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Von ornamentaler Gestaltung und oft bunter Färbung

Eine Ausstellung ganz im Sinne Haeckels: Gemeinverständlich erklärt, unvergesslich und liebevoll gestaltet.

So bewegt und intensiv habe ich selten eine Ausstellung erlebt.

Am Samstag besuchten wir, zwei entfernte Verwandte und ich, die Ausstellung: Verborgene Schönheit, Haeckels Kunstformen der Natur in Darmstadt.

Am Eingang des Museums wird der Besucher derzeit von der Desmonema Annasethe begrüßt- auf einem großen Plakat. Wenn es der Wind ein wenig bewegt, hat man fast den Eindruck, das das herrliche Lebewesen auf einen zuschwimmt.

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In der Ausstellung selbst kann man Haeckels Kunstformen der Natur betrachten. Es sind alle 100 Tafeln ausgestellt. Sie wurden einst in einzelnen Heften herausgegeben. Sie kosteten damals nur 3 Reichsmark – verglichen mit anderen Ausgaben war das ausgesprochen günstig und ein Zeichen, dass Haeckel sehr darum bemüht war, „jene verborgenen Schätze ans Licht zu ziehen und sie einem größeren Kreise von Freunden der Kunst und der Natur zugänglich zu machen“. Haeckel wollte nicht nur den interessierten Laien ansprechen, sondern auch – und wohl auch bevorzugt – Künstler, Grafiker, Maler etc.

Die gesamte 10 bändige Ausgabe der Kunstformen der Natur habe ich damals in Zürich im Antiquariat betrachten dürfen.

Tafeln

Vor den Tafeln hätten wir Stunden verbringen können, immer wieder entdeckten wir neue Details oder auch „liebe Bekannte“ wie etwa die Dictyocysta, den schönen Kolibri, die Strahlinge ( die so leise vor sich hin knistern) und natürlich die Desmonema Annasethe.

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Im zweiten Raum der Ausstellung sind Ornamentstiche, Schmuck und verzierte Möbelstücke ausgestellt. Die Idee sich von der Natur inspirieren zu lassen war nicht neu. Man denke vor allem an die meisterlich gestalteten Bibeldrucke des frühen Mittelalters: Ein einzelner Buchsstabe ist reich mit Blumen, Girlanden und Tieren verziert.  Oder die Radierungen des frühen 19. Jahrhunderts: Teilweise ist eine komplette Geschichte in einem einzigen Bildchen erzählt.

** z.B in der Randzeichung der“ Geschichte von der gefangenen Prinzessin“ von Johann Baptist Sonderland 1805-1878,  Radierung 1842; Foto: Wolfgang Fuhrmannek HLMD

Rübezahl

Eine Prinzessin fällt durch einen Brunnen in das unterirdische Reich des Riesen Rübezahl und kann sich nur aus Rüben ein Gefolge zaubern. Aus einer Wurzel ( Rübe) erwächst die ganze Geschichte. Diese Wurzel verwirklicht die Kompostionsform der romantischen Arabeske, die sich am Pflanzenwachstum orientierte und meinst von unten aus einer Wurzel oder einem Gewässer- organisch nach oben wächst. (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Ebenfalls lässt sich der Einfluss von Haeckels Werken an den Grafiken, Möbel- oder Schmuckstücken des Jugendstils erkennen.

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oder an diesem Werbeplakat für ein Fahrrad. Ob man mit solcher Haarpracht und dem hübschen, wallenden Kleid Rad fahren kann ist allerdings fraglich 😉

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Das Herzstück der Ausstellung ist die Desmonema Annasethe als Modell, das extra für diese Ausstellung angefertigt wurde.

3 Grazien Ist sie nicht großartig?

Anna

Ich glaube, Haeckel selbst würde glücklich lächelnd durch die Ausstellung gehen und immer wieder verstohlen, wenn die Aufsicht gerade nicht hinsieht, „seiner Anna“ liebevoll über den Schirm streichen.

Und den Katalog, den es über die Ausstellung gibt, kann man für günstige 10€ entweder im Museumshop erwerben, oder auch online bestellen. Er lohnt sich zu lesen 🙂

 

Inhalt

Das Beste zum Schluss: Die Ausstellung wird bis Juli verlängert! Und für alle, die etwas weiter weg von Darmstadt wohnen und ein längers Wochenende einplanen können: Fahrt hin! 🙂  Im Museum ist nicht nur Haeckel zu Gast: Man kann sich über Beuys‘ berühmten Fettstuhl wundern oder, wem das zu unheimlich ist, sich in der Jugenstilabteilung an den Puppen der Lotte Pritzel freuen. Oder ihr trefft euch mit Haeckel und seinen Medusen in der Zoologischen Abteilung des Hauses – er ist ganz leicht zu finden – bei den Affenskeletten natürlich 😉

Collage

Herzlichen Dank an Frau Dr. Friedemann und Frau Dr. Reinisch, die uns diesen schönen Nachmittag ermöglicht haben.

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