht und Rosen, oder Pfingstrosen.

Die ganze Szene hat etwas sehr vertrautes, denn das Mädchen trägt keine Kopfbedeckung. Sie ist wohl ganz im intimen Kreise mit der Freundin im Garten und lässt sich von ihr porträtieren.

Bei dem Kleid handelt es sich nicht um eine bestimmte Tracht. Eher handelt es sich um ein modisch-bürgerliches Kleid aus der Entstehungszeit der Zeichung, also die späte Emirezeit. Die Taille ist nicht mehr hoch unter der Brust angesetzt sondern wandert langsam nach unten. Das Fichu / Führtuch / Brusttuch ist farblich auf den Rockbesatz abgestimmt und  bedeckt (züchtig) dass Décolleté.  Zum trägerlosen Kleid trägt das Mädchen eine Chemise, ein einfaches Unterkleid mit Puffärmelchen. Die Weite der Ärmel wird mit Bändern reguliert. Man sieht die Bindebänder unter dem linken Ärmel ein wenig hervorblitzen.

Das Mädchen trägt eine damals modische Kurzhaarfrisur. Es ist ein Mädchen aus gut bürgerlichen Kreisen, evtl die Tochter des Hauses. Das Kleid ist wohl ihr Sonntagskleid. Es ist einfach und schlicht, aber doch hübsch. Dazu trägt das Mächen feine weisse Strümpfe und wohl ihre besten Sonntagsschühchen. Sie rafft ihr Kleid etwas hoch um den Saum vom Giesswasser zu schützen. Ihre Haltung hat etwas anmutiges, tänzerisches. Ihr Blick ist verträumt auf die Blumenschale gerichtet. Vielleicht denkt sie an etwas schönes, denn ihr Mund lächelt, obwohl ihre großen Augen etwas ernst wirken.

Der Stoff des Kleides glänzt nicht, also handelt es sich bei dem Stoff des Kleides wohl weniger um feine Seide, sondern eher um einen feinen Baumwoll oder Leinenstoff.  Haeckels Vorfahren waren Besitzer einer Leinwandbleiche
in Cunnersdorf im heutigen Polen. Es ist bemerkenswert, dass Haeckels Vorfahren sich vom einfachen Häusler ( Der Besitzer eines kleinen Häusschens ) zum Besitzer einer Wäschebleiche hochgearbeitet hatten und schliesslich vermögend genug waren um den einzigen überlebenden Sohn ( Haeckels Vater) ein Jurastudium zu ermöglichen. Die Häuser der Haeckelbleiche sind noch erhalten. Bitte auf den *Link klicken, auf dem Foto kann man das „Haeckelhaus“ im heutigen Zustand sehen. Um auf den Stoff zurückzukommen: In der Haeckelbleiche wurden Leinenstoffe gebleicht, und ich denke mir, dass sich die Haeckels dass eine oder andere gute Leinen für ihre Kleider verwendet haben.

Ich habe das Kleid des Mädchens nachgearbeitet und versucht mit so genau wie möglich an die Vorlage zu halten. Die Farbe der Streifen und des Kleides wurden mittels Farbkarten ausgewählt.  Die Streifen des Kleides bestehen aus Baumwolle. Der Stoff des Kleides ist ein feines Baumwoll / Leinengemisch. Das Kleid wird am Rücken mit Bändern verschlossen.

Für die Chemise habe ich feines Musslin verwendet. Das Mädchen hatte bestimmt zu ihrem Sonntagskleid ihre beste Chemise getragen und nicht ihre Alltagsunterkleidung.

Und nun wird es Zeit, den Schleier zu Lüften und euch das geheimnisvolle Projekt der letzten drei Monate zu zeigen.

As written in my latest blog I wanted to have a dress like the girl in the Familybook. I began to work with this dress in January and finished it in March. It was a wonderful project and I really like the dress. During Easter I wore it every day. Sometimes I thought I am the girl on the picture.

And I hope you also like the dress which was worn by a relative of mine 200 years before and which is now alive ;-).

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No.5

Es war ein langwieriges, aber schönes und sehr spannendes Projekt. Und ich mag das Kleid. Nach fast 200 Jahren wird es „lebendig“, es erzählt die Geschichte meiner Vorfahren und deren Leben in Cunnersdorf. Zu gern würde ich mehr über das Mädchen erfahren.

Über die Osterfeiertage habe ich das Kleid jeden Tag getragen.  Am Karsamstag war es warm genug, um in den Abendstunden bei Schloss Hersberg Fotos zu machen. Es war herrlich: Vogelgezwitscher, ein leichter Wind und herrlicher Blick auf den Bodensee und die schneebedeckten Berge der Schweiz.

Und in der Nacht habe ich eine Nachtigall singen hören.

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*Fachliche Auskunft durch das Schlesische Museum Görlitz sowie das Germanische Nationalmuseum Nürnberg