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Restaurierungsprojekt: Ein Schalk

Vor einigen Wochen ging ich mit Alisa und Katharina auf die Auerdult. Ein wenig herumspazieren, die schönen alten Dinge betrachten und natürlich nach Schätzen suchen. In der Raritätengasse entdeckte ich bei einem „Dandler“ im hintersten Eck seiner Verkaufsbude ein trauriges Trachtenjäckchen, das einsam und unbeachtet über einer Büste hing.

Ich lief hin und nahm es genauer in Augenschein. Ein braunes Spencerjäckchen, mit einem hübschen Schwalbenschwanz. Es passte wie angegossen, das die Ärmel offen waren störte mich nicht- es war zwar ziemlich verschmutzt und roch dementsprechend aber ich wollte es unbedingt haben. Und stellt euch meine Überraschung vor, als der „Dandler“ nur verschmitzt lächlend meinte: Den schenk i eana!

GESCHENKT!! Ich war im siebten Himmel!

Daheim steckte ich es  ersteinmal in die Badewanne und wusch es vorsichtig mit der Hand.

Es blutete fürchterlich,  ich weis nicht mehr, wie oft ich das Jäckchen spülen musste, bis das Wasser einigermassen klar war.

Zum Verschnaufen hängte ich es vorsichtig zum Trocknen nach draussen.

Und wie  groß war die Überraschung, als das Jäckchen trocken war.

Das vormals braune, hässliche Jäckchen hatte sich in dieses Prachstück verwandelt

Tracht2

Ich beschloss erstmal die Samtborte zu erneuern. Sie war zum einem sehr brüchig und war an einigen Stellen „schlampig“ geflickt.

Borte davor

Als erstes besorgte ich ca 3Meter breite braune Samtborte. Alle 5 cm  schnitt ich die Borte ca 2 cm ein.

Borte fertig

..und faltete die Enden zu Zacken zusammen.

Diese nähte ich mit der Hand zusammen, insgesamt habe ich für 3m 2 Tage gebraucht.

Die Borte habe ich vorsichtig auf die Jacke gesteckt und den Bund mit der Maschine festgenäht.

Die Zacken wurden mit der Hand festgenäht, zwar etwas mühselig aber es hat sich gelohnt.

Die schmälere Borte die über der verzierten sitzt, habe ich wieder mit der Maschine angenäht.

Verzierung

Dann waren nur noch die Verzierungen an den Ärmeln zu machen.

Ärmel

Nachdem endlich alle Verzierungen erneuert waren, konnte ich endlich die Ärmel zusammennähen, die Knopflöcher zu verbessern und die Knöpfe anzunähen.

Und seit gestern freut sich das Jäckchen über sein neues Dasein.

Innenansicht

Der Schalk ist innen mit groben Leinen gefüttert und mit Hand versäubert worden

In einem Trachtenlexikon habe ich herausgefunden, dass man diese Art Jäckchen

einen Schalk nennt.

So, und nun möchte er sich euch gern in seiner ganzen Schönheit zeigen.

Schalk 1

Vorderansicht

Schalk Rück

Rückenansicht

Schwalbe

Der Schwalbenschwanz. Das eigentliche Schmuckstück des ganzen Jäckchens

Und hier mit mir.

  Schalk Schalk2

Er darf mit nach Bath.. oder nach Weimar? Ach.. am besten er kommt überall mit.

7 Kommentare zu “Restaurierungsprojekt: Ein Schalk

  1. Oh, it’s lovely! How thrilling that you found it. Lucky jacket that was found by somebody who was prepared to see the beauty hidden inside it’s dirty and smelly exterior. How exciting to own something so old and original. I look forward to seeing it (and you!) in Bath!

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  2. Ich hätte ja nie gedacht, daß Du das so toll hinbekommst! Unglaublich, das Stück hat so gewonnen – dank Deiner tollen Frickelarbeit und dem „Glauben“ an das Schöne und Gute in dem Teil! Ganz wunderbar! 🙂

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