Startseite » Ernst Haeckel und Familie/ Ernst Haeckel and Family » Aus Italien grüßt herzlich: Signore Walter Haeckel , pittore da Monaco, il figlio del grande Ernst Haeckel (Teil 1)

Aus Italien grüßt herzlich: Signore Walter Haeckel , pittore da Monaco, il figlio del grande Ernst Haeckel (Teil 1)

Auf dem geheimnisvollen Dachboden im Elternhaus steht ganz hinten in einer dunklen Ecke ein großer Tisch mit vielen Fächern. Dazwischen lag – seit ich denken kann- ein großes und sehr schweres Album. So schwer, dass ich als Kind immer meine Mutter anbetteln musste es für mich herauszulegen  um es betrachten zu können. Irgendwie tat mir das Album leid, ich wollte es gern bei mir haben und und vor allem verhindern, dass es durch die unbeständige Witterung auf dem Dachboden zerfällt.

Und vor einigen Wochen wurde das Album aus seinem „Dornröschenschlaf“ geweckt, die steile Dachbodentreppe heruntergetragen und gut verpackt in meine Dachstube transportiert.

In the attic of my parents house is since I can remember in a dark corner a large desk. One of the drawers included a large and very heavy album. It was so heavy that it was impossible for me as a child to have a look at it and I had always to beg my mother to help me. I always wanted to have it my flat, especially I knew that I really must protect it from the climatic fluctuation in the attic.  And a few weeks ago, the album was finaly brought in my little flat.
It is very heavy indeed, approx. 15 kilograms and measures 70 / 50cm. Not really handy.

Actually the album is in a good  condition, but unfortunately the cover broke when I opened it. And after a very exact inspection I knew more: A large number of moths! I can’t bear those tiny Monsters in my books! The album holds memories of a trip to Italy in 1909.  Someone has collected pictures and photos from several visits to museums and from sites like Sicily, Palermo, the Amalfie Coast and Pompei.The most interesting pictures are two sections of 1st class menues of a steamboat.

But who was the traveller? Ernst or Walter Haeckel?

DSC08694_v1

Es wiegt rund 15 Kilogramm und misst 70/50cm. Also recht stattlich. Beim Aufschlagen brach leider der Einband auseinander.

DSC08633_v1

Und beim genauern Hinsehen wusste ich auch, wer der Übeläter war: Eine Kolonie Büchermotten hatte sich am Buchleim rundgefressen und eine stattliche Anzahl an Nachkommen produziert.

Die Speisekarte haben die winzigen Ungeheuer auch angenagt- ausgerechnet am schönsten Bild.

DSC08401_v2

Motte oder Wurm hin oder her.. wer meine Bücher frisst oder anknabbert, den mag ich nicht…..!!!

Die Zeit hat deutliche Spuren an dem Album hinterlassen. Interessant, wie sich die Bilder auf dem Karton abgefärbt haben

DSC08637 DSC08636

Das Album birgt Erinnerungen an eine Italienreise im Jahr 1909. Dort hat jemand große Bilder von Museumsbesuchen in Sizilien und Palermo eingeklebt, sowie zeitgenössische Photos aus der Umgebung der Amalfiküste, Pompeji gesammelt.

Am Interessantesten sind für mich jene beiden Abschnitte aus den Speisekarten der Dampfschiffe der 1. Klasse!!, in denen sich der Reisende für 2 Tage oder eine ganze Woche befand.

DSC08653_v1

DSC08644_v1

Ernst oder Walter.. das ist hier die Frage ,-)

Walter 🙂 muss es gewesen sein, denn Ernst Haeckel befand sich zu diesem Zeitpunkt nachweislich auf Kur in Baden Baden.

Walter reist 1. Klasse an Bord der „Berlin“ ein Schiff der Norddeutschen Lloyd Bremen und der Bormida- ein Schiff der Navigazione Generale Italiana?

DSC08472

DSC08464_v1

Ja wie hat denn der gute sich das leisten können? Und wohin hat die Reise geführt?

Diese Fragen liessen mir in den letzte Wochen keine Ruhe. Das ich mich einmal für Schiffahrt des 20 Jahrhunderts interessieren würde hätte mich mir auch nicht träumen lassen. Wohin Ahnenforschung führen kann. Ein freundlicher Herr aus dem Schiffahrtsmuseum in Bremen war so nett und fand anhand der Speisekarten heraus, dass Walter an Bord der Berlin war. Diese war im Zeitraum 15.05.1909 bis 28.05.1909 auf der Route New York – Genua unterwegs.

Ich nehme an, dass die Herren Haeckel entweder mit dem Zug nach Triest oder Genua gereist sind. Von dort hat sie ein Schiff der Norddeutschen Lloyd nach Sizilien oder Neapel gebracht. Auf kürzeren Strecken, Napoli- Palermo oder auf der Rückreise (Lesina- Venezien) wurde eine Schiffahrtslinie der Navigazione Generale Italiana genutzt.

It was Walter because Ernst Haeckel took a cure at Baden Baden in May 1909.

My great-grandfather travelled 1st class aboard the „Berlin“, a ship of the North German Llyod Bremen and the Bormida, a ship of the Navigazione Generale Internationale.

But how could Walter afford a trip like this?  And where did the journey lead to?

The friendly staff from the Maritime Museum at Bremen was so kind to help me and found out that Walter was on board of the ship Berlin. This was during May 5 1909- May 28, 1909 on the route New York -Genua.

I suppose that Messr Haeckel  travelled from Munich  (or Jena) to Trieste or Genoa by train.  Then, they travelled by ship to Sicily or Naples. For short trips they used the Ship from the Italian Line.

Ernst Haeckel enjoyed travelling to Italy, as I can see according to the number of postcards he wrote to his family.
There, he had a lot of friends and so it was good for Walter knew that he can always stay at their flats, Hotels etc.

Walter was invited by his father Ernst to travel to Italy in 1913.  He wrote a very sarcastic travel report. Some parts are really funny but others are shows his very black humor so I decided to write only about the nice parts. It is not only a travel report, it shows also the very complicated relation ship between Walter and Ernst Haeckel.

Berlin001

Davor war Walter an Bord eines italienschen Schiffes „Bormida“ mit der Navigazione Generale Nationale vom 23-24.4.1909 unterwegs. Wohin konnte ich leider nicht herausfinden.

Ernst Haeckel war, wie ich anhand der Postkarten entnehmen kann sehr oft in Italien. z.B. 1897 schreibt er aus Palermo, Sizilien, Calbrien.

 DSC08698_v1

Dort hatte er wohl viele Freunde und Bekannte. Und wenn Walter allein nach Italien reiste, war es für jenen nicht schwer auf Empfehlung des Herrn Vaters für einige Nächte bei Freunden oder in (erstklassigen) Hotels unterzukommen und Kontakte zu knüpfen.

Ein schwimmendes Luxushotel. Feinste Speisen und Getränke. Angestellte im Livree. Die Herren im Frack oder Stresemann, die Damen in feinster Garderobe.

DSC08645_v1 DSC08646_v1 DSC08647_v1 DSC08648_v1

Das sind keine Speiskarten… das sind Kunstwerke.

DSC08657_v1

DSC08658_v1 DSC08659_v1

Dieses Video, dass ich auf Youtube gefunden habe zeigt recht schön das Innenleben eines Luxusdampfers. Ähnlich dem Schiff, mit welchen Vater und Sohn Haeckel gereist sind.

In meinen Unterlagen befindet sich eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1913 wo Walter vom 6.10- 30.11 in Italien war. Ebenfalls per Schiff.

Walter muss wohl sehr oft an Sinusitis gelitten haben und der fürsorgliche Ernst Haeckel hatte ihm einen Genesungsurlaub in Italien spendiert.

Erst wollte ich den ganzen Bericht Walters hier abtippen- ich habe es aber letztendlich verworfen. Der Bericht ist – im Gegensatz zu den bildhaften Reiseberichten seines Vaters- sehr zynisch und sarkastisch, ja.. und manche Sachen sollten einfach in der Familie bleiben.

Ich denke, ich werde euch lieber nur die wirklich netten Abschnitte aus jenem Bericht erzählen. Es ist nicht nur ein Reisebrief, es ist ein interessantes Dokument über Walter und seine Beziehung zu seinem Vater.

Bald davon mehr

A presto 🙂

Bildschirmfoto vom 2015-10-02 21:38:53_v1

4 Kommentare zu “Aus Italien grüßt herzlich: Signore Walter Haeckel , pittore da Monaco, il figlio del grande Ernst Haeckel (Teil 1)

  1. Wunderbar, dass du dieses Album retten konntest! Die Größe erstaunt mich sehr und ich mag mir nicht ausmalen, wie man es so viele Treppen hochbuckelt! Ich hoffe du hattest Hilfe!? Ein ganz wunderbares Stück Erinnerung!
    Liebe Grüße, Kerstin

    Gefällt mir

    • Ich bin auch sehr froh, dass das Album nun Mottenfrei bei mir einen Ehrenplatz hat. Die Dachbodentreppe war der schlimmste Teil, sie ist so schmal, da musste ich alleine durch. Es ist ein wirklich ein schönes Album, voller Geschichten und Erinnerungen an eine Italienreise vor über hundert Jahren, auf Schiffen die es nicht mehr gibt.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s