All about sewing, my life and a secret


Der Monat Mai war sehr interessant und arbeitsreich. An dem Blog über meinen Großonkel Horstmar habe ich ca 7 Jahre gearbeitet, bis ich endlich einen Weg gefunden habe ihn vorzustellen. Ein Thema, dass mir nicht leicht gefallen ist, zumal Horstmar ja sehr früh sterben musste. Horstmars Geschichte ist traurig und stimmt sehr nachdenklich. Als ich so allein am Gräfelfinger Friedhof stand, tat es gut allein in Gedanken an Horstmar zu sein. Aber der Tod gehört zum Leben dazu, auch wenn wir nur ungern darüber nachdenken.


Aber nun zu den freudigen Dingen.

Ich habe viel Zeit an der Nähmaschine verbracht:  Meine liebste Kollegin erwartet ein Kind und ich habe ihr ein paar Umstandskleider genäht.
Als ich dieses schöne Projekt beendet hatte, wollte ich auch etwas für mich nähen. Durch Zufall habe ich die Seite Your style rocks entdeckt. Ich habe mich sofort in das Eva-Dress mit dem Wasserfallkragen, dem schräg angesetzten Rockteil und dem gerafften Bund verliebt und musste es natürlich unbedingt haben. Da ich mir bei der Umsetzung etwas unsicher war, habe ich einen Wochenendkurs in der Nähschule gebucht. Der Schnitt war einfacher umzusetzen als ich dachte. Es hat mir solchen Spass gemacht, dass ich gleich zwei Kleider im Kurs genäht habe. Absolut Alltags und Kanzleitauglich 😉  Welches gefällt euch besser ;-)?

It is time to face reality my friends: I am a sewaholic ;-).  During the last four weeks I sewed around 6 dresses. Two for me, and four for my dearest colleague. Ms H. is expecting a baby and so I made her a comfortable nightgown and two maternity dresses. It was such a pleasure to sew for her.

While we were looking for some patterns I discovered the website: Your style rocks. Here you can have wonderful patterns for free. I felt in love to the wonderful „Eva-Dress and I knew I must have this dress. To avoid mistakes and frustrating moments I took part of a sewing class and I was surprised how easy to sew the dress is. On Sunday evening I left school with two dresses. They are pretty and elegant and so I am appropriately dressed, even for my job.

Which one do you like more?

DSC02214.1 DSC02199.1

DSC02256.1

DSC02260.1

 

Und weil ich immer wieder gefragt werde, wer denn eigentlich die Fotos von mir macht: Bitte sehr 😉 Meine kleine Kamera mit Selbstauslöser und das Teleskopstativ.

And since I am often asked where the mysterious person is who makes the photos from me, I think it is time to reveal the secret.

DSC02278.1

 

 

Wo magst du sein?*


*Helga an Horst 07.10.1942

Horstmar Haeckel war der einzige Sohn von Walter und Josefa Haeckel, und auch der einzige Enkel Ernst Haeckels.

Horst und ErnstWidmung Ernst Haeckels in den Indischen Reisebriefen an seinen Enkel Horstmar.

Horstmar wurde am 14.03.1914 in München geboren. Er hatte eine Gaumenspalte die früh operiert wurde. Zeitlebens trug er eine Narbe an der Oberlippe.

Der Hahn im Korb. Allen voran, die große und begabte Schwester Ingeborg und die kleine Helga, die ihrer verstorbenen Schwester Renata so ähnlich war.

DSC02189Von links nach rechts: Helga, Ingeborg, Horstmar

Helga und Horst: sie küssten und schlugen sich, aber sie konnten nicht ohne einander sein. Ein inniges Band verband die beiden, so unterschiedlich sie auch waren.

Wie das Verhältnis zwischen ihm und der großen Schwester Ingeborg war, ist nicht bekannt. Ich vermute, Ingeborg war halt die große gelehrte Schwester die in Jena im Haus des Großvaters lebte und an der Universität studierte. 11 Jahre sind eben doch ein großer Unterschied.

Renata von Lilien erinnert sich:

„ Er war nie blos ein Abklatsch seiner Schwester. Auch hatte er sein ganz eigenes Gepräge, das war vor allem von der Naturkunde her bestimmt war, anlagemäßig und durch bewusste Förderung dieser Anlagen. Wenn es um naturkundliches ging, hatten die Eltern eine Engelsgeduld mit dem Buben. Er sammelte, was sich sammeln und finden liess. Er beobachtete mit unermüdlicher Ausdauer. Andere hatten wenig Sinn dafür, dass Horst Frösche und Schlangen und wer weiss noch was alles fangen wollte, stundenlang.“ Renata von Lilien: Erinnerungen an Helga

DSC02175

So kam es, dass in Horstmars Zimmer Mäuse, Hamster und Schlangen gehalten wurden. Die Schlangen, weil sie so schön waren, die Mäuse und Hamster weil man an ihnen die Mendelschen Gesetzte sehr schön beobachten konnte und durch Verkauf an die Studenten der LMU sein Taschengeld aufbessern konnte.

„Als der Horst größer wurde, gewaltig aufschoss, hatte er lange schlacksige Haxen und hartgriffige Hände. Es freute ihn, einem die Finger zusammenzudrücken, dass man am liebsten geschrien hätte und den Gruß noch lange spürte. So geschehen, als ich schon 21 Jahre alt war und Studentin höheren Semesters- nach bürgerlichen Familienmileu also schon eine junge Dame. Ich hatte den Horst lange nicht mehr gesehen. Diese Gelegenheit nahm der Lausbub trotz seiner 15 Jahre wahr als kräftigen Händedruck die seinerseitige Freude über das Wieder sehen kundzutun. Aber die linke war ja noch frei und „Patsch!!“ hatte der Horst eine Mordswatschen sitzen. Meine Mutter war wirklich entsetzt und auch mein Vater tat seinen beliebten und mir so verhassten Ausspruch: „Nein, weisst du, da bist du allmählich zu groß dazu.“ Nur der Horst reagierte richtig. Sein Händedruck war in Zukunft nicht mehr so kraftvoll was keinem von uns geschadet hat.“Renata von Lilien: Erinnerungen an Helga

Collage Familie

Horstmar war  wie alle Haeckelkinder eigentlich ein begabter Schüler, vor allem im Zeichnen, aber nicht gerade willig dass zu lernen, was der Lehrplan verlangte . Im Gegensatz zur großen Schwester Ingeborg brachte er wohl jedes Jahr Zeugnisse heim, die selbst im nächsten Verwandtenkreis nicht gezeigt werden konnten. Nun.. er hatte eben andere Interessen 😉

Ich vermute, dass er die Schule mit dem mittleren Schulabschluss verliess. Dann wurde er Werkzeugmacher an der Technischen Universität München. Da kam ihm sein Zeichentalent und sein technisches Verständnis zugute. Mit Begeisterung konnte er sich stundenlang mit seinem Motorrad beschäftigen: Es in alle Einzelteile auseinanderschrauben, glücklich vor den ordentlich aufgereihten Schrauben, Muttern etc stehen und sie nach und nach wieder zusammenzusetzten um dann hoch zu Motorrad durch das damals noch ländliche Würmtal zu brausen.

Seine zweite Leidenschaft war die Fotografie. Im Elternhaus richtete er sich in einem kleinen Raum im Keller ein Fotolabor ein. Der Raum hat nur ein kleines Fenster, dass er mit Brettern verdunkelte. Mein ältester Bruder hat dort später auch Fotos entwickelt.

Horstmar war ein gutausehender, junger Mann. Schlank, helle Augen, sehr groß. Bei den Damen beliebt.

DSC02177.1

In einem Fotoalbum habe ich Bilder von ihm mit hübschen, jungen Damen entdeckt. Wie sie zum Spass Kleider tauschten: Er im Blümchenkleid, die Dame in seinen Lederhosen. Beide fröhlich und unbeschwert. Ein Sommermärchen.

Die Zeit ging ins Land: Aus Ingeborg wurde das Fräulein Dr. phil Ingeborg Haeckel und aus Helga die Frau Clauss, Büttelbronn. Die Geschwister hielten Kontakt, besonders Helga und Horst waren eng miteinander verbunden. Wenn es ging besuchte der „kleine“ Bruder seine ältere Schwester. Sie standen einander auch als Erwachsene sehr nahe, auch wenn sie oft unterschiedlicher Meinung waren. Ein Umstand unter dem meine Großmutter später oft litt.

DSC02183.1                                                                              Helga und Horst mit Helgas Kindern Diethard (1943) und Fritjof (1941 †1947)

..Schön wärs ja, du könntest über Büttelbronn wieder zurück (von Russland). Aber es wird wohl nicht gehen. Unser letztes Zusammensein war ja so kurz und ausserdem hat es mir richtig leid getan, dass unser Gespräch eine so unbefriedigenden Ausgang nahm. Es liegt freilich im Grunde an meiner dualistischen und deiner monistischen Weltanschauung und kann keiner den anderen über zeugen wenn der einzelne nicht durch ein entsprechendes Erlebnis die Richtigkeit des Gegenteils erfährt. Wir lesen darum auch öfters in den Welträtseln und in einem Buch von Heinrich Schmidt, um Großvaters Persönlichkeit besser kennen zu lernen. Die Welträtsel bleiben uns aber nach wie vor ein „Rätsel.“ -(Helga an Horst 07.10.1942)

Und dann brach der zweite Weltkrieg aus: Horstmar meldete sich freiwillig als Fernmeldetechniker.

Fanatisch und blind zog er in sein Verderben.

1944 bekamen die Schwestern Ingeborg und Helga die Nachricht, dass ihr Bruder gefallen war.

„Horst Haeckel- Wachtmeister, geboren am 14.03.1914 in München ist am 13.04.1944 in Wozilow/ Nordukraine gefallen“ *

Ich denke öfters an diesen schönen, jungen Mann. Was wäre gewesen, wenn er nicht in den Krieg gezogen wäre, bzw. den Krieg überlebt hätte. Er hätte in das Elternhaus ziehen und eine Familie gründen können.

Er wäre einer von den „ewigen Sonntagsbastlern“ geworden, die begeistert stundenlang im Blaumann am Motorrad oder Auto herumwerkeln. Ölverschmierte Hände, Geruch nach Motoröl und Benzin. Dazwischen fröhliche Kinder und eine schöne Ehefrau.

Horstmars Reise dauerte nur 30 Jahre. Auf der Gedenktafel der Kriegsgefallenen auf dem Friedhof in Gräfelfing steht sein Name eingraviert: Horst Haeckel † 1944.

 Friedhof

*Herzlichen Dank an die Deutsche Dienststelle Berlin für Ihre freundliche Auskunft ( Nachtrag geschrieben am 14.10.2017)

Ruhe in Frieden Horstmar

1930’s fashion


DSC01918.1

I can’t stop saying how much I love the wonderful and elegant 1930’s fashion.  This one is my favorite: A smart casual and feminine trouser suit.

Die Mode der 30er Jahre… wunderschön. Besonders die Damenanzüge: Weiblich und sportlich zugleich und ideal für die kommenden Sommertage.

DSC01955.1As a sort of confess: This master-peace is not made by me, apart from the blouse which I made last year ;-). I bought it years ago in a vintage store in Munich long time before I learned how to sew. It is made according to an original 1930 pattern. The whole suit is very comfortable and wonderful to wear. The fabric ( linen) is also original from the 30’s. I think I really should wear the ensemble more often.

Dieses Meisterwerk habe ich allerdings nicht selbst genäht. (die Bluse allerdings ist schon 😉 sie wurde letzten Sommer genäht). Ich habe den Anzug vor vielen Jahren in einem Laden in München erstanden. Der Anzug wurde nach einem Original Schnittmuster und wundervollem Leinenstoff aus den 30er Jahren genäht. Ich habe ihn bisher ganz selten getragen, aber ich denke, dass sollte dieses Jahr anders werden. 🙂

 DSC01895.1

Von ornamentaler Gestaltung und oft bunter Färbung


Eine Ausstellung ganz im Sinne Haeckels: Gemeinverständlich erklärt, unvergesslich und liebevoll gestaltet.

So bewegt und intensiv habe ich selten eine Ausstellung erlebt.

Am Samstag besuchten wir, zwei entfernte Verwandte und ich, die Ausstellung: Verborgene Schönheit, Haeckels Kunstformen der Natur in Darmstadt.

Am Eingang des Museums wird der Besucher derzeit von der Desmonema Annasethe begrüßt- auf einem großen Plakat. Wenn es der Wind ein wenig bewegt, hat man fast den Eindruck, das das herrliche Lebewesen auf einen zuschwimmt.

DSC01853.1

In der Ausstellung selbst kann man Haeckels Kunstformen der Natur betrachten. Es sind alle 100 Tafeln ausgestellt. Sie wurden einst in einzelnen Heften herausgegeben. Sie kosteten damals nur 3 Reichsmark – verglichen mit anderen Ausgaben war das ausgesprochen günstig und ein Zeichen, dass Haeckel sehr darum bemüht war, „jene verborgenen Schätze ans Licht zu ziehen und sie einem größeren Kreise von Freunden der Kunst und der Natur zugänglich zu machen“. Haeckel wollte nicht nur den interessierten Laien ansprechen, sondern auch – und wohl auch bevorzugt – Künstler, Grafiker, Maler etc.

Die gesamte 10 bändige Ausgabe der Kunstformen der Natur habe ich damals in Zürich im Antiquariat betrachten dürfen.

Tafeln

Vor den Tafeln hätten wir Stunden verbringen können, immer wieder entdeckten wir neue Details oder auch „liebe Bekannte“ wie etwa die Dictyocysta, den schönen Kolibri, die Strahlinge ( die so leise vor sich hin knistern) und natürlich die Desmonema Annasethe.

DSC01796

Im zweiten Raum der Ausstellung sind Ornamentstiche, Schmuck und verzierte Möbelstücke ausgestellt. Die Idee sich von der Natur inspirieren zu lassen war nicht neu. Man denke vor allem an die meisterlich gestalteten Bibeldrucke des frühen Mittelalters: Ein einzelner Buchsstabe ist reich mit Blumen, Girlanden und Tieren verziert.  Oder die Radierungen des frühen 19. Jahrhunderts: Teilweise ist eine komplette Geschichte in einem einzigen Bildchen erzählt.

** z.B in der Randzeichung der“ Geschichte von der gefangenen Prinzessin“ von Johann Baptist Sonderland 1805-1878,  Radierung 1842; Foto: Wolfgang Fuhrmannek HLMD

Rübezahl

Eine Prinzessin fällt durch einen Brunnen in das unterirdische Reich des Riesen Rübezahl und kann sich nur aus Rüben ein Gefolge zaubern. Aus einer Wurzel ( Rübe) erwächst die ganze Geschichte. Diese Wurzel verwirklicht die Kompostionsform der romantischen Arabeske, die sich am Pflanzenwachstum orientierte und meinst von unten aus einer Wurzel oder einem Gewässer- organisch nach oben wächst. (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Ebenfalls lässt sich der Einfluss von Haeckels Werken an den Grafiken, Möbel- oder Schmuckstücken des Jugendstils erkennen.

015

oder an diesem Werbeplakat für ein Fahrrad. Ob man mit solcher Haarpracht und dem hübschen, wallenden Kleid Rad fahren kann ist allerdings fraglich 😉

DSC01827

Das Herzstück der Ausstellung ist die Desmonema Annasethe als Modell, das extra für diese Ausstellung angefertigt wurde.

3 Grazien Ist sie nicht großartig?

Anna

Ich glaube, Haeckel selbst würde glücklich lächelnd durch die Ausstellung gehen und immer wieder verstohlen, wenn die Aufsicht gerade nicht hinsieht, „seiner Anna“ liebevoll über den Schirm streichen.

Und den Katalog, den es über die Ausstellung gibt, kann man für günstige 10€ entweder im Museumshop erwerben, oder auch online bestellen. Er lohnt sich zu lesen 🙂

 

Inhalt

Das Beste zum Schluss: Die Ausstellung wird bis Juli verlängert! Und für alle, die etwas weiter weg von Darmstadt wohnen und ein längers Wochenende einplanen können: Fahrt hin! 🙂  Im Museum ist nicht nur Haeckel zu Gast: Man kann sich über Beuys‘ berühmten Fettstuhl wundern oder, wem das zu unheimlich ist, sich in der Jugenstilabteilung an den Puppen der Lotte Pritzel freuen. Oder ihr trefft euch mit Haeckel und seinen Medusen in der Zoologischen Abteilung des Hauses – er ist ganz leicht zu finden – bei den Affenskeletten natürlich 😉

Collage

Herzlichen Dank an Frau Dr. Friedemann und Frau Dr. Reinisch, die uns diesen schönen Nachmittag ermöglicht haben.