Vergiss mein nicht


Untitled

Hirschberg den 13.ten April 1818

Wirst du einst an deine Freunde denken

No.4

so denk auch dann an mich zurück.

Wirst du ihnen Stunden schenken, schenk mir einen Augenblick.

Deine dich liebende Muhme

Henriette Haeckel

_______________________________________________________________

Dieser schöne, anrührende Eintrag stammt aus einem Familienstammbuch der Vorfahren Ernst Haeckels.

Wer sich hinter der Muhme = weibliche Verwandte Henriette Haeckel verbirgt, konnte bis heute nicht ganz geklärt werden. Sicher ist nur, dass es sich um eine entfernte Großtante Ernst Haeckel handelte.

Zu diesem Eintrag, hat die geheimnisvolle Henriette Haeckel ein Bild gemalt.

IMG_1759_v2

Some months ago I had the opportunity to have a look at a familybook from Ernst Haeckels ancestors. I really liked it, especially the picture which shows a young girl in a yellow dress who is watering the flowers.

I felt in love to the lovely dress of the unknown girl and I decided to make the same dress for me.

The girl does not wear a traditional dress. It is a contemporary dress which was popular around the mids of the 19th century. The girl wears a sleeveless maizyellow dress. Her Fichu has the same color like the trim of the skirt. Under the dress, the girl wears a fine chemise with puffed sleeves.

I really like her short hair. The girl was probably the daugther of the house, or a good friend of the family. She is not a girl from the upper class, as you can see on her dress. We assume she is a girl from the middle class because her dress is from cotton and not from silk. Maybe it is her beloved Sundays dress and it suits her very good. She wears white stockins and her best black ballerinas.

I assume she is very happy, because her mouth is laughing although her big eyes look a little bit sad.

The picture was painted by Henriette Haeckel at April 13, 1818. She was a Great-grandaunt from Ernst Haeckel, a relative of his ancestors while they had a bleachery at Cunnersdorf / Polen.

Es zeigt ein junges Mädchen in einem maisgelben Kleid, dass in einem Garten Blumen giesst. Bei den Blumen handelt es sich wahrscheinlich um Vergissmeinnicht. In der Schale befinden sich Vergissmeinnicht und Rosen, oder Pfingstrosen.

Die ganze Szene hat etwas sehr vertrautes, denn das Mädchen trägt keine Kopfbedeckung. Sie ist wohl ganz im intimen Kreise mit der Freundin im Garten und lässt sich von ihr porträtieren.

Bei dem Kleid handelt es sich nicht um eine bestimmte Tracht. Eher handelt es sich um ein modisch-bürgerliches Kleid aus der Entstehungszeit der Zeichung, also die späte Emirezeit. Die Taille ist nicht mehr hoch unter der Brust angesetzt sondern wandert langsam nach unten. Das Fichu / Führtuch / Brusttuch ist farblich auf den Rockbesatz abgestimmt und  bedeckt (züchtig) dass Décolleté.  Zum trägerlosen Kleid trägt das Mädchen eine Chemise, ein einfaches Unterkleid mit Puffärmelchen. Die Weite der Ärmel wird mit Bändern reguliert. Man sieht die Bindebänder unter dem linken Ärmel ein wenig hervorblitzen.

Das Mädchen trägt eine damals modische Kurzhaarfrisur. Es ist ein Mädchen aus gut bürgerlichen Kreisen, evtl die Tochter des Hauses. Das Kleid ist wohl ihr Sonntagskleid. Es ist einfach und schlicht, aber doch hübsch. Dazu trägt das Mächen feine weisse Strümpfe und wohl ihre besten Sonntagsschühchen. Sie rafft ihr Kleid etwas hoch um den Saum vom Giesswasser zu schützen. Ihre Haltung hat etwas anmutiges, tänzerisches. Ihr Blick ist verträumt auf die Blumenschale gerichtet. Vielleicht denkt sie an etwas schönes, denn ihr Mund lächelt, obwohl ihre großen Augen etwas ernst wirken.

Der Stoff des Kleides glänzt nicht, also handelt es sich bei dem Stoff des Kleides wohl weniger um feine Seide, sondern eher um einen feinen Baumwoll oder Leinenstoff.  Haeckels Vorfahren waren Besitzer einer Leinwandbleiche
in Cunnersdorf im heutigen Polen. Es ist bemerkenswert, dass Haeckels Vorfahren sich vom einfachen Häusler ( Der Besitzer eines kleinen Häusschens ) zum Besitzer einer Wäschebleiche hochgearbeitet hatten und schliesslich vermögend genug waren um den einzigen überlebenden Sohn ( Haeckels Vater) ein Jurastudium zu ermöglichen. Die Häuser der Haeckelbleiche sind noch erhalten. Bitte auf den *Link klicken, auf dem Foto kann man das „Haeckelhaus“ im heutigen Zustand sehen. Um auf den Stoff zurückzukommen: In der Haeckelbleiche wurden Leinenstoffe gebleicht, und ich denke mir, dass sich die Haeckels dass eine oder andere gute Leinen für ihre Kleider verwendet haben.

Ich habe das Kleid des Mädchens nachgearbeitet und versucht mit so genau wie möglich an die Vorlage zu halten. Die Farbe der Streifen und des Kleides wurden mittels Farbkarten ausgewählt.  Die Streifen des Kleides bestehen aus Baumwolle. Der Stoff des Kleides ist ein feines Baumwoll / Leinengemisch. Das Kleid wird am Rücken mit Bändern verschlossen.

Für die Chemise habe ich feines Musslin verwendet. Das Mädchen hatte bestimmt zu ihrem Sonntagskleid ihre beste Chemise getragen und nicht ihre Alltagsunterkleidung.

Und nun wird es Zeit, den Schleier zu Lüften und euch das geheimnisvolle Projekt der letzten drei Monate zu zeigen.

As written in my latest blog I wanted to have a dress like the girl in the Familybook. I began to work with this dress in January and finished it in March. It was a wonderful project and I really like the dress. During Easter I wore it every day. Sometimes I thought I am the girl on the picture.

And I hope you also like the dress which was worn by a relative of mine 200 years before and which is now alive ;-).

DSC00857_v2

No.5

Es war ein langwieriges, aber schönes und sehr spannendes Projekt. Und ich mag das Kleid. Nach fast 200 Jahren wird es „lebendig“, es erzählt die Geschichte meiner Vorfahren und deren Leben in Cunnersdorf. Zu gern würde ich mehr über das Mädchen erfahren.

Über die Osterfeiertage habe ich das Kleid jeden Tag getragen.  Am Karsamstag war es warm genug, um in den Abendstunden bei Schloss Hersberg Fotos zu machen. Es war herrlich: Vogelgezwitscher, ein leichter Wind und herrlicher Blick auf den Bodensee und die schneebedeckten Berge der Schweiz.

Und in der Nacht habe ich eine Nachtigall singen hören.

DSC00903_v1

*Fachliche Auskunft durch das Schlesische Museum Görlitz sowie das Germanische Nationalmuseum Nürnberg

 

Chemise / Schnürleib und Blankscheit


Einen schönen Sonntag Abend, ihr Lieben. Ich hoffe, ihr hattet ein geruhsames Wochenende. Nach einer „harten“ Arbeitswoche war es mehr als notwendig, das Wochenende mit schönen und entspannenden Dingen zu verbringen. Und ich war glücklich, endlich an meinem Projekt weiterarbeiten zu können.

Zunächst habe ich neue Unterkleidung genäht.  Chemise und ein Schnürleib.

Hello and good afternoon everyone. I hope you all had a lovely Sunday. Week was very busy and it was necessary to „clear“ my head and to do things to relax. I was glad to have enough energy to work on my latest challenge and now I am happy to tell you that, after some weeks it is finally ready.  First of all, I decided to make a new set of Unmentionables: Regency Chemise and new Stays

Since I wanted to make a dress according to a nice painting from an old family album I wanted to work as exactly as possible. Firstly I was not sure, whether I should make a blouse, a chemisette or a chemise with puffed sleeves. Thanks to the help of a good friend of mine we found out that I should make a chemise with puffed sleeves. The chemise pattern is really simple: Three rectangles :-).

Die Chemise war eine kleine Herausforderung. Anfangs war ich gar nicht sicher ob ich nicht lieber eine Chemise mit Ärmelchen nähe, oder eine Bluse. Das war aus dem Bild heraus nicht so klar zu erkennen. Dank eine lieben Freundin kamen wir endlich hinter das „Geheimnis“, was ja eigentlich keines ist und entschieden uns für eine Chemise- ein historisches Unterkleid mit Puffärmelchen. Danke nochmal Mariell für deine liebe Hilfe <3.

Die Chemise besteht aus drei Rechtecken. Die kleineren Rechtecke bilden die Ärmel, die beiden großen den „Körper“. Die Chemise wird am Halsausschnitt mittels einer Schnur auf die gewünschte Göße gezogen. An den Ärmeln befindet sich am Saum ebenfalls eine eingenähte Kordel, mit der man die Weite regulieren kann.

Chemise

My first pair of short stays is based on Bernhardt’s patterns C. according to S. Schierhoffs Blog Kleidungum1800. As the stays are made of only two layers and very little boning, it’s comfortable. For the front I sewed a little bag for the wooden busk. And since this project is dedicated to Ernst Haeckel I stitched our initials letters on top and bottom.  To defend myself, this was my first try, it looks not really perfect, but I am really happy with the result.

Für den Schnürleib habe ich ein Schnittmuster von S. Schierhoff ( Kleidungum1800) erwendet.  Es wird hinten mittels Schnürung verschlossen und trägt sich wunderbar angenehm ohne einzuschnüren.  Vorne habe ich eine „Tasche“ für das Blankscheit eingesetzt. Und da dieses Projekt mit Haeckel zu tun hat, habe ich „unsere“ Initialen eingestickt.

Stays

The wooden busk was made by my dear friend Maren. She creates such wonderful wooden busk’s. I asked her whether she could make me a wooden busk for my stays according to Haeckels Art forms in Nature. And after a very amusing chat and some days later I found this wonderful „Haeckelbusk“ in my mailbox :-). Isn’t Marens work amazing? I think Haeckel would also love it.

Der Blankscheit hat ebenfalls mit Haeckel zu tun:  Maren stellt solche schönen Blankscheite her, die sie auch auf Wunsch individuell verzieren kann. Ich betrachtete gerade Haeckels Kunstformen der Natur und schon hatte ich eine Idee, Maren ebenfalls- nämlich die Beste 🙂 Es folgte noch manchner lustiger, digitaler Briefwechsel und ein paar Tage später war das schöne Blankscheit in meinem Briefkasten.

Ist er nicht schön geworden? 😉

 Scheit

*Thanks a lot to  Mariell and Maren for your help and Ideas ❤

Ernst

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Zürich, Dada und Haeckel


Vor einiger Zeit habe ich etwas verrücktes geträumt: Ich habe eine Dadaistische Bewegung gegründet, die sich vor allem durch perfekte Beherrschung der Grammatik auszeichnete und deswegen immer mit einem Duden in der Hand herumlief. Besonders gekleidet waren wir natürlich auch. Elegant, leger im freundlichen Schwarz und Schal.

Also, was immer das bedeuten soll ;-).

Nun feiert ja die  Stadt Zürich den 100. Geburtstag von Dada. Da ich ja öfter am Bodensee bin, nutzte ich die Gunst der Stunde und beschloss, relativ spontan, nach Zürich zu fahren.

Mit dem Fernbus ab Friedrichshafen bis Meersburg, über den See mit der Autofähre nach Konstanz und schon ist man in 2 Stunden in Zürich  :-).

Some months ago I had a very crazy dream: I founded a Dadaistic Movement with some friends of mine. The members were all dressed very elegant and our „Bible“ was a Grammar book ;-).

Dada began in Zurich, Switzerland in 1916 at Cabaret Voltaire. And since Zurich celebrates Dada’s 100 Birthday I knew that I really must go to Zurich to see the Birthplace of Dada with my own eyes. I think as a former Bookseller it is a must ;-).

Zurich is not really far away from Lake Constance- only 2 hours by bus and ferry. Last weekend I travelled to Switzerland. And I can‘ t tell you how excited I was: I would see the famous Cabaret Voltaire, the wonderful City of Zurich with his Antiquarian Bookshops and lovely Ms Eliane a good friend of mine.

 

. Ship

Ich hatte mich mit einer lieben Freundin verabredet, mit der ich ein paar schöne Stunden nun in Zürich verbringen würde :-).

Zunächst ging es erstmal in die Spiegelgasse, in das berühmte Cabaret Voltaire.

Our first aim was the famous Cabaret Voltaire.

p03hftkx              Source: BBC

Dada

Jolifanto

Zürichs Altstadt ist wirklich sehenswert. Besonders die vielen kleinen Antiquariate und Buchhandlungen. Hach.. zu schön!!  Und ratet mal, wessen Bücher in der Naturwissenschaftlichen Abteilung eines kleinen Antiquariats im Regal standen?

Later we went to an antiquarian Bookshop. And guess what I discovered there: Yes, Haeckels Books. The friendly bookseller showed me the first Edition of Haeckel’s Art forms in nature. Wonderful but sadly too expensive for me. I decided to buy a lovely „forget-me-not“book from 1864. This is a mix between a friendship book and spiritual sayings for everyday.

Haeckel

Genau: Haeckels Werke :-). * Die Postkarte von Haeckel  habe ich in meinem Haeckel Album gefunden

Vom freundlichen Antiquar erfuhr ich, dass Haeckels Werke in der Schweiz sehr bekannt und beliebt sind: „Da beneiden uns unsere deutschen Kollegen ;-)“. Dann verschwand er mit dem Satz: „Ich zeige Ihnen etwas“! in einer Kammer und kam nach einer Weile mit 10 Heften wieder. Und dann wurde mir erst einmal schwindelig. Haeckels Kunstformen der Natur von 1899!!! in 10 Heften…………… Tantalusqualen! Absolute Tantalusqualen!  Bei einer Haushaltsauflösung eines Künstlers gefunden, die Erben wollten sie wegwerfen!  Mögen sie einen würdigen Besitzer finden. Zu schön! Ich habe sie leider nicht kaufen können, dafür erstand ich ein nettes kleines Vergissmeinnicht Büchlein. Eine Art Poesiealbum mit geistlichen Sprüchen für jeden Tag.

 

Ein anschliessender Besuch im  Kolonialwarengeschäft Schwarzenbach war wie eine kleine Zeitreise in das frühe 20 Jahrhundert. Eliane hatte mir erzählt, dass es dort grünen Reis zu kaufen gibt und da wollte ich auch gern welchen haben.

Another highlight was the grocery store Schwarzenbach. It was like a step in another time. I felt in love with this wonderful store and the delightful aromas of Tea, Coffee, Fruits etc.

 

PicMonkey Collage

In einem kleinen Café stärkten wir uns noch bei Bircher Muesli und Kaffee, bis es drei Uhr schlug und mich daran erinnerte allmählich zurück zum Busbahnhof zu gehen.

LimnatEin Seifenblasenkünstler zauberte diese schönen Seifenblasen, die anmutig und fragil ihre kurzlebige Schönheit zeigten.

I love these wonderful gigantic soap bubbles

Home

And around 3pm it was time for me to go back to the bus station. It was wonderful there and I really should come back.

Thanks a lot to lovely Eliane for your companionship and I hope I can see you in Switzerland again.

Lieben Dank an Eliane für deine Begleitung und diesen schönen Tag in Zürich. Schön war’s. Und gerne wieder 🙂

A further Regency dress, Haeckel and Sir Baileys


In meiner Dachstube wird fleissig genäht, gesteckt und geheftet. Ich arbeite wieder an einem historischen Kleid aus der späten Empirezeit. Gut, ich habe nun in der Vergangenheit einige Kleider aus dieser Epoche genäht, doch diesmal ist es etwas besonders. Zuviel will ich noch nicht verraten, aber es hat mit meiner Familie- also mit Haeckel zu tun.  Und zwar mit den Vorfahren Haeckels, als sie noch in Cunnersdorf- im heutigen Polen -eine Wäschebleiche betrieben.

Currently I am working on a further Regency dress. Ok.. in the past I have made a lot of dresses from this era but this dress is a special one. It has to do with Ernst Haeckels ancestors who runned a bleachery at Cunnersdorf (todayś Polen). This Project is funny but costly because I am interested to make the dress as accurately as possible, true to the original. But I think I should not talk to much about this ;-).

Dieses Projekt ist etwas besonderes, das Kleid soll so Originalgetreu wie möglich nachgearbeitet werden. Es ist spannend mit Farbkarten zu arbeiten, vorhandene Schnittmuster abzuändern und im Bild immer wieder neue Details zu entdecken.

During carneval I spent a week at lake constance and so I had enough time to start with this wonderful and interesting project. As written in a further post I told you that Sir Baileys is a very talented and strict tailor. He was very interested in the project of his beloved mistress and watched me very closely ;-).

Die Faschingswoche verbrachte ich bei meiner Tante und Sir Baileys am Bodensee und da hatte ich endlich genug Zeit mit dem Kleid anzufangen. Sir Baileys ist ja, wie ihr ja inzwischen wisst ein talentierter und strenger Schneidermeister. Seinen Augen entgeht nichts und er passt sehr streng auf, dass alle Arbeitsschritte korrekt eingehalten werden.

 Die Ordnung auf dem Arbeitstisch ist streng einzuhalten

Keep your working place tidy!!

20160206_152517_v1

Was bitte .. ist das?

What the heck..

20160206_152516_v1

Weg damit!

Get rid of it!

20160206_152514_v1

Es folgt die Qualitätskontrolle

And now: The quality controll

20160206_152628_v1

Is everything correct?

Ist das auch richtig zusammengesetzt?

20160206_152636_v1

Well, I would say it is acceptable

Na gut.. dann lassen wir das so stehen

20160206_152626

Have you seen the arrow symbol?

Hier! Der Pfeil..

20160206_152633

This is very important! Although you can’t eat it!

der ist wichtig! Obwohl man ihn nicht essen kann!

20160206_152634_v1

Enough for today!

Das ist alles für heute

20160206_152542_v1

The Meeting is ended herewith

Das Meeting ist beendet

20160212_163535_v1!

20160208_151604

Während der Meister ruht gewähre ich euch eine kleine Vorschau

While the furry heartbreaker is sleeping I will give you a short preview of my new challenge

12571395_876451235785712_1846955447_n_v1

12571395_876451235785712_1846955447_n