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Henriette Philippine Sethe- das Namensvorbild für das Lehrmädchen Friederike

Letzten Freitag reiste ich in das ferne Menden. Während der Fahrt liess ich nicht nur meine Heimat zurück sondern begab mich auch in eine vergangen Zeit. In das Jahr 1814, als Lehrmädchen Friederike, das seine Ausbildung in der Putz- und Modehandlung der Mmes Bettinger in Menden antritt.

(c) Sabine Schierhoff

(c) Sabine Schierhoff

Gestern kam ich wohlbehalten zurück und bin noch ganz gefangen ob der unvergesslichen Zeit in Menden. Es war wundervoll.

Doch bevor ich darüber berichten werde, möchte ich euch zunächst die „wahre Friederike Sethe“ vorstellen. Nämlich meine Ururururgroßmutter Henriette Philippine Sack- das Namensvorbild für meine Rolle als Friederike Johanna Sethe.

Während meinem ersten Familientreffen der Sackschen Familienstiftung in Wesel, habe ich bei einem Besuch des Preußenmuseums ihr Bild und das ihres Ehemannes Christoph Sethe im Archiv bewundern dürfen. Diese schöne und anmutige Frau, die so ruhig den Betrachter anlächelt, möchte ich euch gern vorstellen.

Ernst-Ekkehard Kornmilch hat in seinem Buch:

Die Ahnen Ernst Haeckels

Darstellung der wichtigsten Personen und Familien, einer Ahnenliste bis zur XV. Generation und einer Nachkommenliste

VWB Verlag 2009

ISBN 978-3-86135-492-5

eine interessante Biographie über Philippine geschrieben.

Philippine

Henriette Philippine Sethe 1772-1830

 

Henriette, Philippine Sack wurde 1772 in Cleve als zehntes Kind des Kriminalrates Carls August Sack und seiner Frau Gertrud geboren. 1796 heiratete sie den geheimen Regierungsrat Christoph Sethe in Cleve.

http://www.sacks.cc/about-us/ancestor-gallery/christoph-wilhelm-henrich-sethe_web/

Christoph Wilhelm Heinrich Sethe 1767-1855

Sethe,ChristophwilhHeinrich

Christoph Sethe- (Altersportrait)

Die Hochzeit musste aufgrund der Kriegswirren des Napoleonischen Feldzuges gegen Italien verschoben werden. Die Verlobten flüchteten, um mögliche Übergriffe durch Soldaten zu entgehen zunächst nach Wesel und 1795 nach Bochum in das Haus der Böllings ( Christian Sethe, der älteste Sohn von Christoph und Philippine, heiratete später Wilhelmine Bölling [die Mutter von Hermine und Anna Sethe- die späteren Ehefrauen von Carl und Ernst Haeckel] ).

Erst nach dem Frieden von Basel 1795 konnte im Hause Sack in Cleve die Hochzeit stattfinden.

Philippine und Christoph lebten zunächst in dessen einfacher Junggesellenwohnung in Emmerich. Sie bestand nur aus einem Zimmer und einer Kammer, mehr konnten sich beide Anfangs nicht leisten.

„..[..] da das Zimmer nicht heizbar war, froren sie im Winter erheblich. Schliesslich stellten sie wenigstens in der Kammer ein kleines Öfchen auf.  Das Ofenrohr musste durch das Fenster geleitet werden, da kein Kaminanschluss vorhanden war. Jeder kleine Windstoss füllte die Kammer mit Rauch. Sie fühlten sich dort aber wohl und glücklich.“ (a.a.O. S.26).

Später zogen beide in ein etwas größeres Haus, welches ein Onkel von Christoph Sethe gemietet hatte. .[..] „Er (Christoph Sethe) bedachte dabei die künftige Vergrößerung der Familie und hatte in der Rückversicherung der Regierung nach Cleve ein sicheres Zeichen dafür gesehen, dass das Land nun bald wieder von Preußen regiert werden würde.“ ( a.a.O. S.26).

Aber das sollte sich als Irrtum herausstellen. Das Haus war sehr groß-für ihre momentanen Verhältnisse und viele Zimmer standen leer. Für die die französischen Besatzer ein Idealer Ort um ihre Soldaten dort einzuquartieren.

Zwei Stunden vorher wurden die Einquartierungen durch ein bestimmtes Hornsignal angekündigt, dann hatte in aller Eile alles gerichtet zu werden, denn die ungebeten Gäste verlangten nicht nur gut untergebracht zu werden, sondern auch reichlich verköstigt zu werden.(a.a.O. S.26).

Für Philippine, die bei Christophs geringem Gehalt nicht wusste, wie sie diese enormen Belastungen stemmen sollte, waren das bestimmt keine einfachen Zeiten. Oft wusste sie nicht wie sie alle ( vor allem ihre eigene Familie ) ernähren sollte, von der psychischen Belastung unter der sie stand ganz zu schweigen. In dieser Zeit starb ausserdem ihr viertes Kind. Es wurde nur ein Jahr alt.

1803 zog die Familie nach Münster, bedingt durch die Versetzung Christophs. 1808 wurde Christoph nach Düsseldorf berufen und es sollte drei Jahre dauern, bis er seine Familie nachholen konnte.

So war Philippine allein mit der schweren Aufgabe, Haushalt und Familie unter einen Hut zu bringen.

Ihre fröhliche und zuversichtliche Natur liess sie alle Beschwernisse ertragen. Ihrem Mann gab sie damit die beruhigende Sicherheit, dass seine Familie behütet war und souverän geleitet wurde, so dass er jene Freiräume hatte, die er für die Erfüllung seiner großen Aufgabe brauchte(a.a.O. S.27).

In dem offenen und gastfreundlichem Haus war unter den Besuchern auch Heinrich Heine Gast im Setheschen Hause. Heinrich Heine war mit Christian Sethe, dem ältesten Sohn, eng befreundet. Beide studierten zusammen in Bonn und Berlin. „Sethe war der Vertraute in Heines unglücklichen Liebschaften..[..] die Freundschaft hielt über Jahrzehnte“.(a.a.O. S.27). Später soll er das Sethe Haus „gemieden“ haben. Man munkelt, das Heine bei einem seiner Besuche das Zimmermädchen geschwängert haben soll. Christoph Sethe soll Heine zur Rede gestellt haben. Als Heine zwar die Vaterschaft gestand, sich aber weigerte, für das Kind zu zahlen „weil sie es ja gewollt habe“ soll Christoph Sethe Heine Hausverbot erteilt haben. (a.a.O. S.27, Anmerkung 49).

 

Heinrich Heine (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831) Quelle: Wikipedia

Christian Sethe- (Vater von Anna Sethe- Ernst Haeckels erster Frau)

Christian Sethe  der Vater von Anna Sethe, Ernst Haeckels erster Frau

1819 zog die Familie nach Berlin. Christophs neue, höhere Stellung führte zu einem neuen Bekannten und Freundeskreis. Im Setheschen Haus muss ein „unkonventioneller und liberaler Geist“ geherrscht haben. (a.a.O. S.28). Ein Haus, das man gern besuchte und sich intensiv und geistreich austauschen konnte.

Die Sethes werden als offene und natürliche Familie beschrieben, sie schlossen gern Freundschaften, liebten Geselligkeit und galten als großzügige Gastgeber. Sie waren hilfsbereit und halfen Notleidenden und Bedürftigen, wo sie nur konnten. In den Befreiungskriegen war Philippine unermüdlich tätig für die Beschaffung von Verpflegung für Verwundete und deren Pflege“. Für Ihren Einsatz wurde Philippine von Friedrich Wilhelm III. mit dem Luisenorden ausgezeichnet.

In Berlin muss sich die Familie Sethe sehr wohl und glücklich gefühlt haben.  [..] „Die Familie hatte viele gute Freunde und waren hoch angesehen in der Gesellschaft.“ (a.a.O. S.28). Christoph Sethe hatte sich eine hohe Position erarbeitet und genoss ein hohes gesellschaftliches Ansehen.

Die Familie hatte zehn Kinder, neun davon überlebten. (Das dritte überlebende Kind von Christoph und Philippine, Charlotte Sethe, war die Mutter von Ernst Haeckel).

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Die Kinder Christophs und Philippine Sethes.                         (Privatbesitz von Dr Christoph Sethe, Leihgabe im Preußenmuseum Wesel NRW)

Charlotte Sethe verheiratete Haeckel  . Privatbes

Charlotte Sethe 1799-1889          Ernst Haeckels Mutter

Philippine erlitt 1830 einen leichten Schlaganfall. Christoph Sethe schreibt in einem Nachruf an seine Kinder: „Der „Zufall“ im Monat Mai hatte eine große Veränderung in ihrem ganzen Wesen hervorgebracht, ihre vorige Munterkeit, ihr Mut und ihre Entschlossenheit schienen ganz von Ihr gewichen sein; eine Ängstlichkeit, eine Unentschlossenheit, ein stilles sinnendes, schwermüthiges Wesen waren an ihre Stelle getreten“. (Anmerkung 51: Ruth Harder: Henriette Philippine Sack, Eine Frau an der Seite eines preußischen Beamten, „Die Taube“ Nr 192 1994)

Eine Kur auf Norderney brachte keine Besserung. Sie, die immer gern in Gesellschaft anderer war, zog sich zurück und „schien alle Hoffnung auf Genesung“ aufgegeben zu haben.           (a.a.O. S.28).

Philippine Sethe erlitt 11. November 1830 einen weiteren Schlaganfall. „ Zwei Ärzte waren schnell zur Stelle. An beiden Armen wurde zur Ader gelassen.. [..] Dann wurden 20 Blutegel angesetzt und sonstige Mittel versucht. Sie erwachte nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit und verschied abends halb sieben Uhr sanft und schmerzlos wie sie es sich immer gewünscht hatte.“ (a.a.O. S.28).

Drei Tage später, 14.11.1830 wurde sie beerdigt. Philippine ging als großartige Persönlichkeit und Vorbild in die Familiengeschichte ein. In einem Nachruf an seine über alles geliebte Frau schreibt  Christoph Sethe: [..] „ Sie war als Gattin und Mutter gleich Musterhaft. Möge ihr Andenken unseren Kindern stets heilig sein, mögen Sie nie vergessen, was ihre würdige Mutter an ihnen getan, und was sie ihr Alles zu verdanken habe; mögen ihre Tugenden und ihre treue Pflichterfüllung ihnen und ihrer Nachkommenschaft als ein Vorbild zu Nachahmung vorleuchten.“ ( a.a.O. S.30).

Auch ihre Tochter Charlotte Sethe, verheiratete Haeckel, versuchte dem hohen Ideal ihrer Mutter, zu folgen. Auch sie galt als umsichtige, sparsame Hausfrau. Wie ihrer Mutter führte auch Charlotte ein offenes, gesellschaftliches Haus und war in gemeinnützigen Vereinen, u.a. als Vorstand des Frauenvereins und der Kinderbewahrungsanstalt in Merseburg tätig.

 

 

 

2 Kommentare zu “Henriette Philippine Sethe- das Namensvorbild für das Lehrmädchen Friederike

  1. Wow. Deine Berichte über Deine Verwandtschaft lesen sich so spannend und sehr informativ – vielen lieben Dank für Deine wunderbaren Beiträge! Ich lese jeden einzelnen mit viel Gewinn!

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    • Oh Katharina, lieben Dank. Es freut mich sehr, dass Dir die kleinen Berichte Freude bereiten. Ich bin der Sackschen Familienstiftung sehr dankbar, dass sie über Jahrhunderte unsere Geschichte so lebendig halten. Da macht es auch viel Freude zu stöbern und zu entdecken.

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