Happy Birthday Ernst Haeckel

Jugend

Portrait auf der „Jugend“ 1904 am 16.Februar zu Haeckels 70 Geburtstag

Heute feiert Ernst Haeckel seinen 179. Geburtstag

Portrait

Portrait mit einem Jugendstilrahmen. (C) Silvermedusa

Der Jubilar hält es wahrscheinlich wie immer; er läßt eine Frau vor um die Glück – und Segenswünsche entgegenzunehmen, während er, um all den Feierlichkeiten zu Entgehen bei seiner Tochter Lisbeth in Leipzig weilt. Einen schönen Tag im Zoologischen Garten verbringt und am Abend im Gewandhaus Leipzig eine Aufführung von Mozart´s  „Zauberflöte“ genießt.

Ernst Haeckel bei Gabriel von Max

Ernst Haeckel bei Gabriel von Max

Früher war es seine Frau Agnes, die dem Postboten und diversen Gratulanten die Tür öffnete und die Geschenke entgegennahm.

„Ach nein, dass sie daran gedacht haben, ach die schöönen Blumen. Na, da wird  er sich aber freuen. Und die herrlichen Pralinen ( na, die gönne ich mir selbst).

Und heute? Heute bin ich es, die an Agnes Stelle die Glückwünsche entgegen nimmt. 😉

Jugend 2

Jugenstilvase im Bayerischen Nationalmuseum

Herzliche Glückwünsche zu deinem 179. Geburtstag, (Urur-) Großvater

Jugend Haeckel

Dose mit einem Motiv aus Haeckels Kunstformen der Natur im Bayerischen Nationalmuseum

Chiné Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum München

 Chiné Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum

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(*aus dem Katalog des Museums): Chiné bezeichnet Stoffe, deren Musterung durch das Einfärben der Kettfäden vor dem Verweben ensteht. Typisches Merkmal sind die unscharfen Konturen des Dessins.

 Chiné ensteht wie andere Gewebe aus dem Verweben der vertikal im Webstuhl eingespannten Kettfäden und der horizontalen Schussfäden. Durch unterschiedliches Heben und Senken der Kettfäden findet sich ein sogenanntes Fach in das die Schussfäden eingetragen werden.

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Robe `a la Francaise 1760/1770 Leinwandbindung, Seide Chine‘ `a la brance

*Beim Chiné  sind es immer die Kettfäden die gefärbt sind und das Muster bilden.

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In dieses Kleid habe ich mich sofort verliebt.

*klick* zum Bayerischen Nationalmuseum

Weitere Erklärung für Ikat Stoffe, Leinwandbindung; Atlasbindung und Körperbindung (bitte die blau markierten Wörter anklicken)

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C

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Knabenanzug 1790/1800 Frankreich
Seide, Leinwandbindung Chiné a la branche

*Dieser Anzug eines kleinen Jungen  wird wegen seiner langen Hosen als Matrosenanzug bezeichnet Die Manschetten und das umgeklappte, fixierte Revers aus einheitlich senfgelber Seide treten in reizvollem Kontrast zum gemusterten Stoff und sind mit Posamentenknöpfen besetzt.

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Update: Die Ausstellung gibt es noch bis  25. August 2013 zu sehen 🙂

Guad schaugst aus- kunn´st di glei als Grenzpfahl anstell´n lass´n- Meine Großmutter Helga Haeckel

Dies ist meine Großmutter Helga.

Leider habe ich meine Großmutter nie kennengelernt. Als ich geboren wurde, war sie bereits 13 Jahre tot. Ich habe mir immer versucht meine Großmutter vorzustellen, aber sie ist die einzige aus der Haeckel Familie zu der ich keinen rechten Zugang finde.

Die beste Freundin meiner Großmutter Renata von Lilien war Schriftstellerin und hat ein Manuskript über meine Großmutter hinterlassen. Es hieß: Erinnerungen an Helga. Lange stand das Manuskript bei meinen Eltern im Bücherschrank und ich hatte viel Zeit darin zu lesen. Doch dann ist es irgendwann verschwunden und nicht mehr aufgetaucht.  Ich versuche nun Renatas Erinnerungen an meine Großmutter aus dem Gedächtnis wiederzugeben.


Das Manuskript beginnt etwa so: Es muss wohl nach dem Tod der kleinen Renata gewesen sein als ich mit meinen Eltern in das Hinterhaus der Nymphenburgestrasse 205 einzog. Schwer lastete das Unglück über der Familie Haeckel.

Über die ihr Nachbarn (die Haeckels) schreibt sie folgendes: Er (Walter) war halt Maler, die ältere Schwester Ingeborg von deren sagenhaften Noten im Gymnasium (Luisengymnasium) man sich in allen Klassen erzählte war mir, ehrlich gesagt gleichgültig. Nur in einem war mir Ingeborg ein Vorbild: Sie trug Ihren Ranzen bis zum Abitur in die Luisenschule.  Ich tat es ihr gleich und trug meinen Ranzen bis der Riemen riss. Am meisten beeindruckt hat mich „der Alte“! (Ernst Haeckel). Eine riesige Erscheinung mit seinem dicken weissen Bart,  wie er in seinem Südwester einen Hauch Nordsee  nach München brachte. Dem jüngsten der Familie Haeckel gab sie später als Studentin Nachhilfestunden in Latein, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. Sie schreibt: Einmal sollte Horstmar Romulus und Remus wurden von einem Hirten erzogen aus dem Lateinischen übersetzen. Horstmar übersetzte aber: Romulus und Remus wurden von einem Pastor erzogen.

Nun aber zu meiner Großmutter. Helga sollte  in einer Wandevogelgruppe die Tante Renata gegründet hatte auf Wunsch meiner Urgoßmutter aufgenommen werden. Anfangs wehrte sich Renata mit Händen und Füssen: Sprengen wird sie (Helga)  mir die Gruppe! Aber aus der Anfänglichen Abneigung seitens Renatas wurde eine Lebenslange Freundschaft.

Es begann mit Ausflügen, natürlich zu Fuss, u.a nach Wolfratshausen hinunter wo man bei Bauern in der Scheune nächtigte, der Dorfjugend schwimmen beibrachte und am Waldrad sonnenbaden ging !  Einmal trug Renata einen Sonnenbrand davon, sie pflegte im Gras auf einer Seite zu liegen und dabei zu lesen. Das Resultat war, dass sie auf einer Seite rot und der anderen Seite weiss war. Meine Großmutter dazu: Guad schaugst aus! Kunn´st di glei als Grenzpfahl anstell´n lass´n.

Bei einem Ausflug kamen die Freundinnen nicht mehr rechtzeitig am Bahnhof an und verpassten den letzten Zug nach München. Rasch wurde telegraphiert um unnötige Sorgen zu vermeiden, denn Helga musste ja am nächsten Morgen wieder in die Schule. Die gutmütige Bahnwärtersfrau quatierte die übermüdeten bei sich in der Wohnung ein. Dann ging es am nächsten Morgen mit dem ersten Zug nach München. Während Renata sich erstmal daheim ausruhen konnte, da sie schon Studentin war und erst am Nachmittag Vorlesung hatte musste Helga in Begleitung der Urgroßmutter Haeckel  in die Schule.  Bevor es in das Klassenzimmer ging hieß es erstmal Antreten beim Rektor. Nach einem kurzen Verhör schlief Helga im Klassenzimmer mit offenen Augen weiter. Meine Urgroßmutter hat dann Renatas Mutter von dem Verhör im Rektorzimmer berichtet: Mit wem war den ihre Tochter unterwegs? wollte der gestrenge Rektor  schliesslich wissen. Anwort:Mit der Renata von Lilien. Er: Na, dann war sie ja in bester Gesellschaft. ( Der Rektor und Renata müssen sich zu deren Schulzeiten „bestens“ verstanden haben!)

Ich glaubte mich trifft der Schlag, soll meine Urgroßmutter später gesagt haben.

Der Bodensee war neben Wolfratshausen ein beliebtes Ausflugsziel der Wandervogelgruppe. Die Wandervogelgruppe bestand aus Renata, Helga und einer gewissen „Hertha“. Hertha hiess eigentlich Clementine. Laut Renata passte ihr richtiger Name nicht zu dem kräftigen Mädchen, so wurde sie kurzerhand Herta getauft. Großmutter übernahm die Leitung, Herta war der Packesel und Renata war wohl die Aufpasserin. Oft kam es zu Konflikten, z.B wenn Helga sich standhaft weigerte den Toilettenschlüssel herauszurücken, obwohl ihre Kameradinnen sich bereits im Zustand der höchsten Not befanden. Zitat: „Dann machts halt in´d Hosn. I geb den Schlüssl z´erscht raus wenn ma do san.

Doch währte wohl ein Konflikt nie lange. Spätestens beim Essen war man sich wieder gut.  🙂 Einmal stand Grießbrei auf dem Speiseplan. Ich erinnere mich noch gut an diese Passage :-). Während Renata und Helga wohl alles für die Rast vorbereiteten, war Herta zum Kochen eingeteilt. Und so rührte sie- dabei Ihre langen Haare kämmend immer wieder den Grießbrei um. Es muss ein ernormer Topf gewesen sein, denn vorüberziehende Spaziergänger fragten verwundert: Ja wollet ihr den Riesenhefa  aalloi derzwenga? Antwort: Freilich.

Nun eine halbe Stunde später ging es wacker ans Essen. Naja.. eigentlich mehr ans Haarefischen. Immer wieder zogen die drei angewiedert Hertas Haare aus der Speise so dass Helga schliesslich bemerkte: Jetzt langts dann bald für an Skalp. Satt sind sie dann schliesslich doch noch irgendwie geworden.  Vollgefressen wie die Schlangen lagen wir drei in der Sonne, vom weitergehen war erstmal keine Rede.  Um sich zu erfrischen, gen0ß man den selbstgemachten Himbersirup, den die getreue Herta in Glasflaschen mittrug.- Die Arme, was muss sie geschleppt haben. Doch wohin damit, wenn der Sirup ausgetrunken war. Ganz einfach: Bei einer Kirchenbesichtigung  inÜberlingen stellte das Trio die leeren Flaschen dem Pfarrer auf die Kanzel! Er wird sich sicherlich darüber gefreut haben :-).

Helgas Bruder Horstmar taucht öfters in Renatas Manuskript auf. Horstmar züchtete daheim Schlangen und Mäuse. Letztere verkaufte er an Studenten der Universität und besserte dadurch sein Taschengeld auf. Meine Großtante erwähnte einmal, „Horstmar war von den Mendelschen Gesetzen sehr begeistert und züchtete seine Mäuse entsprechend. Da konnte man sehr schön die Mendelschen Gesetze mit eigenen Augen überprüfen. :).

Mitunter kam es vor dass die eine oder andere Maus nicht brav in ihrem Käfig blieb sondern munter durch die Wohnung turnte. Einmal purzelte eine Maus, die aus Horstmars Zimmer ins Wohnzimmer geflohen war, von der Vorhangstange mitten auf den Kaffeetisch an dem Urgr0ßmutters Freundinnen soeben gemütlich zum Kränzchen beisammen sassen.  Eine Maus im Kuchen!! Na sowas! Aber in einem so wissenschaftlichen Hause wollte sich keine der anwesenden Damen die Blöse geben und Urgroßmutter Haeckel rettete die Situation in dem sie die Maus mit den Worten: Ach, das ist wieder eine von Horstmars Mäusen, aus dem Kuchen fischte und – so stelle ich es mir vor- ohne mit der Wimper zu zucken das arme Tier in seinen Käfig zurückbrachte. Doch nicht nur die Mäuse sondern auch die Schlangen hatten manchmal Lust auf einen Tapetenwechsel. Einmal fand Renata, die soeben Helga besuchen wollte die Wohungstür weit offen und Horst und Helga mit Schirmen und Stöcken bewaffnet im Wohnzimmer vor der Kommode liegend. Wos is´n bei euch los?  fragte sie verwundert.

D´Schlang!  D´Schlang is außkemma und etzat flaggt des Vieh unter dera Kommoden rief es zweistimmig. Ob die Schlange das Erlebnis gut verkraftet hat, bleibt zu hoffen. Aber wie gesagt. In einem so wissenschaftlichen Hause ist alles möglich.

Meine Großmutter, mit Bruder Horstmar und meiner Urgroßmutter Josefa- ca 1936

Leicht hat es der Horstmar nicht gehabt. Renata erinnert sich: Bei einem Zahnarztbesuch erklärte der Arzt soeben einem Kollegen den Gebrauch und die Wirksamkeit von Zahnspangen. NB: Hostmar wurde mit einer Hasenscharte geboren und musste, um sein Kiefer zu korrigieren eine solche Hilfe tragen. Der Arzt: Eigentlich sitzt eine solche Spange sehr fest und verrutscht nicht. Man dürfe allerdings keine Schwester haben, die einem eine solche Ohrfeige verpasst, dass dem Betreffenden die Zahnspange aus dem Mund flöge.  Renata: Ich wusste sofort WER diese Schwester war. 😉 Allerdings ist auch Renata einmal die Hand ausgerutscht: Horstmar hatte die schlechte Angewohnheit einem zur Begrüßung kräftig die Hand zu drücken bzw. zu quetschen. Renata- schmerzgepeinigt wehrte sich entsprechend und schlug mit der freien Hand zu. Aber dies schien Horstmar stoisch grinsend wegzustecken. Spätestens bei seiner Konfirmation war man sich wieder gut:   Zu seiner Konfirmation schenkte ich dem Horstmar ein Körbchen mit 20 hartgekochten Eiern die er ganz allein aufessen durfte.

Mitte der 20er Jahre begann meine Großmutter ihre Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin in Steckborn bei Überlingen und später in einem Gut auf dem Bocksberg- Bodensee- Überlingen. Dort trennte sich zwar der Lebensweg der Freundinnen, nicht aber der Kontakt. Ich erinnere mich, dass Renata meine Großmutter in Ihrer  Ausbildungsstätte besuchte. Sie nächtigten im Heuschober, sangen die schönen Wanderlieder- kurz- sie lebten ihr altes Wanderleben weiter, bevor Renata sich wieder in den Zug setzen musste um sich Ihrem Germanistikstudium zu widmen.

Dann endet das Manuskript. Renata und Helga standen weiterhin in enger Verbindung, selbst als beide schon verheiratet waren und selbst Kinder hatten.  Meine Großmutter hatte sieben Kindern das Leben geschenkt, zwei starben bereits im Kindesalter. Als meine Großmutter mit nur 50 Jahren an den Folgen einer schweren Gehirnblutung starb hielt Renata weiter treu Kontakt zu meiner Mutter und Ihren beiden Schwestern. Renata war eine liebe und sehr lustige Frau- ich erinnere mich gern an die große, beleibte Frau die uns Kindern immer sehr herzlich zugetan war.  Ich nehme an, dass sie längst verstorben ist. Jedoch danke ich Renata- postum – für ihre Aufzeichnungen. So hat sie mir doch meine Großmutter für mich ein wenig lebendig gemacht.

Doch trotzdem bleibt meine Großmutter eine geheimnisvolle, verschwiegene Frau. Und warum auch nicht. Vielleicht ist es besser,  manche Fragen einfach stehen zu lassen.

Ich glaube sie würde sagen: So is recht.