Flüsterparty in der Villa Monaco


Die letzte Flüsterparty in diesem Jahr fand wieder in der Villa Monaco in der Stollbergstrasse statt.
 
Ein wunderschönes, altes Gebäude wo man auf drei Stockwerken die 20er Jahre wieder aufleben lassen kann.

Zigarren, Fächer, Federn, Bärte, Zuckermandeln gefällig?

Eigentlich wollte ich mein hellblaues Seidenkleid ausführen, doch ein überraschender Wintereinbruch!! sorgte für winterliche Temperaturen und damit auch für eine Änderung im Kleiderplan:
 
Das hellblaue Kleid blieb zu Hause, stattdessen freute sich mein neues 20er Jahre Kleid auf seinen ersten Auftritt.
 
 
Zur Begrüßung gab es für die ersten Gäste einen herrlichen Drink von Lillet!!
 
 
Neue und alte Bekannte zu treffen ist immer wieder etwas feines.
 
 

Ein wunderschön gekleidetes Paar!

Ist das nicht ein wundervolles Outfit? Es erinnert mich an Samuel West aus Wiedersehen in Howards End
 
Im zweiten Stock sorgte die Band für gute Unterhaltung 🙂
 
 
Man bittet zum Tanz:  Swing/Charleston  :-). Und dank Christines Tanzkurs konnte schliesslich jeder etwas „Swingen“.  Und ja: Ein bisschen Charleston wurde auch gespielt. :-).

Foto Nachtagenten.

 
Fazit: Ein wundervoller Abend und ich freue mich auf weitere viele Flüsterparties in München.
 
Danke an alle die uns wiedereinmal einen unvergesslichen Abend ermöglicht haben.
 

Mode im dritten Reich- eine Ausstellung im LVR-Industriemuseum Ratingen


Durch meine liebe Nähkollegin Barbara bin ich auf eine Austellung im Industriemuseum Ratingen aufmerksam gemacht worden.

Sie trägt den Titel Glanz und Grauen und thematisiert die Mode und Kleidung der 30-40er Jahre in Deutschland.

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 Der tiefere Sinn für diesen Artikel ist zum Einem, dass ich mich ja für Kleider aus dieser Zeit schon seit längerem begeistere, zum Anderem ist es das Ergebnis einer E-mail Korrespondenz mit einem entfernten Verwandten, der mir den Anstoss gegeben hat mich mit den politischen Hintergründen der Mode der 30-40 Jahre näher auseinanderzusetzen.

Was wurde aber wirklich getragen, im Alltag, auf der Straße, im Haushalt, bei der Berufsarbeit oder den Urlaubsreisen? Und wie griffen die Nationalsozialisten in den Umgang mit Kleidung ein? Was hatte Alltagskleidung in den 1930er und 1940er Jahren mit Politik zu tun? Diese Frage haben sich bisher nur wenige gestellt. Zwar ist die NS-Zeit breit erforscht, mit der Frage der Kleidung und des Kleiderkonsums in der NS-Diktatur hat sich bislang gleichwohl kaum jemand befasst. Aus diesem Grund sind viele Mythen entstanden. Zum Beispiel: Die typische Frau der Nazizeit trug Tracht und Dirndl, am besten mit Gretchenzopf. Das Kleidungsverhalten im „Dritten Reich“ war aber weitaus vielseitiger, wie die Ausstellung zeigen möchte“ .

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Aus der Webseite des Industriemuseums Ratingen.

https://i1.wp.com/www.wn.de/var/storage/images/wn/startseite/fotostrecken/journal/fashion-style/ausstellung-glanz-und-grauen/die-ausstellung-glanz-und-grauen-beschaeftigt-sich-mit-der-kleidungspolitik-der-ns-zeit-modephaenomenen-und-sonderthemen-wie-der-reichskleiderkarte12/28778937-1-ger-DE/Die-Ausstellung-Glanz-und-Grauen-beschaeftigt-sich-mit-der-Kleidungspolitik-der-NS-Zeit-Modephaenomenen-und-Sonderthemen-wie-der-Reichskleide_image_630_420f_wn.jpg
Foto:Industriemuseum Ratingen

Mehr dazu findet ihr hier

Da mir Ratingen nun doch etwas zu weit weg ist habe ich mir den Katalog zu dieser Ausstellung bestellt. Glanz und Grauen. Mode im ‚Dritten Reich‘, ISBN 978-3-9813700-0-3

Hier könnt ihr online einen interessanten Rundgang durch die Ausstellung machen.

Diese Ausstellung bietet einen tiefen Einblick in die Mode der 30-40 Jahre: Auf der einen Seite der Glamour der prächtigen Abendkleider auf der anderen Seite das Grauen, je weiter man dieses dunkle Kapitel aufschlägt.

Bild zeigt Schuhe und verschiedene andere Kleidungsstücke, die aus besetzten Ländern von den Soldaten mitgebracht wurden

Neben der Enteignung jüdischer Textilbetriebe war auch die Ausraubung der besetzten Gebiete Bestandteil ihrer Wirtschaftspolitik. In Millionen von Feldpostpäckchen schickten die Soldaten neben Nahrungsmitteln auch Unmengen an Bekleidung in die Heimat. In der Sammlung des LVR-Industriemuseums sind einige solche Kleidungsstücke erhalten und werden in der Ausstellung präsentiert. Auch die Kleidung der Deportierten und Ermordeten wurde von den Nationalsozialisten nutzbar gemacht und füllte die Kleiderkammern der NS-Volkswohlfahrt. Bild: Museum Ratingen

Empfehlenswert für alle die sich weiter mit der Mode der 30-40 Jahre auseinandersetzen wollen.

Bild zeigt zwei Trachtenkleider für Damen

Foto: Museum Ratingen

Malschüler in Haimhausen 1900 / Walter und Josefa Haeckel


Mein Urgroßvater Walter Haeckel war einer der vielen Malschüler die sich um 1900 im Dachauer Hinterland aufhielten um bei großen Meistern wie Buttersack Malunterricht zu nehmen.

Moos 1900

Im Sommer 1900 lernte Walter Haeckel meine Urgroßmutter Josefa Scholz kennen und lieben. In unserem Familienalbum befinden sich noch diese wunderschönen Postkarten die der verliebte Walter an seine spätere Frau in diesem schönen Sommer 1900 in Haimhausen geschickt hat.

Im Juli 1900 in Haimhausen

Amperpettenbach 1900 (Walter & Josefa)

Herzliche Grüße

Sind sie nicht wunderschön?

Meine Urgroßeltern heirateten am 8. Oktober 1901 in München

Emma Haeckel * 6.10.1873/ Ernst Haeckels „vergessene“ Tochter


Emma Haeckel, geboren am 6.10.1873 war das letztgeborene Kind von Ernst und Agnes Haeckel.

Sie war, wie der Titel schon verrät, die vergessene Tochter. Jemand über den man nicht spach, ein Kind dessen man sich schämte, das man „weggab“ und das schliesslich sein Leben in diversen Anstalten und Pflegeheimen verbrachte. Ein Kind das „anders war als die anderen“, das sich nach Liebe und Anerkennung sehnte und sie nicht bekam, im Schatten der begabten Geschwister stand und genau wie diese leben wollte.

Nehmen wir an, sie wäre 100 Jahre später geboren, vielleicht hätte man Ihr mit diversen Therapien und Medikamenten evtl zu einem glücklicheren Leben verhelfen können.

Aber nun will ich euch Emma Haeckel vorstellen; aus der Sicht von Walter Haeckel, Frida von Uslar Gleichen, Ekkehard Kornmilch und Prof Norbert Elsner:

Emma gilt in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung als zu-ückgeblieben, jedoch gutmütig, mit großen literarischen und musikalischen Neigungen.

Das stille, sensible Kind, das bei der kleinsten Kleinigkeit in Tränen ausbrechen kann, wird aus Rücksicht auf die Mutter möglichst oft aus dem Haus zu Pflegeeltern gegeben.

So schreibt Haeckel 1876 an seine Frau:

Emma will ihren Papa durchaus nicht mehr kennen, obwohl ich täglich hinkomme. Sie ist spröde und kühl, dabei aber so lieblich wie ihre Mama: Wieder Vererbung!“

Sie ist das Ein-und-Alles der Mutter, während der Vater oft übertriebene Anforderungen an sie stellt und durch seine Ungeduld einschüchtert. Emma leidet augenscheinlich darunter, den Ansprüchen ihres Vaters nicht zu genügen. Wahrscheinlich steht sie auch unbewußt im Schatten der älteren Schwester Lisbeth.

Am Tage ihrer Konfirmation schreibt sie:

Ich werde die guten Lehren die Du mir im Leben gegeben hast beherzigen und kämpfe täglich gegen meine Fehler an (…) Verzeih, daß ich Deinen lieben Brief erst so spät beantworte, Du kennst ja meine Schreibfaulheit, weißt daß es eine Schwäche von mir ist. Hoffentlich hast Du Nachsicht mit mir, legst es nicht als Teilnahmslosigkeit aus.“

Walter Haeckel schreibt:

Sie tyrannisierte die Mutter mit ihren Tobsuchtsanfällen und depressiven Stimmungen und schrieb ihr vor, mit wem sie umzugehen hatte und mit wem nicht. Die Ehe schien an der Verzweiflung und Ohnmächtigkeit darüber fast zu zerbrechen.“

Und Ernst Haeckel fügt 1902 hinzu:

Im Ganzen ist ihr Zustand trostlos, Nervenschwäche, Hysterie, verknüpft mit Wahnvorstellungen und drückenden Kopfschmerzen (…) und man kann dem armen unglücklichen Mädchen nur wünschen, daß ein sanfter Tod sie bald von all dem Leiden erlösen möge.“

Frida von Uslar-Gleichen schreibt 1900:

Es will mir nicht aus dem Kopf, daß es nicht für alle Beteiligten besser wäre, wenn Emma in eine gute Anstalt käme. Sie selbst wäre bei guter Pflege glücklich und Ihre arme Frau würde nach dem ersten Schmerz vielleicht ruhiger und freier leben können, als unter der steten Aufregung und Sorgen um ihre arme unglückliche Tochter. Sprechen Sie wohl ernstlich mit ihrem Hausarzt darüber.“

Erst mit 30 Jahren wird Emma Haeckel in das Kurhaus für Gemüts- und Nervenkranke in Tannenfeld gegeben, wo sie bis 1917 mit kurzen Unterbrechungen untergebracht ist.( Tannenfeld war eher für Kranke aus „guten Häusern“. Es liegt sehr idyllisch gelegen und diente bis weit in die 90er Jahre des letzen Jahrhunderts als Altenheim. Dort wurde übrigens ein junger Schriftsteller, Friedich Dietzen, nach einem Selbstmordversuch eingeliefert. Friedrich Dietzen ist besser bekannt unter dem Pseudonym Hans Fallada).

1910 beantragt Ernst Haeckel die Entmündigung seiner Tochter. Als Vormund wird ihr Vetter Dr. Konrad Huschke bestellt.

In dem Gutachten von 1910 (Quelle:  Elsner das ungelöste Welträtsel , Band 3 Seite 1256) heisst es, dass Emma musikalisch und relativ belesen war, aber die Menschen meist von der negativen Seite beurteilte. Laut Gutachten gilt Emma als „intellektuell Schwachsinnig, sie sei nicht in der Lage sich an ihrem Umfeld aktiv zu beteiligen, albere herum und benehme sich taktlos. Sie gilt als unfähig den Alltag selbständig zu bewältigen und müsse angetrieben werden u.a Ordnung zu halten, sich zu pflegen etc.“  

Laut Ekkehard Kornmilch (Die Ahnen Ernst Haeckels S120) gilt Emma „durch verminderte Intelligenz in Verbindung mit erheblichen Defiziten im sozialen Verhalten und in der Alltagsbewältigung als psychisch auffällig„.

Dennoch liebt und verehrt Emma ihren Vater. Das geht aus den Briefen hervor, die sie ihm schreibt

Liebster Vater, innigsten Dank für Deinen lieben Brief und die Broschüren „Ernst Haeckel im Bilde“ und „Biologie“ und dein liebes Bild, welches ich geküßt und mir immer wieder ansah. Du hast mir damit eine große Freude gemacht.“

Ernst Haeckel  hält bis zu seinem Tode regelmässigen Kontakt mit Ihr und seine Briefe sind in einem warmen Ton gehalten.

Während des Naziregimes versuchte Lisbeth Haeckel ihre Schwester vor den Nazis zu schützen. In einem Schreiben an das „Institut für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik vom 17.12.36“  schreibt Lisbeth, dass Emma „nicht geistekrank ist, sondern mit 10 Jahren infolge eines Falles eine Schädeldachverletzung erlitten hat bei der ihr Gehirn verletzt wurde und zum Teil blosgelegt hat. Darauf beruht ihre geistige Störung. Sie hat für Dinge vor dem Unfall ein gutes Gedächtnis, danach versagt es völlig“

Laut Elsner war Emma in diversen Pflegeheimen untergebracht. Nach dem ersten Weltkrieg in einem Pflegeheim in Joachimsthal, später in der Obrhut eines Nervenarztes.  Dazwischen im Friedrichsstift zu Trachtenau und laut einem Brief meines Urgoßvaters Walter Haeckel von 1934 bei iner Frau Dr Goeade.. in Naumburg an der Saale und später im Carolinenheim in Apolda.

Gemäß den Recherchen von Ekkehard Kornmilch ( Die  Ahnen Ernst Haeckels VWB Verlag) starb Emma am 14.12.46 in Apolda. Die Urne wurde  am 13.3.1947 auf dem Friedhof in Jena beigesetzt.