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Warum eigentlich Ernst Haeckel?

Vielleicht habt ihr euch schon öfter die Frage gestellt, warum ich mich für meinen berühmten Vorfahren interessiere, bzw wie ich denn eigentlich zu der Person Haeckel stehe.

Das möchte ich mit diesem Post gern erklären: Vorsicht * langer Post* 😉

Fangen wir am Besten von ganz vorn an:

 Wir schreiben das Jahr 1936: Mein Urgroßvater Walter hatte sich in einem Vorort von München ein Haus gebaut, welches nach dem Tod von meiner Urgroßmutter in den Besitz an Ingeborg Haeckel- meine Großtante überging. Meine Eltern durften dort 1966 einziehen, und wir Kinder hatten das Glück, in einem wunderschönen, geheimnisvollen Haus aufzuwachsen. Ein Haus voller Antiquitäten alter Bilder und Gemälden die alle ihre Geschichte hatten. Unser liebstes „Spielzeug“ war die Büste, die bei meinen Eltern heute noch im Garten einen Ehrenplatz hat. Lasst mir den armen Ernst Haeckel in Ruhe! rief meine Mutter immer, wenn wir- (meine Brüder und ich) gar zu wild mit ihr umgingen.

Haeckel

Das geheimnisvollste an meinem Elternhaus war der Dachboden, den man durch eine Ziehtreppe erreichen kann. Dort lagerte die Aussteuer meiner Großtante Ingeborg und sonstige geheimnisvollen Dinge. Und das wichtigste war: Das Betreten war streng verboten! Alle hielten sich dran. Naja.. fast alle. Bis auf eine. Genau! Ich natürlich. Für mich gab es nichts schöneres als auf den Speicher zu gehen und in den Kästen, Schränken und Kisten zu kramen und mich zu gruseln- weil ich in jedem dunklen Winkel die kleine Renata  wähnte, die doch da oben wenn es dunkel ist spielte- anders konnte ich mir das nächtliche Knacken und Knistern im Haus als Kind nicht erklären.

Wer ist denn der Ernst Haeckel? Das ist euer Ururgroßvater Kinder, der hat ein Museum in Jena. Aha. Und mehr wurde darüber nicht gesprochen.

Teilweise, mit viel Glück erfuhr man dann doch etwas über die Vorfahren. Aber was will man mit Sätzen wie: Mein Großvater war gern in München, da hat er uns immer besucht. Oder: Renata ist auch gern- wie du- auf dem Bauch gelegen und hat gelesen, anfangen? Herzlich wenig

Als meine Großtante starb, wurde der Dachboden geräumt und der Inhalt nach Jena und in die Archive nach Murnau gebracht. So wollte es das Testament.

Wir behielten die Bücher, private Photos und Bilder und weitere persönliche Dinge.

Im Sommer 2007 wollte ich mich endlich näher mit der Familiengeschichte auseinandersetzen. Ich wollte endlich wissen, wer denn nun eigentlich dieser Ernst Haeckel war. Dieser geheimnisvolle Mann, von dem kaum gesprochen wurde. Ich wollte gern näheres über den Maler Walter Haeckel erfahren, dessen Bilder inzwischen in meiner Dachstube hängen. Und was war denn nun so schlimm, an diesen Personen, dass man nicht über sie redete?

Und in solche Gedanken vertieft stand ich nun vor dem „Haeckelregal“ und beschloss mit der “Entwicklungsgeschichte einer Jugend“ anzufangen. Der ist ja wie wir, dachte ich. In vielen Berichten, etwa die Schilderung seiner Studentenbude, oder wenn er Zweifel während des Studiums hatte fand ich mich selbst wieder. Ein Mensch wie du und ich. Von da an hatte er einen Platz in meinem Herz.

In der VHS wurde 2007 ein Vortrag über Ernst Haeckel angeboten. Ich kam mit dem Dozenten ins Gespräch und als er erfuhr, dass die Nachfahrin vor ihm stand, schlug er begeistert vor: Halten Sie doch einen Vortrag über ihre Familie. Das wäre doch eine wunderbare Ergänzung der Darwin Reihe.

So fing alles an. Ich „frass“ mich buchstäblich durch sämtliche Haeckel Biografien, Briefe und Reiseberichte die sich bei uns befanden, kehrte unterstes nach oben, stellte das Elternhaus auf den Kopf, fuhr nach Jena, telefonierte mit Zeitzeugen und entfernten Verwandten, säuberte den Grabstein auf dem Waldfriedhof . Aber trotz aller Begeisterung hatte ich immer das Gefühl etwas Verbotenes zu tun. Oft hatte ich schreckliche Albträume: Walter Haeckel stand vor meinem Bett und schimpfte. Die kleine Renata schwebte auf mich zu, legte ihre Hand auf mein Gesicht und die Welt versank in Spinnweben . Ich stand vor dem Familiengrab und zog eine weisse Decke weg und meine Verwandten verlangten wütend sie sofort wieder zuzudecken- es sei kalt und sie wollen schlafen.

Aber warum nun diesen Blog und Haeckelsdream?

Es ist einfach so, dass für mich die Auseinandersetzung mit unserer Familiengeschichte so eine Art persönliche Psychoanalyse war . Eine Antwort auf die Urfrage- die wir uns alle stellen: Wer bin ich? (und wenn ja, wieviele  🙂  ).

Fazit:

EHaltBalkon

Mein Favorit ist und bleibt die Person Ernst Haeckel. Ein interessanter Mensch, sehr facettenreich und einfach sehr faszinierend. Der von seinen Studenten glühend verehrte Professor- alle die ihm begegneten waren bald „verhaeckelt“. Von seinen Kindern bewundert, von seinen Enkelinnen heiss geliebt. 

Und doch ist es traurig zu erfahren, dass einige Familienmitglieder sehr unter ihm litten weil sie versuchten, seinen hohen Ansprüchen, die er an sich und die Umwelt stellte zu genügen und teilweise unter ihm zerbrachen.

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Zum Beispiel Agnes. Wie muss sie unter diesem interessanten Mann, der ständig unterwegs war und Schlagzeilen machte gelitten haben. Mich wundert es nicht, dass sie unter diversen Krankheiten litt und schwer depressiv war. Ständig im Schatten der Vorgängerin zu stehen ( Anna), eine schwierige, dominante Schwiegermutter zu haben und dann hat ihr Ernst noch eine Geliebte, die schöne und intelligente Frida). Ich glaube eine einvernehmliche Trennung im Guten hätte ihr Leben vielleicht verlängert? Vielleicht wäre sie zu ihrer Tochter Lisbeth gezogen und wäre dort im Kreise der Mayer´s in Frieden alt geworden? Man weis es nicht. 

Von den beiden Töchtern Ernst und Agnes Haeckels habe ich mich vor allem mit Emma beschäftigt. Nicht nur weil ich genau 100 Jahre und 1 Tag jünger als sie bin, sondern weil ich ihre Person aus der Versenkung holen wollte.  Deswegen habe ich ihr einen Blog gewidmet.

 

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Meine Gedanken über Walter, Ingeborg,  könnt ihr ebenfalls auf meinem Blog nachlesen. ( Einfach auf die Namen klicken).

Und jetzt könnt ihr vielleicht auch besser verstehen, warum ich mich so für historische Kleider interessiere. Weil ich mich dann einfach besser in die Zeit meiner Vorfahren versetzen kann: Wie sich das anfühlt, den ganzen Tag ein Korsett zutragen. In einem historischen Kleid spazieren zu gehen oder in einer Kutsche zu sitzen.

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Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Taten, ihrer Größe den Hörer unterhält und, still sich freuend, ans Ende dieser schönen Reihe sich geschlossen sieht! Denn es erzeugt nicht gleich ein Haus den Halbgott, noch das Ungeheuer: Erst eine Reihe Böser oder Guter bringt endlich das Entsetzen, bringt die Freude der Welt hervor. *Goethe*

 

4 Kommentare zu “Warum eigentlich Ernst Haeckel?

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