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Haeckels Reisebriefe und das Skizzenbuch meiner Urgroßmutter

Von zwei lieben Freunden erhielt ich vor einigen Wochen den Hinweis: In der heutigen Sonntags FAZ, ist ein riesiger Beitrag über Haeckel. Da ich mich gerade auf der Rückfahrt vom Bodensee befand und am Bahnhof in F. auf meinen Bus wartete, nutze ich die Gelegenheit um am hiesigen Zeitungsladen mir besagte Lektüre zu kaufen.

Und tatsächlich; auf 2 großen Seiten ein Bericht über Haeckels Indienreise.

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Den Artikel könnt ihr hier nachlesen. (!!!! Lasst am besten in der Onlineausgabe die Seite 4 weg, denn diese hat mit den Bildeindrücken und der schönen Reisebeschreibung kaum mehr zu tun!!!).

Stattdessen lesen wir lieber einen Auszug aus einem Brief von Haeckels Freund Herrmann Allmers vom 06.09.1882:

Wie lebendig hatte ich Dich von Blatt zu Blatt im Geiste begleitet überall und überall , wo Du standest und gingest, fuhrst oder schwammts und segeltest, in die grüne Dämmerung der Wildnis wie in die ungeheure Lichtfülle, die Meer und l umfing, und wieder bei emsiger Arbeit im stillen Raume deines Loboratoriums. Ich nehme teil am Ernsten wie am Lustigen, was Dir begegnete, aber keines von allem habe ich Dir so in tiefinnerste Seele nachempfunden, als Dein Gefühl beim Verlassen Deines armen, lieben Ganymed, der durch Dich vielleicht zum erstenmal in seinem Leben erfahren hat, was echte Menschenliebe ist. Nun ist er wieder in seinem unwürdig verachteten Dasein und aller harten und lieblosen Behandlung zurückgegeben und hat nichts als Dein lieben Bild, welches fort und fort wie eine überirdische Lichtgestalt vor seiner Seele schweben wird, den armen lieben, schönen und stillen Knaben, ihn an das herrlichste Stück seines Jugendlebens erinnernd. […..]. Genug, Du siehst ich kann und kann gar nicht davon loskommen, denn ganze Tage hindurch liegen mir Deine indischen Briefe im Kopfe. Ist es doch das Schönste und Herzerfreuendste, was du je geschrieben hast….[………]. Mir aber lässt es von neuem den Gedanken aufsteigend, dass es doch schön wäre […] das beste und Lebendigste und Interessanteste aus deiner Wandermappe gesammelt mit reichem Bilderschmuck herauszugeben. Die Verleger werden sich darum reissen und raufenRudolph Koop, Haeckel und Allmers.  Die Geschichte einer Freundschaft in Briefen der Freunde. Arthur Geist Verlage Bremen 1941

Die Wanderbilder wurden tatsächlich ein einem schönen Band herausgegeben. Und einige davon zieren die Wände meiner Wohnung :-). *

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  • Die Wanderbilder (H 1905) sind Kunstdrucktafeln von Haeckels Aquarell und Ölskizzen. Die Edition war- im Gegensatz zu den Kunstformen der Natur kein Erfolg, vielleicht wegen ihrer sehr konventionellen Art, sie dokumentiert aber – neben einer Vielzahl von mit eigenen Illustrationen versehen, gedruckten Reiseberichten- den Anspruch Haeckels. In seinen Reproduktionen sah er diese begriffen.

On my way back from Lake Constance to Munich I received an e-mail from two dear friends: In the today’s issue of the FAZ is a large article about your great-grandfather! Since I was waiting for my bus, I took the opportunity to by said newspaper at the next kiosk. And in fact: an enormous article about Haeckel’s trip to India. (The article is sadly not available in English)

Haeckel traveld two times to India and wrote two books about his adventures: India and Ceylon (Available in English ) and his Malaysian Travel Letters (In german only).

The reason wy I am talking about this is that I found out that my great-grandmother Josefa made the illustrations and vignettes in Haeckels travelreport (from Ceylon / Singapure / Java and Sumatra). My great grandmother was like my great grandfather Walter an artist, one of the young ladies who went to Munich to become a painter. They met each other at the painting school of Bernhard Buttersack at Haimhausen (Dachau). She was a very talented painter as you can see on her sketchbook. I really love her fine and delicate paintings. Haeckel appreciated Josefas work and so he offered her to made some sketches and vignetes for his book. In the pictures below you can see Josefas Drafts with Haeckels instructions and the published pictures.

I am so impressed about Josefas Talent: Drawing true to scale is a very demanding work. The artist must have a sensetive and light hand and a lot of patience. My great-grandmother put her talent after birth their 4 children back. But whenever she could, at home or holidays she spent her time with painting. A few times Josefa was also participated in private, small exhibitions in and around Munich. I am very proud of my greatgrandmothers talent and I love her sketchbook very much.

Haeckels Mayalische Reisebilder mit den Vignetten von Josefa Scholz

Doch die Indischen Reisebilder sollten nicht die letzen sein die Haeckel schuf. Seine zweite große Tropenreise führte ihn am 21. August 1900 über Ceylon und Singapur nach Java und Sumatra. Dessen Erlebnisse hatte er eindrucksvoll in seinem Buch: Aus Insulinde- die Malaysischen Reisebriefe veröffentlicht. Jene Aquarelle und Vignetten, die in jenem Buch abgebildet sind, möchte ich ein wenig näher betrachten.

Josefa Scholz- eine von „Buttersacks“ Malweibern

Meine Urgroßmutter war, wie mein Urgroßvater Walter Haeckel ebenfalls Malerin. Wie viele andere junge Frauen, in der Regel aus dem gehobenen Bürgertum, ging sie nach München, um dort Malerei zu studieren. (Wer sich mehr über die Malerinnen um die Jahrhundertwende in München informieren will, bitte hier klicken).  Meinen Urgroßvater Walter hatte sie wohl in der Malschule von Bernhard Buttersack in Haimhausen bei Dachau kennengelernt. Josefa Scholz und Walter Haeckel heirateten am 8.10.1901 in München. Ernst Haeckel muss sehr viel von seiner Schwiegertochter gehalten haben, besonders hat er auch ihr Maltalent erkannt. Das war wohl der Grund, warum Haeckel seine Schwiegertochter bat, an der Gestaltung seines Buches mitzuarbeiten. Im Vorwort für die Malayischen Reisebriefe wird Josefa neben Adolf GiltschHaeckels Litograph für die Kunstformen der Natur erwähnt- 🙂

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Um solche Kopien herzustellen, braucht der Künstler

eine ruhige Hand,

die Fähigkeit maßstabgetreu arbeiten zu können ( in diesem Fall sollten Originalbilder nach Haeckels Vorgaben gezeichnet ( oder kopiert ) und verkleinert werden

und vor allem viel Geduld.

DSC05869_v1Hier zwei Beispiele aus Josefas Skizzenmappe

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Die Skizzenmappe von Josefa Scholz mit den Vignetten zu Haeckels Malayischen Reisebriefen

Meine Ausgabe der Malayischen Reisebriefe mit einer Widmung Haeckels

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Hier seht ihr die Anweisungen, die Haeckel seiner Schwiegertochter gab, und wie die Vignetten schliesslich veröffentlicht wurden

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Die Malayischen Reisebriefe könnt ihr auch online lesen.

Familie gegen Kunst

Walter und Josefa Haeckel lebten vor ihrem Umzug nach München in Sonthofen. Es wird berichtet, dass beide dort eine Malschule errichten wollten, aber diese Pläne wurden (warum auch immer) verworfen. Meine Urgroßmutter stellte ihre Begabung nach der Geburt ihrer 4 Kinder Ingeborg, Renata, Helga und Horstmar zurück. Doch wann immer sie konnte, in der Sommer oder Winterfrische, war der Skizzenblock, Pinsel und Farbe dabei. Einige Male nahm Sie auch an privaten, kleinen Austellungen in und um München teil. Ob sie noch an weiteren Buchillustrationen mitarbeitete ist nicht bekannt.  Ihre Skizzenmappe nehme ich gern zur Hand und freue mich an ihren schönen Zeichnungen und Skizzen.

P.S.:

Das wollte ich euch noch zeigen:
Auf der Rückreise von Ceylon hatte Ernst Haeckel seinem Sohn Walter eine Postkarte aus Neapel geschickt.

 

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.. und durch Zufall habe ich sie ein meinen „Archiv“ gefunden :-).

 

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