Ja, ja, der Regenwurm und andere Insekten*


*dieses Zitat stammte von meiner Großtante Ingeborg, aufgezeichnet von einem ihrer Schüler während des Biologieunterrichts ;-).

Bald findet bei  uns wieder das Literaturfest statt, mit vielen Lesungen, Neuerscheinungen und Autorengesprächen. Alles rund ums Thema Buch! Als ehemalige Buchhändlerin ist das für mich die schönste Zeit des Jahres.

Deswegen möchte ich euch zwei Bücher vorstellen, die ich auf der Seite des Prestel Verlages entdeckt habe

Das Museum der Tiere

und

Der Baum des Lebens – die Evolution

In Search of News about Haeckel I discovered two Books

Animalium – welcome to the Museum

and

Story of live: Evolution

Animalium from Jenny Brooks and Katie Scott is a marvellous collection of curated exhibits on every page, accompanied by informative text. Each chapter features a different branch of the tree of life, from the simple sponge to the enormous elephant.

Story of live: Evolution. This is a graphic, fold out guide to evolution. The book will start with the first single-cell organisms and end with modern life forms.  Read it as a book or fold it all the way out, this is the sort of package that makes Big Picture Press one of the most stylish children’s non-fiction imprints. The Publisher were inspired by Darwin, Maria Sibylla Merian and Ernst Haeckel. I really like the fact that also children can learn more about evolution, the tree of live and the wonders of the natural world.

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Die Autorin Jenny Broom und die Illustratorin Katie Scott haben sich von Darwins Buch: Die Entstehung der Arten, den Zeichnungen der Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian und von Haeckels Kunstformen der Natur inspirieren lassen.

Allein der Trailer ist sehenswert 🙂 Toll!

Das Museum der Tiere– ein wunderbares,  liebevoll gezeichnetes Buch.

Naturgeschichte und Evolution einfach und (all) gemein verständlich 😉 erklärt.

Jedes Kapitel befasst sich mit einer anderen Gattung: wirbellose Tiere, Reptilien, Vögel, Fische, Säugetiere.

Meine Großtante Ingeborg hätte jetzt gesagt: Ob wir die Würmer jetzt oder nachher nehmen, ist Geschmackssache!

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Auch Haeckel hat mal klein angefangen. Eines seiner liebsten Bücher war die Illustrierte Naturgeschichte von Eduard Poeppig. Diese hat Haeckel als Jugendlicher eigenhändig koloriert. Nur zur Info.. es waren ca 4000 Stahlstiche die Haeckel zwischen 1848 und 1850 kolorierte.

Everyone has to start ones, even Haeckel. One of his favorite was „Eduard Poeppig: Illustrated Natural History“. All the illustrations in this book were coloured by Ernst Haeckel when he was a young boy. Can you see the white little bird which is shown on the bottom left? This little drawing was made by Haeckel :-).

Seht ihr den kleinen weissen Vogel unten links? Den hat er selbst noch dazugemalt 🙂

Nachtrag 7.11.15: *Bei dem „kleinen weissen Vogel“ handelt es sich um eine Rohrweihe, genauer um den Nestvogel. Den erwachsenen Vogel seht ihr weiter oben.

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Später hat sich mein Ururgroßvater von diesem Werk zu seiner Nationalversammlung der Vögel- es hängt heute noch im Haeckel Museum– inspirieren lassen.

Poeppigs Work inspired Haeckel to paint the wonderful picture below. The National Assembly of the Birds. This painting can still be seen at the Ernst Haeckel Museum.

 Bezugnehmend auf die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main hat der damals 14-jährige Haeckel jede Vogelfamilie nach ästhetischen Gesichtspunkten, nicht nach systematischen, an und auf einem Baum dargestellt.

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Aber nun zurück zum zweiten Buch:

Der Baum des Lebens von Katie Scott

– Ein fast 2m langes Leporello -Faltbuch- auf dem die wichtigsten Repräsentanten ihrer jeweiligen Erdzeit-Periode dargestellt sind.

zwar nicht so originell wie Haeckels Stammbaum aber doch sehr übersichtlich und schön gezeichnet.

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Vom einfachen Molekül des Präkambriums, den berühmten Dinosauriern der Jura und Kreidezeit und darüber hinaus, sie alle zeigen wie wundervoll vielfältig das Leben auf der Erde ist.

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Das „Museum der Tiere“ und auch „der Baum des Lebens“ hätten meiner Großtante und Ernst Haeckel bestimmt gefallen.

Und meine ehemaligen Buchhandelskolleginnen lieben es ebenfalls- In der Kinder und Jugendbuchabteilung hat es sogar einen Ehrenplatz bekommen.

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Übrigens weil wir gerade beim Thema sind muss ich euch noch folgende Anekdote erzählen: 

Meine Friseurin stellte neulich, beim Bändingen meiner Haare die These auf, dass sie die Stuktur meine Haare genau studiert habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass ich von Eulen abstammen müsse. :-).  Merke: Ein Anthropologe kann sich irren, ein Friseur nie! Alles klar? 😉

P.S: An Anthropogolist can be wrong but a hairdresser never! My hairdresser postulated that my hair is very unusual and she came to the conclusion that I am probably an owl. 🙂

Der Herbstwald raschelt um mich her


Der Herbst, meine liebste Jahreszeit.

Ich liebe es, wenn die Wälder und Felder sich in ein leuchtendes Feuerwerk verwandeln.

Die milde Wärme des Altweibersommer erinnert noch einmal an den Sommer während sich zarte Spinnenfäden wie Feenhaar durch die Luft bewegen. Die Luft duftet nach Blättern und Gras, alles atmet, leuchtet, funkelt.

Ich wate durch das kniehohe Laub und möchte mich am liebsten in die weichen Laubhaufen fallen lassen.

Mit viel Glück kann man eine Fasanenfamilie im Laub beobachten, welche die warmen Sonnenstrahlen mit ausgebreiteten Flügeln geniessen.

Der Nachbarkater streckt sich wohlig auf dem warmen Mauervorsprung. Er begrüßt mich mit einem freundlichen Miau als Antwort auf meinen Gruß um sich dann gleich wieder seinen philosophischen Betrachtungen und Beobachtungen der Welt hinzugeben.

Autumn, the most beautiful season.

With a bit of luck even the shier inhabitants of the forest can be spotted during a foray into the autumnal forest and fields, i.e. pheasants who enjoyed the last golden sunrays of the day.

Even the cat enjoys the wonderful weather. He is sleeping in the sun and greeted me with a warm and friendly meow.

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Für die schöne Herbstzeit habe ich mir zwei Blusen genäht, aus feinem, gekrinkelten Baumwollstoff. Ich liebe diese klaren, einfachen Linien. Ganz schlicht und doch elegant. Die Bluse wird am Halsausschnitt mit einer Kordel geschlossen. So kann man die Halsweite je nach Wunsch enger oder weiter gestalten.  Und je nach Temperatur kann ich zwischen der langärmligen, oder der kurzärmligen Bluse wählen.

For this wonderful season I wanted to have some fine muslin blouses.  I made two blouses, one with long sleeves and with short sleeves. The neckline is closed with a small ribbon instead of an elastic casing. The pattern is from McCall, M5050. Very easy and good explained.

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Der Schnitt ist übrigens von McCall’s M5050. 😉

Al illustrissimo Pittore Walter Haeckel (Teil 2)


Stellt euch vor; ihr sitzt mit einer fürchterlichen Erkältung daheim, seid entsprechend gelaunt und der Kopf will einfach nicht aufhören wehzutun.

Und dann klingelt das Telefon. Euer Vater ist dran: Du hörst dich ja furchtbar an, dagegen tun wir was. Du fährst für 8 Wochen nach Italien! Keine Widerrede. Das Klima dort wird dir gut tun. Mutter und dein Bruder kommen gleich vorbei und packen dir alles zusammen. Du wirst in der Pension von Mutters Freundin de la Dingsda wohnen, in der Sonne liegen, Wein trinken, schwimmen und dich so richtig erholen. Deinem Chef hab ich grad ordentlich die Meinung gesagt.. mach dir keine Sorgen, dazu hat man ja Beziehungen. Und ein paar Freunde darfst du auch mitnehmen! Also, machs gut meine Liebe.

🙂

Walter muss wohl sehr oft an Sinusitis gelitten haben und der fürsorgliche Ernst Haeckel hatte ihm einen Genesungsurlaub in Italien spendiert.

Erst wollte ich den ganzen Bericht Walters hier abtippen ich habe es aber letztendlich verworfen. Der Bericht ist – im Gegensatz zu den bildhaften Reiseberichten seines Vaters sehr zynisch und sarkastisch.

Ich denke, ich werde euch lieber nur die wirklich netten Abschnitte aus jenem Bericht erzählen und über den Rest den Mantel des Schweigens breiten.

Wir befinden uns also mit Walter auf dem Schiff, wo „ das recht gute Dinner absolviert wurde, dass so manchen zur schwankenden Erscheinung machte, Kotzebues Werke heraufbeschwor und Schadenfreude bei den sieghaften zu denen auch ich gehörte hervorrief.

Besonders amüsant war ein würdiger Prälat, der im Vollbewusstsein seiner Autorität und Würde rechts vom Kapitän sass, plötzlich erbleichte und recht menschlich, allzu menschlich nach dem Kloster (Closett) strebte“.

Endlich um 4 Uhr morgens, kommt der arme Walter in seinem Hotel an und hat nur einen Wunsch:

„denn nur das Bett war jetzt eine einzige Rettung nach 20 stündiger Seefahrt, ein Nirwana in Morpheus Armen meine einzige Sehnsucht und alles andere im Himmel und auf Erden in diesem Augenblicke mir gänzlich wurscht!

Nach fast halbstündigen Klopfen und Rufen erscheint endlich „Madonna mit Figlia“ und wies mir früh 5 Uhr ein Zimmer im ersten Stock zu, wo Walter „ wie eine überreife Orange ins Bettgehäuse fiel und erst mal bis weit in den Morgen hinein schlief.

Walter residierte im Hotel Kaiserin Elisabeth. Es existiert heute noch unter dem Namen Hotel Palace im heutigen Hvar (Kroatien). Lesina ist der italienische Name der Insel

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Quelle: Istria Dalmazia Cards (IT)

Elisabeth von Österreich die berühmte Sisi, selber hat einmal selbst längere Zeit in diesem Antiken Gebäude gehaust, die unglückliche romantische Heineprinzessin. Lesina – in seiner sonnigen Ruhe und Verträumtheit sagte ihr wohl zu; helfen wollte Sie den Menschen, den leiblich und seelisch Kranken. Ein grosse Marmortafel im Treppenhaus mit langer Erklärung in goldenen Buchstaben verkündet dem Gaste von ihrem kurzen Verweilen, von der schönen ruhelosen königlichen Frau.

Aber lassen wir den guten Urgroßvater erstmal aufwachen

Glücklich erwacht öffnet er die Fensterläden „und konstatiert in buddhistischer Kontemplation mit Freund Geuther’s Notification: s’hibsch!!

Ich stelle mir Walter vor, total verschlafen, schlecht gelaunt. Haare in alle Himmelsrichtungen, unrasiert und verschwitzt guckt er grantelnd in den Morgen hinein..

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Verschlafen und Grantig macht sich Urgroßvater auf, die Gegend zu erkunden

Vor mir lag der kleine Hafen von Lesina, das weite blaue Meer, die Spalmadoriinseln, dahinter die gebirgige Insel Lissa.

Zu beiden Seiten im Vordergrund, Gärten verfallene Palazzi. Nun stieg ich hinab auf die Terasse, bestellte einen Cacao und überließ mich der Welt als Vorstellung. Nach geraumer Zeit aber dämmert auch der Wille empor, trieb mein Sterbliches die 24 Stufen hinunter, (hier war alles antik) zog mich scharf rechts am Hafen entlang in die Promenade hinein..

Dann geht es erstmal zum Mittagessen:

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Um die Mittagsstunde verließ ich die blau-grüne Grotte, wandelte wie ein Philosoph selbigen Weges zum Grand Hotel und war gespannt auf die Physiognomien der Gäste und Pensionäre beide Tabel ‚d’hôtes. 12 2/3 Uhr wimmerte eine dünne Glocke, heftig geschüttelt. Der Beginn der Atzung.

Beim Betreten des Speisesaals sah ich die Herrschaften schon vollständig versammelt, machte meine Verbeugung links und rechts und schloss mich als dienendes Glied schmiegsam und stumm an. Es folgten die „üblichen faden Tischgespräche, bei denen nie etwas herauskommt.

Die Konversation beherrschte eine Frau Dr. Specht aus Weimar, nebst geschiedener Frau Flesch aus Wien, die mit ihrem Verhältnis, dem Edi einem ganz amüsanten und witzigen Bankonkel, die Adria unsicher machte; er soff und sie rauchte Cigarren schockweis. Die tête führte ein Astronom Dr. Scheller aus Prag, er wusste überall Bescheid, leider auch dem Wein, dem er mit Leib und Seele verschrieben war. Den angenehmsten Eindruck machte ein Fräulein van der Velten aus Weimar, Tochter eine Malers die offenbar unter der Flagge der redseligen Frau Dr. Specht segelte. Später gesellte sich noch ein Apotheker aus Lesina dazu. Diesem temperamentvollen Herren , dessen Eltern sich noch sehr gut an Vater Haeckel in seinen besten Mannesjahren 1870 erinnerten, offenbarte ich mich in der zweiten Woche als Sohn meines Vaters, mit den aufgetragenen Empfehlungen an „padre Buona Grazia“. Das brachte den famosen Kerl ganz aus dem Häuschen“ E.H: sei der größte Mann des Jahrhunderts. Er habe die Welträtsel gelesen und von seinen Eltern wie dem Onkel Buona Grazia unendlich von von ihm Persönlich gehört. Ihn bat ich nun, anderen Tages mich zu Mutter Buchich zu geleiten. Nach der Lüftung meines Inkognito sass am nächsten Mittag plötzlich Mme Flesch neben mir und platze sofort mit der Neuigkeit heraus, dass sie mit meiner entzückenden Schwester bei Lahmann Gesundheit studiert habe und von diesen Wesen ganz begeistert gewesen sei, was ich selbstverständlich ebenso zu gestand. Damit war das Eis gebrochen.

Eines Abends teilt man Walter mit: „dass mein Name bereits in der Belgrader Tribuna genannt sei: der gentilissimo Signore Walter Haeckel, pittore da Monaco, il figlio del grande Ernst Haeckel, hielte sich gesundheitshalber in Lesina auf. Welche Ehre!…“

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(Die Tischgesellschaft das fünfblättrige Kleeblatt wie Walter es nennt, bleibt bis zur Abfahrt Walters gut miteinander befreundet und gemeinsam unternehmen sie Ausflüge in die Umgebung.)

z.B. im Convenot mit figlio Buchich farmavista. Wir wandelten eines Nachmittags hinüber, zunächst in die Klosterkirche, die einige gute Palmas, Bordones, Bassanso und einen angeblichen Tizian nebst gute geschnitzten alten Chorstühlen bereit hält. Der jetzige Padre ist ein Gauner. Buono Grazia war sicher aber auch ein Genie dazu. Als Vater im Jahre 1870 mit den Gebrüdern Herwig bei ihm im Convento wohnte hatte er manches köstliches Erlebnis mit ihm. Dieser würdige Prior hielt in den Umschlägen geistlicher Literatur die damalige geistliche Literatur verborgen, Büchners Vogt, Schopenhauer Darwin Feuerbach Haeckel, er korrespondierte mit diesen Autoren und hatte deshalb mit seinem Erzbischof große Fehden auszuhalten.

Gedenken will ich noch des Besuches, den ich mit dem Apotheker bei der 86 jährigen Witwe Buchích, der Frau des väterlichen Freundes, machte. Ich war bereits vorher angemeldet und Mutter und Sohn empfingen mich in ihrem Palazzo auf der Treppe. Die alte Dame in erster Garnitur, schwarzes Seidenkleid mit weißen Venezianerspitzen, war ordentlich aufgeregt und rasselte im flottesten Italienisch einen ganzen Roman herunter. Tränen der Freude, der Erinnerung, der Ehre.

Mit Kuchen und vorzüglichem Prosecco wurde ich gefüttert, die Raritäten im Hause Buchich wurden mir vorgestellt, der Bücherschrank mit E.H. Natürlicher Schöpfungsgeschichte, unter anderem die Werkstatt und der Sammlung des seligen Astronomen, Ethnographen, Zoologen und Botanikers, des Universalgenies Buchich durfte ich anerkennend bewundern. Beide Teile waren wohl froh, als die Zeremonie vorüber war.

Die drei Wochen auf Lesina gingen nun friedlich, etwas einförmig vorüber, aber für meine Gesundheit äusserst günstig. Das gleichmäßige milde Klima [..] trocknete schon in der ersten Wochen meine tropisch feuchte Stirnhöhle aus, wobei die kräftigenden, starksalzhaltigen Seebäder das ihre taten. In wenigen Tagen war ich mit der näheren Umgebung dieses beschaulichen Fischermarktes vertraut, hatte die steinigen Berggipfel mit ihren reichen Weinkulturen, Feigen und Johannisbrotbäumen, Oliven, Erdbeerbäumen durchkraxelt, wobei ein paar Stiefel diesem spitzigen Gestein zum Opfer fielen, das es nur wenige Strassen gibt und auch die am besten mit Muli genommen werden. Wie in Sizilien wandern die Bauern auch hier nirgends und kommen stets hoch zu Esel angallopiert.

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Drei sehr anregende und unternehmende Tage verlebte ich noch mit den Lesiner Freunden in Ragusa und Umgebung. Die gänzlich verwilderte, besonders von Erdbeerbäumen, Myrthensträuchern überwucherte Insel Lacroma, liess uns einen märchenhaften Nachmittag und Abend in ihrer Wildniss, in ihren Castell- und Schlossruinen zubringen, in dem so äusserst stimmungsvoll und einsamgelegenen Benedikterkloster, das der flüchtige Richard Löwenherz bei der Rückkehr aus Palästina nach stürmischer Seefahrt aus Dankbarkeit gestiftet haben soll.

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Gelungen war auch ein Besuch des kleinen, naturhistorischen Museums, dessen Direktor ein alter schnurriger Kauz, aber vortrefflicher Museumsonkel, uns führte und alles erklärte. Sämtliche Objekte waren in einem kleinen Heftchen registriert und stolz sagte er allemal: alles ick descripto, kein Platz und leider war auch alles in fürchterlicher Enge aufgebaut. Zu den Prachtstücken gehörte ein wunderbarer präparierter Kopf eines kolossalen Hais, der im Hafen von Ragusa gefangen worden war.

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Und immer und immer wieder, wie so oft schon auf meinen Reisen und Wanderungen kommt mir das unheimliche oft erschreckende Gefühl, dass man in der Einsamkeit, in der lauernden Stille der Nacht, allein mit ihr in der Natur, am intensivsten und tiefsten fühlt, dass Offenbarung aus der vielgeschmähten persönlichen Seele, aus dieser ewigen Quelle von Freund und Leid strömen, sich zu Schönheit, Güte und Liebe, zu Größe verdichten, in unerklärlicher Sehnsucht nach einem unbewusssten, nur geahnten Ziel streben, [..] nach der Weltsee, zu Gott!

Und dann heisst es langsam aber sicher für die Abreise zu rüsten:

Ich packte dann etwas verstimmt (weil ein heftiger Scirocco eintrat und schon über eine Woche anhielt) meine Siebensachen, zumal sich Nachts noch eine Maus in meinem Lavoir das Leben genommen hatte, vor allem aber, weil der Besuch des höchst malerische Seleniko absolut nicht mehr zu ermöglichen war und bestieg eines Nachts um 11 Uhr den sehr komfortablen Dampfer, der mich direkt nach Fiume brachte. Den anderen Morgen gegen 6 Uhr konnte ich noch Zara durch das Kabinenfenster begrüßen, um dann bei bewegter See und lebhaften Scirocco um 12 Uhr Vormittags nach dem Festlande zu gelangen.

Ein paar Tage hält sich Walter noch in Venezia auf, dann geht es endgültig in Richtung Heimat.

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Im rosigen Morgengrauen hatte mich das Vaporetto aus meinem originellen Rialtoviertel den Canale grande zur Station gebracht und Punkt 8 Uhr sass ich schon im Königlichem Bayerischen Eisenbahnwagen, der mich über Padua Verona Triest nach Bozen führte. Ein farbiger, sonnenklarer Spätherbsttag war es, an dem ich dann glücklich abends in Meran bei Mme Scholz ( ich nehme an Walters Schwiegermutter) landete und dort 12 behagliche Tage des Übergangs aus der warmen in die kalte Zone genoss. Am 30. November sass ich glücklich wieder im frohbewegten Familienkreise in der Nymphenburgerstrasse 205, München-Neuhausen.

Dem gütigen Spender dieses Reise und Erholungsstipendiums aber, seiner Exzellenz, dem Wirkl. Geheimen Rat, Prof. Dr. Ernst Haeckel, meinem erlauchten Herrn Vater, bin ich zu aufrichtigem Danke auch diesmal verpflichtet.Möge er letztwillige Bestimmungen treffen, dass sein talentvoller Herr Sohn und dessen Familie zu Nutz und Frommen der Menschheit recht oft solche Wohltuende und Fördernde Exkursionen im Gedenken an den güten Geber ausführen können.

*Walters Reiseerinnerungen wurde mir freundlicherweise vom EHH Museum als Kopie überlassen*

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Aus Italien grüßt herzlich: Signore Walter Haeckel , pittore da Monaco, il figlio del grande Ernst Haeckel (Teil 1)


Auf dem geheimnisvollen Dachboden im Elternhaus steht ganz hinten in einer dunklen Ecke ein großer Tisch mit vielen Fächern. Dazwischen lag – seit ich denken kann- ein großes und sehr schweres Album. So schwer, dass ich als Kind immer meine Mutter anbetteln musste es für mich herauszulegen  um es betrachten zu können. Irgendwie tat mir das Album leid, ich wollte es gern bei mir haben und und vor allem verhindern, dass es durch die unbeständige Witterung auf dem Dachboden zerfällt.

Und vor einigen Wochen wurde das Album aus seinem „Dornröschenschlaf“ geweckt, die steile Dachbodentreppe heruntergetragen und gut verpackt in meine Dachstube transportiert.

In the attic of my parents house is since I can remember in a dark corner a large desk. One of the drawers included a large and very heavy album. It was so heavy that it was impossible for me as a child to have a look at it and I had always to beg my mother to help me. I always wanted to have it my flat, especially I knew that I really must protect it from the climatic fluctuation in the attic.  And a few weeks ago, the album was finaly brought in my little flat.
It is very heavy indeed, approx. 15 kilograms and measures 70 / 50cm. Not really handy.

Actually the album is in a good  condition, but unfortunately the cover broke when I opened it. And after a very exact inspection I knew more: A large number of moths! I can’t bear those tiny Monsters in my books! The album holds memories of a trip to Italy in 1909.  Someone has collected pictures and photos from several visits to museums and from sites like Sicily, Palermo, the Amalfie Coast and Pompei.The most interesting pictures are two sections of 1st class menues of a steamboat.

But who was the traveller? Ernst or Walter Haeckel?

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Es wiegt rund 15 Kilogramm und misst 70/50cm. Also recht stattlich. Beim Aufschlagen brach leider der Einband auseinander.

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Und beim genauern Hinsehen wusste ich auch, wer der Übeläter war: Eine Kolonie Büchermotten hatte sich am Buchleim rundgefressen und eine stattliche Anzahl an Nachkommen produziert.

Die Speisekarte haben die winzigen Ungeheuer auch angenagt- ausgerechnet am schönsten Bild.

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Motte oder Wurm hin oder her.. wer meine Bücher frisst oder anknabbert, den mag ich nicht…..!!!

Die Zeit hat deutliche Spuren an dem Album hinterlassen. Interessant, wie sich die Bilder auf dem Karton abgefärbt haben

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Das Album birgt Erinnerungen an eine Italienreise im Jahr 1909. Dort hat jemand große Bilder von Museumsbesuchen in Sizilien und Palermo eingeklebt, sowie zeitgenössische Photos aus der Umgebung der Amalfiküste, Pompeji gesammelt.

Am Interessantesten sind für mich jene beiden Abschnitte aus den Speisekarten der Dampfschiffe der 1. Klasse!!, in denen sich der Reisende für 2 Tage oder eine ganze Woche befand.

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Ernst oder Walter.. das ist hier die Frage ,-)

Walter 🙂 muss es gewesen sein, denn Ernst Haeckel befand sich zu diesem Zeitpunkt nachweislich auf Kur in Baden Baden.

Walter reist 1. Klasse an Bord der „Berlin“ ein Schiff der Norddeutschen Lloyd Bremen und der Bormida- ein Schiff der Navigazione Generale Italiana?

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Ja wie hat denn der gute sich das leisten können? Und wohin hat die Reise geführt?

Diese Fragen liessen mir in den letzte Wochen keine Ruhe. Das ich mich einmal für Schiffahrt des 20 Jahrhunderts interessieren würde hätte mich mir auch nicht träumen lassen. Wohin Ahnenforschung führen kann. Ein freundlicher Herr aus dem Schiffahrtsmuseum in Bremen war so nett und fand anhand der Speisekarten heraus, dass Walter an Bord der Berlin war. Diese war im Zeitraum 15.05.1909 bis 28.05.1909 auf der Route New York – Genua unterwegs.

Ich nehme an, dass die Herren Haeckel entweder mit dem Zug nach Triest oder Genua gereist sind. Von dort hat sie ein Schiff der Norddeutschen Lloyd nach Sizilien oder Neapel gebracht. Auf kürzeren Strecken, Napoli- Palermo oder auf der Rückreise (Lesina- Venezien) wurde eine Schiffahrtslinie der Navigazione Generale Italiana genutzt.

It was Walter because Ernst Haeckel took a cure at Baden Baden in May 1909.

My great-grandfather travelled 1st class aboard the „Berlin“, a ship of the North German Llyod Bremen and the Bormida, a ship of the Navigazione Generale Internationale.

But how could Walter afford a trip like this?  And where did the journey lead to?

The friendly staff from the Maritime Museum at Bremen was so kind to help me and found out that Walter was on board of the ship Berlin. This was during May 5 1909- May 28, 1909 on the route New York -Genua.

I suppose that Messr Haeckel  travelled from Munich  (or Jena) to Trieste or Genoa by train.  Then, they travelled by ship to Sicily or Naples. For short trips they used the Ship from the Italian Line.

Ernst Haeckel enjoyed travelling to Italy, as I can see according to the number of postcards he wrote to his family.
There, he had a lot of friends and so it was good for Walter knew that he can always stay at their flats, Hotels etc.

Walter was invited by his father Ernst to travel to Italy in 1913.  He wrote a very sarcastic travel report. Some parts are really funny but others are shows his very black humor so I decided to write only about the nice parts. It is not only a travel report, it shows also the very complicated relation ship between Walter and Ernst Haeckel.

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Davor war Walter an Bord eines italienschen Schiffes „Bormida“ mit der Navigazione Generale Nationale vom 23-24.4.1909 unterwegs. Wohin konnte ich leider nicht herausfinden.

Ernst Haeckel war, wie ich anhand der Postkarten entnehmen kann sehr oft in Italien. z.B. 1897 schreibt er aus Palermo, Sizilien, Calbrien.

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Dort hatte er wohl viele Freunde und Bekannte. Und wenn Walter allein nach Italien reiste, war es für jenen nicht schwer auf Empfehlung des Herrn Vaters für einige Nächte bei Freunden oder in (erstklassigen) Hotels unterzukommen und Kontakte zu knüpfen.

Ein schwimmendes Luxushotel. Feinste Speisen und Getränke. Angestellte im Livree. Die Herren im Frack oder Stresemann, die Damen in feinster Garderobe.

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Das sind keine Speiskarten… das sind Kunstwerke.

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Dieses Video, dass ich auf Youtube gefunden habe zeigt recht schön das Innenleben eines Luxusdampfers. Ähnlich dem Schiff, mit welchen Vater und Sohn Haeckel gereist sind.

In meinen Unterlagen befindet sich eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1913 wo Walter vom 6.10- 30.11 in Italien war. Ebenfalls per Schiff.

Walter muss wohl sehr oft an Sinusitis gelitten haben und der fürsorgliche Ernst Haeckel hatte ihm einen Genesungsurlaub in Italien spendiert.

Erst wollte ich den ganzen Bericht Walters hier abtippen- ich habe es aber letztendlich verworfen. Der Bericht ist – im Gegensatz zu den bildhaften Reiseberichten seines Vaters- sehr zynisch und sarkastisch, ja.. und manche Sachen sollten einfach in der Familie bleiben.

Ich denke, ich werde euch lieber nur die wirklich netten Abschnitte aus jenem Bericht erzählen. Es ist nicht nur ein Reisebrief, es ist ein interessantes Dokument über Walter und seine Beziehung zu seinem Vater.

Bald davon mehr

A presto 🙂

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