Italienreise nach Lucca

In wenigen Stunden beginnt meine Reise nach Lucca.

Der Koffer ist gepackt, die Unterlagen im Rucksack und der neue Akku für den Photoapparat lädt gerade.

Ich bin ziemlich nervös. Meine erste Auslandsreise via Flugzeug ( allein) :-). Das letzte mal bin ich mit dem Münchner Jugendorchester auf dem Weg nach Finnland im Flugzeug gesessen.

Ich bin gespannt: Auf das Wetter, und natürlich meine Zeitreise in die Zeit Napoleons um 1800. Welch ein Zeitsprung von den „wilden 20er Jahren“ in die Empire Zeit. Genaueres findet ihr hier:

www.florencecostumes.com

Bald wird es hier von Fotos und Berichten wimmeln ( versprochen).

Eure Silvermedusa 🙂

Kleine Modekunde (Empire/Regency 1800-1820)

Das Streben nach einem natürlichen Lebensstil und die Begeisterung für das griechisch-römische Altertum führten in der Frauenkleidung um 1800 zu langen, unter der Brust lose gebundenen, hemdähnlichen Gewändern mit sehr weiten Ausschnitten und  winzigen Ärmeln.

Dies Empire mode ist nach dem Kaiserreich Napoelons genannt.

Unter den durchsichtigen Hemdkleidern aus Baumwollmusselin werden fleischfarbene Trikots getragen. Dies Kleider werden anfangs im ganzen geschnitten, später in Leibchen und Rock getrennt. Zum leichten Kleid gehören lange Handschuhe und ein wärmender Schal, bald auch lange, enge Ärmel und kurze, meist hochgeschlossene Jäckchen, Spenzer genannt.

Man trägt griechische und römische Frisuren und darüber hohe röhrenförmige Hüte, Turbane und Schuten. (Quelle: Charlotte Lowack: Modekunde Verlag Handwerk und Technik)

Den hoch gegürteten Empire Kleidern passt sich auch die Schuhmode an. Kleine und flache Schuhe mit spitzer Kappe vervollständigen das zarte Erscheinungsbild der Damen.

Salamander; Frösche und ein Professor mit schönen Augen Studentenleben 1850 in Würzburg:

Alle haben einmal klein Angefangen. Auch Ernst Haeckel musste sich seinen Titel

Exzellenz, Professor Dr. Ernst Haeckel mühsam erarbeiten und erkämpfen.

Ich habe mich immer gefragt, inwieweit sich das Studentische Leben 1850 von 2012 unterscheidet. Von Medien und Mitteln, wie PC, Hightech Mikrospkope usw. mal abgehsehen unterscheidet es sich wenig.

Durch das Buch „Die Pflanze und ihr Leben“ von Matthias Jacob Schleiden, das er als 14jähriger liest, wird Ernst Haeckel so stark beeindruckt, daß er beschließt, Botanik zu studieren. Vier Jahre später, bereits Ostern 1852, wird die Studentenbude gemietet, damit er im Sommer das Studium bei Schleiden mit dem Hauptfach „Botanik“ beginnen kann.

Ernst Haecke1 1852

Der Vater versucht aber, ihn für ein Studium der Medizin zu gewinnen.

Im ersten halben Jahr muß ein angehender Arzt auf der Uni …

… Botanik und Zoologie, Mineralogie und Chemie hören, im zweiten Anatomie etc.. Du kommst also gerade im ersten Jahr in deine Lieblingsstudien.“

(Anzumerken ist, daß es ein Biologiestudium im heutigen Sinne damals noch nicht gibt, denn Zoologie und Botanik sind (meist) noch in den Medizinischen Fakultäten angesiedelt. Selbständige Lehrstühle werden diese Bereiche erst 1860, als für sie an den deutschen Universitäten eigene Institute im Rahmen der Philosophischen Fakultäten errichtet werden.)

Jedoch werden Ernst Haeckels auf Jena und Schleiden gerichteten Hoffnungen und Pläne durch eine schwere rheumatische Erkrankung seines rechten Kniegelenks jäh zerstört, sodaß er gezwungen ist, sich unter mütterlicher Pflege auszukurieren.

Nachdem sich sein Leiden verbessert hat, beugt er sich dem väterlichen Wunsch.

Am 24.04.1852 nimmt er das Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Berlin, ab Herbst 1852 dann in Würzburg auf.

Haeckel erlebt zunächst Enttäuschungen:

Zum ersten Mal auf sich allein gestellt, ohne erfahrene Ratgeber und Freunde, fühlt er sich unglücklich und verlassen und für das Medizinstudium ungeeignet.

Ich habe jetzt die feste Überzeugung, die auch schon andere, klügere vorher hatten, daß ich nie praktischer Arzt werden, nicht einmal Medizin studieren kann. Glaubt nicht, liebe Eltern, daß ich zu dieser Einsicht etwa durch den ersten Ekel bei den Sezierübungen gelangt bin.“

(Die Anatomiesäle sind klein, eng und riechen bestialisch, was durch die umliegenden Gerbereien noch verstärkt wird.)

Das Unangenehme dabei ist schon großenteils überwunden und würde sich auch weiterhin überwinden lassen können und müssen. Die Anatomie bei Kölliker, die übrigens, werde ich trotzdem hören, auch die Sezierübungen fleißig fortsetzen.“

Jedoch findet Haeckel bald „sein Steckenpferd“, dass ihn über den ungeliebten Studienzweig hinwegtröstet. Die vergleichende Anatomie der Tiere. Diese nimmt ihn immer mehr gefangen, und schreibt das aber hauptsächlich dem „prächtigen Kolleg Köllikers“ zu!

Die Materie, der Vortrag, die ganze Auffassung Köllikers ist so entzückend schön, daß ich Euch garnicht sagen kann, mit welchem Vergnügen ich und viele andere die Anatomie hören! Kölliker selbst ist ein äußerst liebenswürdiger Mann, dabei eine vollendete Schönheit, wie ich sie selten gesehen habe, besonders seine schwarzen Augen sind ganz prächtig.“

Albert Von Kölliker

Von da ab beginnt Haeckel anscheinend alles zu sezieren was ihm unter die Finger fällt.

Laut einer Anekdote holt er sich darum Fischabfälle von den Gaststätten Würzburgs und hält auch allerlei Getier in seiner Studentenbude, so zum Beispiel eine Laubfroschfamilie, („die Kinderle“, wie seine fürsorgliche Wirtin sie nennt,) oder auch eine Schlange, mit der er sogar zusammen Kaffee trinkt!

Würzburger_Studententen_um_1820

Haeckel ist in den ersten Semestern wenig unter Menschen, geht kaum aus, und auch seine persönlichen Kontakte beschränkt er auf einige wenige Kommilitonen.

Einen einzigen Hinweis auf ein „fröhliches Gelage“ dass Haeckel mit seinen Freunden veranstaltet gibt es:

Um den Geburtstag seines „Alten“ gebürtig zu feiern lädt er seine Freunde zu Wein, Brottorte und Wurstbroten ein. Von dem „greulichen Pudel abgesehen, den einer seiner Freunde dabei hatte muss es ein lustiger Abend gewesen sein und Haeckel berichtet  seine Freunde nicht nur unter den Tisch getrunken zu haben, sondern am nächsten Morgen „frisch und munter“ in die Uni gegangen zu sein. Dummerweise schreibt er das alles seiner Mutter. Und die ist alles andere als begeistert.

Er knickt ein und verspricht „nie wieder so etwas zu tun“. 🙂

Dem Alkohol schwört er von da an mehr oder weniger ab und schimpft fürchterlich über seine Kommilitonen, die sich an den Wochenenden auf einer Hütte treffen und sich sinnlos betrinken.

Haeckel leidet an erheblichen Minderwertigkeitsgefühlen, die ihm den Umgang mit Menschen besonders erschweren. Bezeichnenderweise nennt er sich selbst einen „philiströsen Pflanzenmenschen“:

Ich muß doch ein ganz sonderbares, abnormes Kraut sein, daß ich so gar keinen ganz abgestimmten Altersgenossen finden kann.“

Auch mit Frauen weiß er (zunächst noch) wenig anzufangen. Er geht ihnen wo er kann aus dem Weg.

Ich (…) habe mich vergeblich bemüht, mit irgendeiner ein vernünftiges Gespräch anzufangen; und ihnen Schmeicheleien über ihre Figuren, Haare, Augen, Liebenswürdigkeit usw. zu sagen, dazu verspüre ich nicht die geringste Lust, sehe auch gar keine Indikation dafür. Also lass‘ ich sie laufen!“

Die ersten Semesterferien nutzt er zu einer ersten Alpen- und Italienexkursion. Diese muß Haeckel viel Selbstvertrauen geben, denn Monate zuvor macht er sich noch Gedanken, ob er sich jemals seinen Traum zu reisen erfüllen kann, unter anderem wegen seines kranken Fußes. Unterwegs schreibt er jedoch an die Eltern:

Ich bin ein ganz anderer Kerl geworden. Ihr könntet mich mal sehen, wie herrlich mir das Alleinreisen bekommt, sowohl körperlich als auch geistig. Jedesmal wenn ich der lieben Mutter Erde wieder nahe komme (…) dann lebe ich neu auf, und eine neue Begeisterung für alles Wahre, Gute und Schöne strömt in mein Herz hinein.“

Zurückblickend schreibt er seinen Eltern, daß er …

… durch diese Reise in andere und höhere Sphären des Denkens und Lebens gekommen…“

… sei. Nun traut er sich auch zu, unter Menschen zu gehen. Er nimmt zu diesem Zwecke Tanzstunden, die eigentlich mehr augenzwinkernd betrieben werden:

Haeckel als Student (Gemälde von Finsterlin)

Von 7-9 Uhr abends ist jetzt die berühmte Tanzstunde, welche ich glücklicherweise mit mehreren Bekannten zusammen habe, so daß wir uns die höchst langweilige Geschichte durch gegenseitiges Amüsement recht munter und lustig machen. Gegenwärtig wird eifrigst Francaise einstudiert (mit sechs Damen), wobei ich mit meinen langen Beinen oft großartige Sätze durch den halben Tanzsaal mache. Überhaupt ist mein Ungeschick dabei natürlich bewundernswert. Nach der Tanzstunde gehe ich gewöhnlich ein wenig mit Beckmann und Strube kneipen. Dann wird regelmäßig noch bis 12 oder 1 Uhr zu Hause gearbeitet.“

Nach Ende des Wintersemesters 1855/56 wird Haeckel „Königlich bayerischer Assistent an der pathologisch-anatomischen Anstalt zu Würzburg“, mit monatlich 12 ½ Gulden, bei Virchow. (Virchow lehrt ab 1849 an der Uni Würzburg und kehrt erst 1856 wieder nach Berlin zurück.)

Haeckel merkt immer mehr, daß er nicht zum Arzt taugt. Dem kranken Körper steht er hilflos gegenüber und bedauert insgeheim die Patienten, die sich ihm anvertrauen.

Die Praxiserfahrungen, die Haeckel macht, zeigen dies nur zu gut:

Die einzige Bewegung, die ich jetzt habe, ist der poliklinische Stadttrab bei den Patienten in den verschiedenen Distrikten. Diese Art der Praxis gefällt mir überhaupt ganz leidlich, wie denn innere Medizin mir noch am meisten zusagt. 

Dagegen kann ich an der Chirurgie und Geburtshilfe noch gar keinen Geschmack finden. Namentlich in der letzten Woche kamen die Geburten förmlich haufenweis (die Folge der Karnevalswoche um Fasnacht!), und ich wurde drei Nächte hintereinander geweckt, sodaß ich die Mutter Natur verwünschte, welche das Menschengeschlecht nicht durch Eier, wie die allermeisten Tierklassen, oder noch besser durch Sproß- und Knospenbildung, wie die Polypen, sich fortpflanzen läßt.“

Aber immerhin kann er doch stolz auf sich sein:

Bis jetzt ist mir noch nicht ein einziger Patient (trotzdem ich ein paar schwere Fälle gehabt,) gestorben, während einem Bekannten unter 13 Patienten 10 gestorben sind!“

Kommt mit in die 20er Jahre

Wie gern würde ich einfach ein oder zwei Tage in den 20ern verbringen.

Mutterliebe

Friedrich Seidenstücker: Der humorvolle Blick

Durch Berlin streifen mit dem Blick von Friedrich Seidenstücker

bei Regen über Pfützen springen um schnell auf die andere Strassenseite zu kommen.

Und dann mit einem Taxi durch Berlin fahren!

Pützenspringerin: F Seidenstücker

Seidenstücker Der humorvolle Blick

 

Wer kommt mit?