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Ernst Haeckel † 9. August 1919

Zum 95. Todestag von Ernst Haeckel

Ernst Haeckel’s 95th death anniversary

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Notiz Ernst Haeckel ( Privatarchiv )

Good Lord, if you exist, please have a mercy on my soul if I have one (Frederick the Great)

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Inschrift auf der Rückseite: Jena Oktober 1913 Photogr. Aufnahme auf dem Balkon von Frl Valerie Leporin, Eisenach E. Hkl. Eigentum W. Haeckel München / Photo: Privat

„Am Freitag, den 8. August, brachte ich ihm von einem Spaziergang auf den Kernebergen von der Ernst Haeckel Bank einen Strauss Feldblumen mit, die er alle noch bei klaren Sinnen klassifizierte. Abends hatte er Besuch naher Freunde. Allein das Essen wollte ihm nicht mehr schmecken, der Appetit blieb aus. Mit den beiden treubesorgten Hausmädchen wachte ich bis 12 Uhr nachts; dann entliess er uns freundlich und ruhebedürftig.

Im Morgengrauen des 9. August gegen 4 Uhr horchte ich, ob er sich rühre, fand aber alles still und freute mich über seinen guten Schlaf. Bald nach 5 Uhr erwachte ich wieder und rief: „Vater!“

Keine Antwort.

Ich trat an sein Bett, legte die Hand auf die Stirne und wusste nun, dass sein stürmisches Herz ausgeschlagen hatte.

Sanft und schmerzlos ist er im Schlaf in sein lange ersehntes Nirwana hinübergeschlummert. Ich zog die Vorhänge zurück, öffnete die Fenster und die Balkontür, liess die aufgehende Sonne, die über dem Berg mit den rötlich strahlenden Gipfel * glühend heraufstieg, hereinfluten und beneidete seine große, gütige Seele auf ihrem Flug ins Unendliche.  „Walter Haeckel“

Die Asche Ernst Haeckels wurde am 30.10.1920, am Fuße des Denkmals im Garten seiner geliebten „Villa Medusa“der Erde übergeben.

On Friday, 8 August, I brought him from a walk to the Ernst Haeckel Bench a bouquet of wild flowers. In the evening he was visited by close friends. But the food did not taste him any longer, he had lost his appetite. With the two faithful housemaids, I stayed with him until midnight; then he dismissed us friendly.
In the morning dawn of August 9, around 4 am I listened to him, but everything was quiet and I rejoiced in his good sleep. Soon after 5 am I awoke again and cried, „Father“!
No Answer.
I came to his bed, put his hand on his forehead and knew that his stormy heart had stopped.

Gentle and painless he was asleeped and his soul has gone in his his long-awaited Nirvana. I pulled back the curtains, opened the windows and the balcony door, let the rising sunshine in and envied his great, kind soul on its flight into eternity“ Walter Haeckel

Haeckels urn was burried in the garden of his beloved „Villa Medusa“ on 30.10.1920.

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Büste von Prof. Wilhelm Engelmann in Weimar. Das Original befindet sich im Haeckel Museum, der zweite Abguss hat einen Ehrenplatz im Elternhaus in L. bei München / Photo: Walter Haeckel -Privatarchiv

* Der Berg mit dem „rötlich strahlenden Gipfel“ den Walter hier erwähnt ist der Jenzig.  Mit mit seiner höchsten Erhebung von 385,9 m ÜN (östl. der Berggaststätte) gilt als eines der sieben Wunder Jenas  – „Mons, der Berg“, im Volksmund auch „Rigi des Saaletales“.

Schon Friedrich von Schiller hat sich an seinem Anblick begeistert, von seinem Wohnungsfenster im Griesbachhaus aus konnte er den Jenzig gut einsehen, so verfasste er 1795 sein Gedicht „Spaziergang“:

Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel,
sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint,
dich auch grüß ich, belebte Flur, euch, säuselnde Linden,
und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt,
ruhige Bläue, dich auch, die unermeßlich sich ausgießt,
um das braune Gebirg, über den grünenden Wald.

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Das war das Haeckelsche Familiengrab auf dem Waldfriedhof in München.

In Erinnerung an Renata Haeckel, die 1911 tödlich verunglückte, war auf dem Grabstein ein blumenstreuendes Mädchen abgebildet. Das Mädchen sieht Renata sehr ähnlich. 1939 wurde Walter Haeckel dort beerdigt, später wurde meine Urgroßmutter Josefa sowie Walter Haeckels Schwester Lisbeth und deren Tochter Gertrud dort beigesetzt.

Horstmar Haeckels Name († 1944 in Italien) stand zwar auf dem Grab, jedoch wurde er nie dort beigesetzt. Ingeborg Haeckel fand 1994 dort ihre letzte Ruhe. So war Walter Haeckel mit seiner Familie und seiner geliebten Schwester und deren Tochter vereint.

*(Helga, meine Großmutter wurde 1960 in Immenstaad /Bodensee begraben).

Der schöne Jugendstilgrabstein wurde durch das Sturmtief Niklas im Frühjahr diesen Jahres durch die umgestürzten Bäume zerstört. Ich bin sehr traurig darüber.


This was the Family Grave of Walter Haeckel at the forest cemetry in Munich.
In memory of Renata Haeckel who died after an accident in 1911, a faithful flower girl was pictured on the grave stone. The girl looked very similar to Renata. In 1939 Walter Haeckel followed his beloved daugther. Some years later, my great-grandmother Josefa, Walter Haeckel’s sister Lisbeth Meyer (*geb.Haeckel) and her daughter Gertrud Fischer *geb.Meyer were buried there. Horstmar Haeckel’s name († 1944 killed duringWWII in Italy) stood on the grave, but he was never buried there. In 1994 Ingeborg Haeckel found her last resting place there . Thus, Walter Haeckel was reunited with his family and his beloved sister and nice.

(Apart from my Grandmother Helga, she found her last resting place at Immenstaad / Lake Constance)
The beautiful Art Nouveau grave stone was completely damaged by the storm Niklas this year by falling trees. I am very sad about that. But in my heart I will keep them alive.

2 Kommentare zu “Ernst Haeckel † 9. August 1919

  1. Am 09.08.19 begab sich die ruhelose Seele von EH auf ihren Flug ins Unendliche, wie WH so poetisch sagte. Das eigene Werden kehrte in das Sein zurück. Der wache, kreative und suchende Geist von Ernst Haeckel, der die Wissenschaft bis heute bewegt und vielseitig beschäftigt, bleibt lebendig im Wirken. Die Evolution der Deszendenztheorie ist ein nie endender Prozess des Erkennens in der Zeit, der von der bis heute „geheimnisvollen“ Geschichte des Lebens und seiner vernebelten Ursprünge getragen wird. Kurze Gedanken zum 95. Jahrestag von Ernst Haeckel…

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