Neuerscheinung: Ausgewählte Briefwechsel – Ernst Haeckel Band 1


Es gibt Anlass zur allergrößten Freude!!

Soeben wurde der 1. Band der Ernst Haeckel Briefedition im Franz-Steiner Verlag veröffentlicht.

„Die in diesem Band erstmals veröffentlichte Familienkorrespondenz Haeckels enthält Briefe aus dem Zeitraum von 1839 bis 1854. Sie geben Aufschluss über das ihn prägende liberal-protestantische Milieu seines Elternhauses, aber auch über seine frühe botanische Sammeltätigkeit, die Haeckel bereits als Gymnasiast auf professionellem Niveau betrieb. Ein besonderer Schwerpunkt der Briefe liegt auf den ausführlichen Mitteilungen aus den drei Würzburger Studiensemestern, die das von Haeckel ungeliebte Studium der Medizin nicht nur anschaulich vergegenwärtigen, sondern auch belegen, dass den akademischen Lehrern Albert Kölliker, Franz Leydig, August Schenk und Rudolf Virchow eine besondere Bedeutung für Haeckels geistige Entwicklung zukam.“- Kurztext des Franz Steiner Verlages

Das Buch könnt ihr hier online beim Verlag bestellen oder in jeder gut sortierten Buchhandlung bestellen.

ISBN 978-3-515-11290-1 / €135.–

Nähere Informationen zu der Ernst Haeckel Online Edition findet ihr hier.

Man erfährt hier viel über Haeckels Bruder Karl, seinen Vater Gottlob Haeckel und Haeckels Familie überhaupt. Wir lernen den Abiturient Ernst Haeckel kennen und begleiten ihn auf seinen Weg in die Welt der Wissenschaft, gehen mit ihm das Vorlesungsverzeichnis durch etc.

Herzlichen Dank an das EHH für die freundliche Zusendung dieses einzigartigen Werkes!

 

Meisterwerke der Naturgeschichte und mehr


Buchhandlungen sind „schreckliche“ Orte. Man nimmt sich fest vor, nur ein wenig zu stöbern und dann passiert es: Die Bücher beginnen zu reden, schmeicheln und locken und am Ende steht man dann doch mit einem großen Einkaufskorb an der Kasse. Sodann verlässt man die Buchhandlung mit einer großen Tasche und kann es kaum erwarten seine Beute zu betrachten.

Last December I spend some hours in my favorite Bookstore in Munich. Actually I have enough books but I can’t leave the bookstore without books.

I bought three illustraded books which were reviewed in the newspapers. 

Haeckels Travel Images with reproductions of his oil paintings and watercolor landscapes*

The natural wonders of the tropical world Ceylon and Insulinde (Indonesia), After his own watercolors and oil paintings
First Edition, published by W. Koehler’sche (F.E.W Koehler) publishing house, Gera- Untermhaus, 1905.

to learn more, please *klick*

The herbarium of Felix Platter *

* in German only

and 

Rare Treasures: From the Library of the Natural History Museum

The Library of the Natural History Museum contains one of the most exciting and comprehensive collections of natural history literature and artworks to be found anywhere in the world. It holds over half a million artworks, comprising one of Britain’s biggest art collections and representing all the great natural history artists, and many thousands of books, including some richly illustrated volumes of great historical significance.Rare Treasures is a stunningly illustrated guide to a special selection of some of its most highly valued books, chosen for their scientific and artistic merit. For each book there is an essay by a Museum expert, explaining the role it played in the development of natural history.Accompanying the guide are 40, visually appealing colour prints, reproduced directly from the books and printed on the highest quality paper.Books featured include the oldest book in the Library, the 1469 edition of Pliny the Elder’s Plinius secundus nouocomensis; Albertus Seba’s striking Locupletissimi rerum published from 1734; Mark Catesby’s History of Carolina, Florida and the Bahama Islands, the first published account of the flora and fauna of this area, and the stunning line drawings from Napoleon’s expedition to Egypt in 1798.

Die drei Bildbände die in meine Arme gehüpft sind und „nimm mich mit“ sagten will ich euch nun vorstellen.

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Beginnen wir mit dem Herbarium des Felix Platter

Felix Platter war ein leidenschaftlicher Botaniker und unterhielt mehrere botanische Gärten. In diesen zog er Pflanzen, darunter auch seltene und exotische, zu wissenschaftlichen Zwecken auf. Gleichzeitig legte er ein Herbarium an, das ursprünglich 18 Bände umfasste.

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Acht Bände mit rund 800 getrockneten Pflanzen und ein Band mit Pflanzenabbildungen haben sich bis heute erhalten sie bilden das wohl älteste noch existierende Herbarium der Schweiz. Aufbewahrt und konserviert wird es heute in der Burgerbibliothek Bern.

Einen sehr ausführlichen Artikel findet ihr hier.

Wem der Weg nach Bern zu weit ist, kann sich das Werk  *online* ansehen.

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Haeckels Wanderbilder

Um diese bin ich schon lange „herumgeschlichen“ und habe nach langem Suchen ein günstiges Reprint erstanden.  ( Die Erstausgabe erschien 1905 im F.E. Koehler Verlag ). Die Erstausgabe ist zwar auch erhältlich, kostet aber auch entsprechend. -vierstelliger Betrag-)

Die »Zauberinsel« Ceylon sowie die Inseln Java und Sumatra wurde von Ernst Haeckel wandernd erschlossen und in eigenen Zeichnungen und Aquarellen festgehalten. Der Faksimile-Nachdruck dieses Werkes ist ein bibliophiles Schmuckstück. Lesens und Sehenswert. Und man trifft alte Bekannte ;-).

Wer mehr wissen will, bitte *hier* entlang

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Und zum Schluss ein „Bilderbuch für Naturbegeisterte“ und solche die es noch werden wollen

Meisterwerke der Naturgeschichte

Das Natural History Museum in London besitzt eine der wichtigsten Sammlungen von historischen Büchern zur Naturgeschichte. 31 Werke aus fünf Jahrhunderten werden in diesem wunderschön illustrierten Band vorgestellt. Sie wurden einerseits wegen ihrer wissenschaftlichen Bedeutung, andererseits aufgrund des künstlerischen Wertes ihrer Illustrationen ausgewählt.

Der Bogen spannt sich vom ältesten Buch der Sammlung, der «Historia Naturalis» von Plinius dem Älteren in einer Ausgabe von 1469, über Preziosen wie dem «Hortus Eystettensis» von Basilius Besler (1613), der «Flora Sinensis» von Michał Piotr Boym (1656), die wunderschöne «Metamorphosis Insectorum Surinamensium» von Maria Sibylla Merian (1705) über die berühmten «Locupletissimi Rerum Naturalium Thesauri» von Albertus Seba (1734–1765), John James Audubons Meisterwerk «The Birds of America» (1827–1838), bis zu den «Kunstformen der Natur» von Ernst Haeckel (1904).

Die Tafeln lassen sich einzeln betrachten- ein schönes „Bilderbuch“ das zum schmöckern und träumen einlädt. Naturgeschichte interessant erzählt und am Ende hat man Lust auf mehr.

Der Deutschlandfunk hatte übrigens kurz vor Weihnachten dieses Buch in der Sendung Auslese kompakt vorgestellt.

Den Artikel könnt ihr *hier* nachlesen oder hören.

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150 Jahre Haeckels Generelle Morphologie der Organismen


Ernst Haeckel war 32 Jahre alt als er vor genau 150 Jahren in Jena sein Erstlingswerk „Die Generelle Morphologie der Organismen. Allgemeine Grundzüge der organischen Formen-Wissenschaft, mechanisch begründet durch die von Charles Darwin begründete Descendenz- Theorie“ veröffentlichte.

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Dieses Werk ist auch heute noch von grosser Bedeutung, prägte doch Haeckel Begriffe, die uns heute selbstverständlich sind,  wie Ökologie, Stamm, Phylogenie, Spezies, Ontogenie, etc.

Um dieses Jubiläum zu würdigen, hat die Thüringer Zentrale für politische Bildung  eine neue Broschüre ( Autor: Prof. Uwe Hoßfeld), welche die Bedeutung dieser zwei Bände herausstellt, herausgegeben und an Haeckels Leistung erinnert.

 Diese kann man entweder kostenlos über die Thüringer Zentrale für politische Bildung bestellen *klick * , oder hier online nachlesen

Weitere Literatur zum Thema Evolutionsbiologie bitte *Hier* entlang.

Zudem wurde im Februar diesen Jahres von Prof. Uwe Hoßfeld ein Buch über die Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland im Steiner Verlag veröffentlicht.

Man kann also Haeckel gern als einen „Popstar des 19. Jahrhunderts“ bezeichnen (Zitat: Uwe Hoßfeld) 🙂

 

Man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen*


*Franz Kafka

 

In den letzten Tagen hatte ich endlich genug Zeit und Muße mich der Literatur zu widmen bzw dem Bücherturm auf meinem Nachttisch ;-).

Einige davon habt ihr ja vielleicht schon rechts in der Seitenleiste entdeckt und ich möchte sie euch gerne vorstellen.

Anatol Regnier: Enkel von Frank Wedekind, Sohn von Charles Regnier und Pamela Wedekind beleuchtet in seinem Buch die Schicksale von Menschen, die aus berühmten Familien stammen und im Schatten dieser bedeutenden und herausragenden Persönlichkeiten ihren eigenen Weg finden müssen. Beleuchtet werden in diesem Buch u.a. die Nachfahren von Thomas Mann, Peter Frankenfeld, Dietrich Fischer-Dieskau, Hans Fallada.  Lesenswert, berührend geschrieben. Ein Buch, das man gern in die Hand nimmt.

Mein Urgroßvater Walter Haeckel muss Frank Wedekinds Werke geschätzt haben und ihn wohl auch persönlich bei Auftritten erlebt haben.  Meine Großtante Ingeborg hat immer  von einem Lied erzählt, dass im Hause Walter Haeckel gern gesungen wurde. Es handelte von einem Mann der sturzbetrunken aus dem Wirtshause herauskommt, sich darüber mokiert, dass der Mond so komisch am Himmel steht und die Laternen wackeln und er – weil ja alle betrunken da draussen sind, nur er nicht- wieder ins sichere Wirtshaus zurückgeht. Dieses Lied wollte sie gern in der Schule vor der Klasse vortragen, die Lehrerin war entsetzt und schickte die kleine, enttäuschte Ingeborg mit den Worten: Das schickt sich nicht! wieder auf den Platz zurück.

Viel später, durch Zufall habe ich nicht nur das Lied sondern auch den Verfasser dieses Liedes entdeckt: Frank Wedekind.

Das Lied, dass meine Gr0ßtante so geliebt hat heisst: „Froh macht dein Lächeln„. So habe ich Frank Wedekinds Werke kennen und lieben gelernt und dadurch auch die Bücher von Anatol Regnier entdeckt. Das Haeckelsche Familiengrab auf dem Münchner Waldfriedhof war nur wenige Schritte vom Grab Frank Wedekinds entfernt. Meine Großtante meinte einmal: „So ist mein Vater immerhin in guter Gesellschaft. Der Dichter und sein größter Bewunderer in trauter Nachbarschaft. So muss es sein“.

Hinter Persönlichkeiten wie Lion Feuchtwanger, Lovis Korinth, Max Beckmann standen meist unbemerkt und meist im Hintergrund wirkend deren Ehefrauen, Partnerinnen. Dabei ermöglichten diese erst ihren Partnern die uneingeschränkte, künstlerische Entfaltung. Sie gaben ihnen Lebenskraft, Energie, stellten ihre eigenen Begabungen in den Hintergrund und widmeten Ihnen ihr Leben, ihre Interessen.  Wie in meiner Familie die stille Agnes Haeckel, die unsichtbar im Hintergrund agierte, die Kinder großzog und darüber krank wurde. Oder mein Urgroßmutter Josefa, die ihren Mann Walter stärkte, ihm ein Heim ermöglichte, ihn ihn schwerer Zeit beistand, Freud und Leid mit ihm teilte und ihre eigene große, künstlerische Begabung für ihn aufgab.

Das Portrait einer großartigen und faszinierenden Frau, einer begabten Fotografin. Eine stille Größe.

Marianne Breslauer habe ich schon einmal erwähnt. Bitte hier entlang klick

Ein Buch, dass mich dermassen gefesselt hat, dass ich bis in die frühen Morgenstunden hineingelesen habe. Marta Feuchwanger: Die Biografie einer mutigen, selbstbewussten Frau die durch ihre Schönheit, Lebensklugheit schon ihre Zeitgenossen faszinierte.

Die Geschichte einer Frau, die erst durch ihre unerwartete Verwandlung von einer jungen, attraktiven Frau in eine 80 jährige Greisin den Tod ihrer Tochter aufarbeitet und dadurch wieder zurück ins Leben findet.

Diesen Roman hat mir die Nachbarin  meiner Tante am Bodensee empfohlen. Ein Buch das zum Nachdenken anregt, schön zu lesen.  Erschienen im KaMeRu Verlag dessen Verlagsprogramm nicht alltägliche Bücher herausbringt. Bücher die „beissen und stechen.“ Die es dem Leser nicht zu einfach machen, also keine Lektüre für Zwischendurch, sondern die zum Nachdenken und Diskutieren einladen. „Junge Verlage mit anspruchsvollem Programm verdienen unsere höchste Aufmerksamkeit“ (Mein ehemaliger Chef aus der Buchhandlung)

Und jetzt wünsche ich euch viel Freude beim Lesen ❤

Erinnerungen an Alt-Jena


„Vater, Vater, die Lisbeth hat im Esszimmer den Vorhang angezündet !!“

Du liebe Zeit, deswegen riecht es hier so verbrannt. Ich geh sofort nachsehen. Wie siehst du denn eigentlich aus? Total verdreckt und nass! Ach, richtig, heute ist ja Mittwoch*.  Musst du denn immer in dem ganzen Dreck herumwaten! Welch ein Graus, und ich wollte einen ruhigen Feierabend haben.“

Diese Szene hat sich tatsächlich im Hause Haeckel zugetragen. Die kleine Lisbeth hatte  mit Streichhölzchen gekokelt und dabei die Vorhänge des Esszimmers angezündet. Allerdings sprechen wir hier nicht von der Villa Medusa, sondern noch von der „alten Wohnung“ im 2. Stock des Schultzeschen Hauses, gegenüber der Paradieshaltestelle. Haeckels hatten dort eine geräumige 6 Zimmer Wohnung, mit herrlichen Blick auf die Kerneberge, das Paradies und die Saale. In einem der Zimmer hatte sich Ernst Haeckel sein Arbeitszimmer eingerichtet. „Ein schlichtes, typisches Gelehrtenzimmer, das aber ganz den Hauch seiner Persönlichkeit ausströmte. Heiter, behaglich nach Süden gelegen, mit exotischen Pflanzen geschmückt, an denen er zu Zeiten, wenn er wieder einmal von einer tropischen Reise zurückkehrte, Chamäleons oder zierliche Zwergäffchen sich paradiesisch tummeln lies, ist es mir als das  freundlichste Zimmer der Wohnung in Erinnerung geblieben.“

Jeden Mittwoch wurde die Leutra teilweise abgelassen um die Strassen Jenas zu säubern.

Es gibt sogar ein Studentenlied in dem es unter anderem heisst:

Und die Straßen sind so sauber,
|: sind sie gleich ein wenig krumm;
denn ein Wasser wird gelassen
alle Wochen durch die Straßen,
|: in der ganzen Stadt herum.

„Diese Sintflut war für die Jugend eine gesunde Gelegenheit, Schiffchen darin schwimmen zu lassen, oder darin zu stelzen. Die Dienstbaren Geister schütteten allen Unrat und Hausabfälle hinein. Ratten die zum Vorschein kamen und vor dem Hochwasser flüchteten wurden dabei erlegt und sogar mit einer Prämie bedacht“.

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Walter Haeckel hatte Anfang der 30er Jahre seine Jugenderinnerungen unter dem Titel „Alt-Jena“ veröffentlicht. Ein kleines, gerade mal 46 Seiten starkes Heftchen. Dieses Heftchen schildert nicht nur die Jugenderinnerung Walter Haeckels, es ist auch eine Zeitreise in das Jena das Ernst Haeckel so sehr geliebt hat und gibt auch einen Einblick in den Familienalltag der Haeckels.

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Wusstet ihr, das Ernst Haeckel ein leidenschaftlicher Wassermann und Taucher war? In dem Sommermonaten musste Walter immer  Mittags seinen Vater vom Institut abholen. Dann ging es gemeinsam zum Baden in die städtische Badeanstalt. „Ehe er ins Wasser ging, gab es einige Übergüssse, dann sprang er zuerst hinein, wobei er länger tauchte, dann Wasser tretend meine Wenigkeit in seinen Armen auffing um, mich auf seinem Rücken, weit in die Saale hinaus zu schwimmen. Oft wurde der leichtsinnige Herr Professor vom gestrengen Bademeister mit einem Pfiff ermahnt und mit geschüttelter Faust wegen des Unfugs bedroht ;-).

Oder dass Haeckel einen Esel vor zwei betrunkenen Studenten rettete?

„Eines Morgens aber, wir saßen gerade beim Frühstück lies das Eselein- ein braves Grauchen- dass den Burgauer Milchwagen zog, ein so jämmerliches Geschrei los, dass der Vater sofort ans Fenster stürzte. Und siehe da, zwei übernächtig- verkaterte Korpsstudenen hatten sich auf das arme Tier gesetzt, dass nun entsetzlich schrie. Ernst Haeckel, der schon immer eine Abneigung gegen Studentenverbindungen hatte, stürzte wutentbrannt auf die Strasse , kanzelte die Söhne der Alma mater coram publico gründlich ab und versprach ihnen wegen Tierquälerei die Anzeige beim Senat, was sich auch erfüllte, und die beiden in den Karzer wanderten.“

Da ich selbst mit einem Esel mit Namen“Esi“ aufgewachsen bin, eine hübsche, kastanienbraune Zwergeseldame, habe ich das Eselsgeschrei bei dieser Schilderung sofort im Ohr und bin meinem Ururgroßvater sehr dankbar für die Rettung des liebenswerten Langohrs.

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                 Darf ich vorstellen: Esi 🙂

Auch sehr lustig, dass Walter, der des Öfteren im zoologischen Institut wegen schlechter Noten mit unliebsamen Arbeiten bestraft wurde, sich rächte, indem er die Köpfe der Vogel und Affenskelette vertauschte, „wobei es dann dem Herrn Professor eines Tages um Kolleg zur allgemeinen Heiterkeit der Studenten mit unterlief, die boshafte Metamorphose aufdecken zu müssen. Nur der „Famlulus Pohle “ das Unikum des Instituts“ erfasst sofort die kritische Lage und erklärte mit heiterem Grinsen das Missgeschick: den Witz hat natürlich Walter wieder gemacht!- wonach allgemeines Beifallstrampeln der Studenten einsetzte“.

Vielleicht und hoffentlich 😉 habe ich euch nun neugierig auf das kleine Büchlein gemacht.

Das Buch wurde 2011 neu aufgelegt und von Birgitt Hellmann im Vopelius Verlag herausgegeben.

Walter Haeckel: Alt-Jena Vopelius Verlag ISBN 978-3-939718-60-4

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Aus dem unscheinbaren Heftchen ist ein reich bebildertes, gebundenes Buch geworden. Ich kann es nicht nur empfehlen, weil ich damals zwei Bilder aus meinem Archiv  zur Verfügung gestellt habe, sondern weil es, wie ich finde,  in keiner Haeckelbibliothek fehlen sollte.

Jaja… da kommt der Buchhändler in mir wieder heraus 😉

 

 

 

Ja, ja, der Regenwurm und andere Insekten*


*dieses Zitat stammte von meiner Großtante Ingeborg, aufgezeichnet von einem ihrer Schüler während des Biologieunterrichts ;-).

Bald findet bei  uns wieder das Literaturfest statt, mit vielen Lesungen, Neuerscheinungen und Autorengesprächen. Alles rund ums Thema Buch! Als ehemalige Buchhändlerin ist das für mich die schönste Zeit des Jahres.

Deswegen möchte ich euch zwei Bücher vorstellen, die ich auf der Seite des Prestel Verlages entdeckt habe

Das Museum der Tiere

und

Der Baum des Lebens – die Evolution

In Search of News about Haeckel I discovered two Books

Animalium – welcome to the Museum

and

Story of live: Evolution

Animalium from Jenny Brooks and Katie Scott is a marvellous collection of curated exhibits on every page, accompanied by informative text. Each chapter features a different branch of the tree of life, from the simple sponge to the enormous elephant.

Story of live: Evolution. This is a graphic, fold out guide to evolution. The book will start with the first single-cell organisms and end with modern life forms.  Read it as a book or fold it all the way out, this is the sort of package that makes Big Picture Press one of the most stylish children’s non-fiction imprints. The Publisher were inspired by Darwin, Maria Sibylla Merian and Ernst Haeckel. I really like the fact that also children can learn more about evolution, the tree of live and the wonders of the natural world.

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Die Autorin Jenny Broom und die Illustratorin Katie Scott haben sich von Darwins Buch: Die Entstehung der Arten, den Zeichnungen der Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian und von Haeckels Kunstformen der Natur inspirieren lassen.

Allein der Trailer ist sehenswert 🙂 Toll!

Das Museum der Tiere– ein wunderbares,  liebevoll gezeichnetes Buch.

Naturgeschichte und Evolution einfach und (all) gemein verständlich 😉 erklärt.

Jedes Kapitel befasst sich mit einer anderen Gattung: wirbellose Tiere, Reptilien, Vögel, Fische, Säugetiere.

Meine Großtante Ingeborg hätte jetzt gesagt: Ob wir die Würmer jetzt oder nachher nehmen, ist Geschmackssache!

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Auch Haeckel hat mal klein angefangen. Eines seiner liebsten Bücher war die Illustrierte Naturgeschichte von Eduard Poeppig. Diese hat Haeckel als Jugendlicher eigenhändig koloriert. Nur zur Info.. es waren ca 4000 Stahlstiche die Haeckel zwischen 1848 und 1850 kolorierte.

Everyone has to start ones, even Haeckel. One of his favorite was „Eduard Poeppig: Illustrated Natural History“. All the illustrations in this book were coloured by Ernst Haeckel when he was a young boy. Can you see the white little bird which is shown on the bottom left? This little drawing was made by Haeckel :-).

Seht ihr den kleinen weissen Vogel unten links? Den hat er selbst noch dazugemalt 🙂

Nachtrag 7.11.15: *Bei dem „kleinen weissen Vogel“ handelt es sich um eine Rohrweihe, genauer um den Nestvogel. Den erwachsenen Vogel seht ihr weiter oben.

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Später hat sich mein Ururgroßvater von diesem Werk zu seiner Nationalversammlung der Vögel- es hängt heute noch im Haeckel Museum– inspirieren lassen.

Poeppigs Work inspired Haeckel to paint the wonderful picture below. The National Assembly of the Birds. This painting can still be seen at the Ernst Haeckel Museum.

 Bezugnehmend auf die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main hat der damals 14-jährige Haeckel jede Vogelfamilie nach ästhetischen Gesichtspunkten, nicht nach systematischen, an und auf einem Baum dargestellt.

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Aber nun zurück zum zweiten Buch:

Der Baum des Lebens von Katie Scott

– Ein fast 2m langes Leporello -Faltbuch- auf dem die wichtigsten Repräsentanten ihrer jeweiligen Erdzeit-Periode dargestellt sind.

zwar nicht so originell wie Haeckels Stammbaum aber doch sehr übersichtlich und schön gezeichnet.

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Vom einfachen Molekül des Präkambriums, den berühmten Dinosauriern der Jura und Kreidezeit und darüber hinaus, sie alle zeigen wie wundervoll vielfältig das Leben auf der Erde ist.

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Das „Museum der Tiere“ und auch „der Baum des Lebens“ hätten meiner Großtante und Ernst Haeckel bestimmt gefallen.

Und meine ehemaligen Buchhandelskolleginnen lieben es ebenfalls- In der Kinder und Jugendbuchabteilung hat es sogar einen Ehrenplatz bekommen.

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Übrigens weil wir gerade beim Thema sind muss ich euch noch folgende Anekdote erzählen: 

Meine Friseurin stellte neulich, beim Bändingen meiner Haare die These auf, dass sie die Stuktur meine Haare genau studiert habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass ich von Eulen abstammen müsse. :-).  Merke: Ein Anthropologe kann sich irren, ein Friseur nie! Alles klar? 😉

P.S: An Anthropogolist can be wrong but a hairdresser never! My hairdresser postulated that my hair is very unusual and she came to the conclusion that I am probably an owl. 🙂

Haeckels Reisebriefe und das Skizzenbuch meiner Urgroßmutter


Von zwei lieben Freunden erhielt ich vor einigen Wochen den Hinweis: In der heutigen Sonntags FAZ, ist ein riesiger Beitrag über Haeckel. Da ich mich gerade auf der Rückfahrt vom Bodensee befand und am Bahnhof in F. auf meinen Bus wartete, nutze ich die Gelegenheit um am hiesigen Zeitungsladen mir besagte Lektüre zu kaufen.

Und tatsächlich; auf 2 großen Seiten ein Bericht über Haeckels Indienreise.

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Den Artikel könnt ihr hier nachlesen. (!!!! Lasst am besten in der Onlineausgabe die Seite 4 weg, denn diese hat mit den Bildeindrücken und der schönen Reisebeschreibung kaum mehr zu tun!!!).

Stattdessen lesen wir lieber einen Auszug aus einem Brief von Haeckels Freund Herrmann Allmers vom 06.09.1882:

Wie lebendig hatte ich Dich von Blatt zu Blatt im Geiste begleitet überall und überall , wo Du standest und gingest, fuhrst oder schwammts und segeltest, in die grüne Dämmerung der Wildnis wie in die ungeheure Lichtfülle, die Meer und l umfing, und wieder bei emsiger Arbeit im stillen Raume deines Loboratoriums. Ich nehme teil am Ernsten wie am Lustigen, was Dir begegnete, aber keines von allem habe ich Dir so in tiefinnerste Seele nachempfunden, als Dein Gefühl beim Verlassen Deines armen, lieben Ganymed, der durch Dich vielleicht zum erstenmal in seinem Leben erfahren hat, was echte Menschenliebe ist. Nun ist er wieder in seinem unwürdig verachteten Dasein und aller harten und lieblosen Behandlung zurückgegeben und hat nichts als Dein lieben Bild, welches fort und fort wie eine überirdische Lichtgestalt vor seiner Seele schweben wird, den armen lieben, schönen und stillen Knaben, ihn an das herrlichste Stück seines Jugendlebens erinnernd. […..]. Genug, Du siehst ich kann und kann gar nicht davon loskommen, denn ganze Tage hindurch liegen mir Deine indischen Briefe im Kopfe. Ist es doch das Schönste und Herzerfreuendste, was du je geschrieben hast….[………]. Mir aber lässt es von neuem den Gedanken aufsteigend, dass es doch schön wäre […] das beste und Lebendigste und Interessanteste aus deiner Wandermappe gesammelt mit reichem Bilderschmuck herauszugeben. Die Verleger werden sich darum reissen und raufenRudolph Koop, Haeckel und Allmers.  Die Geschichte einer Freundschaft in Briefen der Freunde. Arthur Geist Verlage Bremen 1941

Die Wanderbilder wurden tatsächlich ein einem schönen Band herausgegeben. Und einige davon zieren die Wände meiner Wohnung :-). *

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  • Die Wanderbilder (H 1905) sind Kunstdrucktafeln von Haeckels Aquarell und Ölskizzen. Die Edition war- im Gegensatz zu den Kunstformen der Natur kein Erfolg, vielleicht wegen ihrer sehr konventionellen Art, sie dokumentiert aber – neben einer Vielzahl von mit eigenen Illustrationen versehen, gedruckten Reiseberichten- den Anspruch Haeckels. In seinen Reproduktionen sah er diese begriffen.

On my way back from Lake Constance to Munich I received an e-mail from two dear friends: In the today’s issue of the FAZ is a large article about your great-grandfather! Since I was waiting for my bus, I took the opportunity to by said newspaper at the next kiosk. And in fact: an enormous article about Haeckel’s trip to India. (The article is sadly not available in English)

Haeckel traveld two times to India and wrote two books about his adventures: India and Ceylon (Available in English ) and his Malaysian Travel Letters (In german only).

The reason wy I am talking about this is that I found out that my great-grandmother Josefa made the illustrations and vignettes in Haeckels travelreport (from Ceylon / Singapure / Java and Sumatra). My great grandmother was like my great grandfather Walter an artist, one of the young ladies who went to Munich to become a painter. They met each other at the painting school of Bernhard Buttersack at Haimhausen (Dachau). She was a very talented painter as you can see on her sketchbook. I really love her fine and delicate paintings. Haeckel appreciated Josefas work and so he offered her to made some sketches and vignetes for his book. In the pictures below you can see Josefas Drafts with Haeckels instructions and the published pictures.

I am so impressed about Josefas Talent: Drawing true to scale is a very demanding work. The artist must have a sensetive and light hand and a lot of patience. My great-grandmother put her talent after birth their 4 children back. But whenever she could, at home or holidays she spent her time with painting. A few times Josefa was also participated in private, small exhibitions in and around Munich. I am very proud of my greatgrandmothers talent and I love her sketchbook very much.

Haeckels Mayalische Reisebilder mit den Vignetten von Josefa Scholz

Doch die Indischen Reisebilder sollten nicht die letzen sein die Haeckel schuf. Seine zweite große Tropenreise führte ihn am 21. August 1900 über Ceylon und Singapur nach Java und Sumatra. Dessen Erlebnisse hatte er eindrucksvoll in seinem Buch: Aus Insulinde- die Malaysischen Reisebriefe veröffentlicht. Jene Aquarelle und Vignetten, die in jenem Buch abgebildet sind, möchte ich ein wenig näher betrachten.

Josefa Scholz- eine von „Buttersacks“ Malweibern

Meine Urgroßmutter war, wie mein Urgroßvater Walter Haeckel ebenfalls Malerin. Wie viele andere junge Frauen, in der Regel aus dem gehobenen Bürgertum, ging sie nach München, um dort Malerei zu studieren. (Wer sich mehr über die Malerinnen um die Jahrhundertwende in München informieren will, bitte hier klicken).  Meinen Urgroßvater Walter hatte sie wohl in der Malschule von Bernhard Buttersack in Haimhausen bei Dachau kennengelernt. Josefa Scholz und Walter Haeckel heirateten am 8.10.1901 in München. Ernst Haeckel muss sehr viel von seiner Schwiegertochter gehalten haben, besonders hat er auch ihr Maltalent erkannt. Das war wohl der Grund, warum Haeckel seine Schwiegertochter bat, an der Gestaltung seines Buches mitzuarbeiten. Im Vorwort für die Malayischen Reisebriefe wird Josefa neben Adolf GiltschHaeckels Litograph für die Kunstformen der Natur erwähnt- 🙂

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Um solche Kopien herzustellen, braucht der Künstler

eine ruhige Hand,

die Fähigkeit maßstabgetreu arbeiten zu können ( in diesem Fall sollten Originalbilder nach Haeckels Vorgaben gezeichnet ( oder kopiert ) und verkleinert werden

und vor allem viel Geduld.

DSC05869_v1Hier zwei Beispiele aus Josefas Skizzenmappe

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Die Skizzenmappe von Josefa Scholz mit den Vignetten zu Haeckels Malayischen Reisebriefen

Meine Ausgabe der Malayischen Reisebriefe mit einer Widmung Haeckels

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Hier seht ihr die Anweisungen, die Haeckel seiner Schwiegertochter gab, und wie die Vignetten schliesslich veröffentlicht wurden

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Die Malayischen Reisebriefe könnt ihr auch online lesen.

Familie gegen Kunst

Walter und Josefa Haeckel lebten vor ihrem Umzug nach München in Sonthofen. Es wird berichtet, dass beide dort eine Malschule errichten wollten, aber diese Pläne wurden (warum auch immer) verworfen. Meine Urgroßmutter stellte ihre Begabung nach der Geburt ihrer 4 Kinder Ingeborg, Renata, Helga und Horstmar zurück. Doch wann immer sie konnte, in der Sommer oder Winterfrische, war der Skizzenblock, Pinsel und Farbe dabei. Einige Male nahm Sie auch an privaten, kleinen Austellungen in und um München teil. Ob sie noch an weiteren Buchillustrationen mitarbeitete ist nicht bekannt.  Ihre Skizzenmappe nehme ich gern zur Hand und freue mich an ihren schönen Zeichnungen und Skizzen.

P.S.:

Das wollte ich euch noch zeigen:
Auf der Rückreise von Ceylon hatte Ernst Haeckel seinem Sohn Walter eine Postkarte aus Neapel geschickt.

 

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.. und durch Zufall habe ich sie ein meinen „Archiv“ gefunden :-).