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..denn du trägst ja noch nicht einmal eine Krinoline

Diesen Satz habe ich in dem Buch: Anna Sethe. Die erste Liebe eines berühmtes Mannes in Briefen gefunden.

„meine Seele jauchzt of laut auf, wenn Fräulein Lyncker, eine unserer Hausbewohnerinnen, ein würdiger Representant der eben genannten Klasse ( Menschen die um einen herum ein fades Leben führen, mit ihrer Gefallsuch Koketterie, Putzsucht, Steifheit, Eitelkeit und allen den Torheiten, mit denen die vornehme, sogenannte gebildete Welt ihre Lücken ausfüllt und Herz und Geist austopft..[..]) die noch dazu mit einem Fuss im Grabe steht und mir einen halb vernichtenden, halb mitleidigen Blick zuwirft also wollte sie sagen: armes Ding, hast ja keine Idee von den Feinheiten und Tiefen des Lebens und darfst auf Bildung gar keinen Anspruch machen, denn du trägst ja noch nicht einmal eine Krinoline!“

Die Krinoline war ab 1840 Mode, davor trug man versteifte Unterröcke. Ein Krinonlinenkleid sieht sehr märchenhaft aus- siehe die Bilder der armen Kaiserin Elisabeth von Österreich. Auf der geraden Strasse oder in einem Ballsaal mag ja ein Kleid mit einem schönen weiten Rock sehr hübsch sein, aber in der einfachen Stube bleibt man im Türstock hängen, im freien Feld bleiben Ästchen stecken und laut Wikipedia sollen viele Frauen durch Unfälle mit der Krinoline gestorben sein. Weil sich der Stoff in den Wagenrädern verfing oder die Frauen mit dem weiten Gewand zu nah am Kamin standen und sich tödliche Verbrennungen zuzogen.

Since my latest trip to Jena I was dreaming of a 1860 dress, inspired by the beautiful dress from Anna Sethe- Haeckels first wife.

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Anna was a very „modern“ girl: unconventional natural, well-read, critical. She refused it to act like a doll, she prefers walking in the wilderness, reading good books and strived for the Good and True. During the period between 1840 it was usual to wear a cage crinoline under the skirt. Anna refused it, she preferred a corded petticoat. This behaviour shows also Anna’s refusal of the common rules. Well, I like her so much. She was so self confident and unconventional.

Anna Sethe war eine natürliche junge Frau, die die Äusserlichkeiten der „guten Gesellschaft“ ablehnte und lieber, wie Haeckel nach dem Wahren, Schönen und Guten  strebte.  Das drückte sie u.a über ihre Kleidung aus, also den Verzicht auf die Krinoline. Ich vermute, dass Anna auf dem Verlobungsbild oben wohl keine Krinoline trägt, sondern einen versteiften Unterrock.

Sie wollte wie Haeckel hinaus in die Natur, in der Wiese herumlaufen, im Wald spazieren gehen und wohl kein wohlerzogenes Püppchen im feinen Krinolinenkleid sein ( etwa wie Olympia in E.T.A: Hoffmanns: Der Sandmann). Und da war eine Krinoline wirklich unpraktisch zu tragen. Deswegen zog es Anna wohl vor, einen versteiften Unterrock zu tragen, bzw mehrere Unterröcke übereinander, damit der Überrock etwas voluminös ist. Das ist angenehmer zu tragen und man kann die Röcke, wenn es über Stock und Stein geht leicht raffen.  Wäre sie 100 Jahre später geboren, vielleicht wäre sie ein Blumenkind gewesen: Zurück zur Natur, Blumenkranz im Haar.

However, I wanted to learn more about the Victorian era and so I decided to make a cage crinoline according the pattern from Truly Victorian. I assume Anna could not stop laughing about the great-great daughter from her beloved Ernst.

Ich hatte letztes Jahr bei meinem Besuch in Jena den Gedanken, mich mit der Mode ab 1860- also der Zeit als Anna und Ernst Haeckel lebten – zu befassen.

Und jetzt würde sich Anna wohl vor Lachen im Grabe herum drehen wenn sie mich jetzt sehen würde ;-).

Ich habe mir nämlich eine Krinoline gebaut :-).

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Sie sieht doch ein wenig wie ein Vogelkäfig aus, oder? Deswegen heisst sie auch „Käfigkrinoline“. Aber die Krinoline ohne etwas darunter anzuziehen ist doch ein wenig ungehörig.

*Das Schnittmuster für die Krinoline ist von Truly Victorian. Für die Chemise habe ich das Schnittmuster von Black Snail Patterns verwendet.*Die „Unaussprechlichen“ sind noch von Urgroßmutter Josefa.

And so I would love to show you my complete victorian underthings: Chemise, Bloomers, Corsett and Crinoline.

Also, dann ziehe ich mich einmal an.

Zunächst die „Unaussprechlichen“ und Chemise.. huch! Wie unschicklich!

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Und jetzt kommt die Krinoline

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Obwohl 28m! Stahlband darin verarbeitet sind, trägt sie sich recht angenehm.

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😉

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Ich glaube, Anna sitzt gerade hoch amüsiert in einer höheren Warte und ist bestimmt sehr neugierig, welches Kleid die Ururenkelin ihres geliebten Ernst dazu wohl nähen wird.

Can`t wait to finish my 1860 dress 🙂

5 Kommentare zu “..denn du trägst ja noch nicht einmal eine Krinoline

  1. Ich liebe üppige Kleider mit Krinolinen,
    noch lieber wenn Dame darunter mehrere Unterröcke trägt, eine knisternde Sinfonie von Seidenstoffen ist doch so geheimnisvoll und wundervoll.

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