Speakeasy /Flüsterparty im Hofbräukeller April 2012

(Foto Nachtagenten)

Auch dieses Mal war ich am vergangen Wochenende auf der zweiten Flüsterparty.

Diesmal in den „Katakomben“ des Hobräukellers in München:
Ganz versteckt im Bauch des Hofbräukellers fühlte man sich gleich in die 20 er Jahre versetzt, wo der Alkohol in geheimen Zimmern ausgeschenkt, und in den vorderen Zimmern getanzt wurde

Der Abend war ganz besonders schön, den zum Ersten Mal war ich nicht allein!

Meine Kolleginnen mit Freunden hatten sich von meinen Erzählungen anstecken lassen und beschlossen mitzukommen!

Wenn das kein Grund zum Feiern ist!! Und wie toll sich alle zurecht gemacht hatten:

Lustig-frech Flappergirl Geli, begleitet von „Ganovengirl Franzi (stilecht mit Schiebermütze und Hosenträgern.)

Elegant, mondän und geheimnisvoll Dani die wahre Tochter von Marlene,

Frech mondän, Lady Sybille und ebenfalls elegant und damenhaft Sylvia mit Ihrem Angebeteten (die Rouletprofis, die später den 3. Platz belegten und sich als wahre Pokerspezialisten entpuppten)

Und schliesslich ich, in meinem blau-weissen 40er Jahre Kleid.

Das musste erstmal mit einem wunderbaren Begrüssungsdrink gefeiert werden.

Schön auch wieder bekannte Gesichter zu entdecken; Saskia (meine ehemalige Mitbewohnerin) die Gastgeberin, die hübsche Stormy Heather und Burlesque Boy Nick Nighty.

Diesmal hatte ich sogar beim Poker und Roulett Glück! Es war das erste Mal ,dass ich bei beiden Spielen mit einer beachtlichen Menge an Chitons herausging. Kein Wunder, bei den tollen Begleiter/innen.

Ich wollte unbedingt noch vor dem Tanzkurs das Tanzbein schwingen und tat dies unterstützt von Geraldine und einer tollen anderen Charleston Tänzerin mit Begeisterung und Energie. (die Tanzfläche war ja leider frei- das musste man ausnutzen) bis bei Geraldine die Perlenkette riss und die Perlen zur Freude der anderen Anwesenden den Boden bedeckten (Es hat trotzdem sehr viel Spass gemacht)

Hier könnt ihr ein bisschen mittanzen:-)

http://www.youtube.com/watch?v=yNAOHtmy4j0

Beim Tanzkurs waren wir dann alle wieder zusammen, auch wenn es sehr voll war hat es trotzdem Spass gemacht.

Foto Maria S. Valera Flüsterparty

Foto: Flüsterparty

Gegen 12 Uhr meldete sich meine ohnehin schon schwer entzündete Archillissehne und verlangte nach sofortiger Ruhe und Schonung.

Und so verliess ich humpelnd den Hofbräukeller um mich eine Stunde später in eine heisse Badewanne zu legen.

Aber es war ein herrliches Fest! Ich freue mich schon wieder auf die nächste Speakeasy und auf viele neue 20er Jahre Zeitreisen.

Regency Shoes / Empire Schuhe ..sind fertig

Meine Schuhe für Lucca sind fertig!!!

Ich kann es nicht fassen!!

Hier die Schuhe für den Ball

….(My Regency Shoes for the  Grand Imperial Ball)

Und hier die weissen Schuhe für das Tageskleid

My white Shoes for the Picnic…

Sehen sie nicht aus wie Ballettschuhe? 🙂

P.S.:

Die Schuhe habe ich bei  Schuh Hiegl in München anfertigen lassen. Hiegl ist spezialisiert für Theaterschuhe. www.schuhhiegl.de

Walter Haeckel / Tu quoque mi filii

Zeitgenossen schildern Walter (1868 – 1939) als stets freundlichen, charismatischen Menschen mit einem strahlenden Lächeln. Er gilt als sehr kultivierter, feinfühliger Mensch.

Ernst Haeckel schreibt in einem Brief an Bölsche:

„Die Taufe meines Sohnes Walter (geboren am 29.09.1868) wurde auf ausdrücklichen Wunsch meiner Frau durch unseren Stadtpfarrer nach dem gewöhnlichen Ritus vollzogen. Mein lieber Freund Hermann Allmers hatte zu dessen Taufe ein Gedicht verfasst, welches in der Gartenlaube erschien: danach sollte Walter statt mit Wasser mit Wein getauft werden. Dieser Scherz erregte den höchsten Zorn der Kreuzzeitung welche darin eine schändliche Blasphemie des heiligen Sakramentes erblickte und folgerte, daß ich ein gottloser Säufer sei!!!“

Das Gedicht könnt ihr übrigens hier nachlesen:

Walter Haeckel ist ein lebhaftes Kind (ein Lausbub). Seine schulischen Leistungen lassen allerdings zu wünschen übrig, so daß er vom gestrengen Vater öfters im Institut eingesperrt wird. Walter Haeckel wird später nicht ohne Bedenken nach der Unterprima versetzt und gerät dadurch in eine Entscheidungskrise: Einerseits will er das Abitur machen, andererseits Marine- oder Artillerieoffizier werden. Sein Vater, der selbst gern Landschaftsmaler geworden wäre und die Begabungen seines Sohnes fördern will, macht kurzen Prozeß und steckt den 20jährigen Sohn, wie einen Bauern auf dem Schachbrett, nach Weimar in die Kalckreuth’sche Kunstschule. Ernst Haeckel projeziert somit seine eigene Sehnsucht „Ein Leben als Maler“ in seinen Sohn hinein. Er ist auch durchaus bereit, diesem eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Walter erkennt jedoch bald, daß ihm Schauspiel und Musik näher liegen als bildende Kunst.

Die folgenden 12 Jahre verbringt Walter Haeckel häufig in Münchener Künstlerkreisen. Ihn ziehen vor allem die Konzerte an. Immer deutlicher wird ihm dabei die falsche Berufswahl.

„Allen Gesellschaften, die mir auf väterliche Empfehlungen und Ermahnungen nahe gelegt waren (Lenbach etc.), ging ich absichtlich aus dem Wege, um mich nicht durch langweiliges conventionelles Phrasengetön binden zu lassen. Dagegen fand ich in den jüngeren deutschen Dichtern und Malern eine anregende, lebenslustige, leichtsinnige Gesellschaft, der ich mich mit Freuden anschloß.“

Daß der Vater davon alles andere als begeistert ist, versteht sich von selbst. So schreibt der wütende Ernst Haeckel in einem Brief vom 4. Juli 1900:

„Am besten und verbindlichsten aber ist es, daß Du selbst ernstlich Dich bemühst, durch tüchtige eigene Tätigkeit dir etwas zu verdienen. Auch bedauert haben wir, daß Du die von Hans Dir vakante Offerte ausgeschlagen und nicht einmal versuchsweise die vakante Stelle im B[ibliographischen] I[nstitut] angenommen hast. – Eine geregelte feste berufliche Thätigkeit, eine auch zunächst mit bescheidenem Einkommen, würde Dich sicher befriedigen und Dich von den pessimistischen und hypochondrischen Stimmungen, unter denen du leidest, befreien.“

Büster Walter Haeckel (Künstler unbekannt)

Am 8. Oktober 1901 heiratet Walter Haeckel Josefa Scholz aus Hamburg.

Josefa Haeckel oben links im Kreise ihrer Geschwister: Foto: Almut Taschendorf

Josefa Haeckel oben links im Kreise ihrer Geschwister: Foto: Almut Taschendorf

„Josefa ist eine sehr kluge und energische Frau und scheint Walter sehr richtig zu behandeln.“,meint Ernst Haeckel über seine Schwiegertochter. Das Paar lebt zunächst in Sonthofen im Allgäu und später in München. Walter und Josefa haben vier Kinder:

Ingeborg (1903 – 1994), Renata (1904 – 1911), Helga (1910 – 1960; meine Großmutter) und Horstmar (1914 – 1944).

Walter&Josefa1914

Walter und Josefa Haeckel 1914

Walter Haeckel, der auch später keinen Erfolg als Kunstmaler hat, wird von seinem Vater, so lange dieser lebt, in sehr großzügiger Weise finanziell unterstützt. Doch weiß das Walter zu würdigen?

Ernst Haeckel spendiert etwa seinem Sohn 1913 eine zweimonatige Italienreise. Walter schreibt seine Reiseerlebnisse auf. Er endet darin mit den Worten:

„Dem gütigen Spender dieses Reise- und Erholungsstipendiums (…) seiner Exzellenz (…) bin ich zu aufrichtigem Dank auch diesmal verpflichtet!!! Möge er letztwillige Bestimmungen treffen, daß sein talentvoller Herr Sohn und dessen Familie zu Nutz und Frommen der Menschheit recht oft solche und fördernde Exkursionen in dankbarem Gedenken an den gütigen Geber ausführen können.“

Als das väterliche Erbteil nach dem Tode Ernst Haeckels infolge der Inflation aufgezehrt ist, findet Walter Haeckel von 1925 – 1935 im B(ibliographischen) I(nstitut) in Leipzig dank seines Schwagers Hans Meyer eine Anstellung. Die Familie bleibt aus finanziellen Gründen in München.

Walter kümmert sich nach dem Tode seines Vaters um dessen Nachlaß und ist maßgeblich am Aufbau des Ernst-Haeckel-Museums – der einstigen „Villa Medusa“ beteiligt. Unter anderem lebt er davon, postume Werke über seinen Vater zu veröffentlichen. (Teils führt er dabei heftige Auseinandersetzungen mit den Verlagen, auch wegen seiner vermutlich überzogenen Honorarforderungen.) Oder er verkauft Bilder seines Vaters, wie ein Auszug aus der Korrespondenz mit Koehler in Leipzig vom 22.12.1922 zeigt:

„Von den für den Verkauf bereitgestellten Bildern ihres Herrn Vaters habe ich mir den Monte Kristallo herausgesucht, und übersende ihnen beigehend die Summe von 20.000 Mark dafür, die sie als Preis genannt haben.“

So ist es nicht verwunderlich, daß Walter von der Familie stets als „fauler Hund“ beschrieben wird. Else Meyer bezeichnet ihren Onkel gar einmal als Menschen,

„… der es zu nichts gebracht hat und voller Minderwertigkeitskomplexe gegenüber dem Vater war“.

Josefa Scholz, die aus einer vermögenden Familie stammt, muß wohl das Geld in der Familie zusammengehalten haben. Den Alterssitz in Lochham kann sie (meine Urgroßmutter) sich aufgrund einer Erbschaft leisten. Zudem werden Josefa und Walter von ihrer Tochter Ingeborg, die damals schon (relativ nah) in Murnau am Staffelsee lebt, finanziell unterstützt.

In einem Brief aus dem Jahre 1938 bittet Walter Haeckel das B(ibliographische) I(nstitut) um Geld. Walter Haeckel litt in zunehmenden Alter an diversen Krankheiten, wie Adressen von Internisten und anderen Ärzten, die ich in seinem Nachlass gefunden haben zeigen. In diesem Jahr musste er sich auch einer Operation wegen einer schweren Mittelorhentzündung unterziehen.

Sein Gesuch jedoch wird mit der Begründung abgelehnt, daß er ja nun mal kein Mitarbeiter des Hauses mehr sei und somit keinen Anspruch auf „Betriebliche Unterstützung“ mehr habe:„Es ist nicht gut angängig, daß wir einen seit mehreren Jahren in Ruhe lebenden Mitarbeiter unseres Hauses, der eine freiwillige Unterstützung erhält, noch mit anderen Beihilfen (Krankenunterstützung) bedenken. Der Vorstand möchte nun nicht, daß neben der gegebenen Zusage der monatlichen Unterstützung noch weitere Beträge für Sie in unseren Büchern bei uns auftauchen.“

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Sein Sohn Horst(mar) schreibt aus dem Feld: Ich wünsche Vater alles Gute, damits endlich aufhört…

Alt und Krank… Walter Haeckel kurz vor seinem Tod im Dezember 1939

Ich vermute, dass mein Urgroßvater an Krebs litt.

Walter Haeckel stirbt schliesslich im Dezember 1939 in München und wurde auf dem Münchner Waldfriedhof neben seiner geliebten Tochter Renata beigesetzt.

Trotz aller „Fehler“ die mein Urgroßvater wie jeder  Mensch hatte, war er ein interessanter Mann. Er war in meinen Augen ein großartiger und feinbeobachtender Schriftsteller. Jedoch sind seine Aufsätze und Erinnerungen von zynischen Bemerkungen durchzogen, die auf mich störend wirken. Seine Kinder muss er abgöttisch geliebt haben, besonders liebte er seine zweitälteste Tochter Renata, die im Alter von 8 Jahren tödlich verunglückte. Diesen Verlust hat er nie überwunden. Er war auf alle seine verbliebenen Kinder sehr stolz und versuchte nachKräften Ihre Talente zu fördern und zu unterstützen.

Diesen Mann, der „wie Sekt“ wirkte, der geistreich und kulturell interessiert war hätte ich gerne kennengelernt.

Malerinnen um 1900- meine Urgroßmutter Josefa Haeckel

Frauen mit künstlerischen Ambitionen war lange Zeit die Aufnahme an Akademien verwehrt, was sie aber nicht daran hinderte, ihre Leidenschaften zu leben. Viele Malerinnen waren um 1900 künstlerisch und persönlich mit einer Künstlerkolonie verbunden, in der es leichter war, sich von traditionellen Rollenbildern zu befreien. Doch wegen ihrer schöpferischen Ambitionen und ihrer unkonventionellen Lebensweise wurden sie als »Malweiber « verspottet.

 

Malerinnen um 1900 im Dachauer Moos

Eine dieser „Malweiber“ war meine Ur-großmutter Josefa Haeckel.

Viel weiss ich leider nicht über sie. Nur dass sie aus einer wohlhabendend Kaufmannsfamilie aus Hamburg stammt und gegen Ende des 19. Jahrhunderst beschloss eine Malausbildung in München zu machen.

Dort nahm sie unter anderem Unterricht bei Bernhard Buttersack

Bernhard Buttersack studierte an der Königlichen Kunstschule Stuttgart u.a. bei Jakob Grünenwald und Albert Kappis. Ferner war er Meisterschüler von Hermann Baisch und Gustav Schönleber in Karlsruhe. Der Maler wirkte von 1884 bis 1889 in München.  Bernhard Buttersack war Gründungsmitglied der Münchner Sezession.

Ende des Jahres 1889 übersiedelte er, angezogen von den morastigen Flächen des auslaufenden Dachauer Mooses mit seinen sumpfigen Wegen und gewaltigen uralten Bäumen, den zarten Windblumen, den schweren oder heiteren Wolkenzügen, dem Föhnhimmel sowie den vereinzelten Moosbauernsiedlungen (Lins 1998), nach Oberschleißheim und vier Jahre später nach Haimhausen, wo er sich ein geräumiges Haus mit Maleratelier, umgeben von einem großen Landschaftsgarten, erbauen ließ. Bald eröffnete er eine private Malschule und wurde so zum Begründer der Künstlerkolonie Haimhausen.

 

Mein Urgroßvater Walter Haeckel, der auf Wunsch seines Vaters Maler werden sollte, beschloss nach einigen Tiefschlägen Unterricht bei Buttersack zu nehmen.

Dort, in Haimhausen, traf er zum ersten Mal auf meine Urgoßmutter.

1901 am 08.10.1901 heirateten die beiden in München.

Ernst Haeckel schreibt über seine Schwiegertochter:
Josefa ist eine energische,tüchtige  junge Frau und weis Walter sehr richtig zu behandeln.

Die beiden zogen zunächst nach Sonthofen im Allgäu um eine Malschule zu gründen. ( Ob daraus etwas geworden ist, ist fraglich).

 

Dort kamen die Kinder Ingeborg und Renata zur Welt. Später zogen die Familie nach München (Nymphenburgerstrasse 205) und Ende der 30er Jahre nach Lochham bei München. Dort kamen dann meine Großmutter Helga und Horstmar zur  Welt. ( Das Haus wurde bei einem Bombenangriff zerstört. An seiner Stelle steht eine sehr hässliche Betonwohnanlage und eine Tankstelle.

Meine Urgroßmutter hat ein sehr schönes Skizzenbuch und viele Landschaftsskizzen hinterlassen. Das Malen war Ihre grosse Passion und so war es selbstverständlich dass auf „Sommer-und Winterfrischen“ der Skizzenblock und diverse Malutensilien nicht fehlen durften.

Ernst Haeckel war von dem künstlerischen Talent seiner Schwiegertochter so angetan, dass er sie bat Illustrationen für seine  Reisebriefe „Aus Insulide 1901″ anzufertigen:

..Bei der Auswahl sowei der Herstellung der Skizzen für den Buchschmuck hatte ich mich der freundlichen Beihilfe meiner lieben Schwiegertochter Josefa geb Scholz.. zu erfreuen..“ schreibt er in seinem Vorwort.

Trotz Ihres bestimmt nicht einfachen Lebens, blieb sie Ihrer grossen Leidenschaft dem Malen treu.

Meine Urgroßmutter starb 1942 an den folgen eines Hitzschlages und wurde an der Seite ihrer Tochter Renata und ihres Mannes am Münchner Waldfriedhof beerdigt.

Everybody loves Ernst…

Ich habe wahrscheinlich schon berichtet, dass meine Verwandten ein großes Geheimnis um meinen UrUrGroßvater machten.

Eines davon war die Tatsache, dass Ernst Haeckel mehrere Geliebte hatte.

Die berühmteste war die Tänzerin Isadora Duncan.

Die beiden pflegten eine umfangreiche Korrespondenz und trafen sich in Bayreuth zu den Wagner Festspielen. (Das die beiden wie bunte Hunde auffielen, brauche ich bestimmt nicht zu erwähnen :-)).

Doch am meisten hat mich das Schicksal von Frida von Uslar Gleichen berührt.

In einem kleinen Vorort von Göttingen, beschliesst eine belesene junge Frau; Frida von Uslar-Gleichen (1864 – 1903),  dem berühmten 66 jährigen Professor zu schreiben. Sie hat seine „Natürliche Schöpfungsgeschichte“ gelesen. Das ruft eine Fülle von Fragen in ihr wach.

Haeckel antwortet ihr freundlich und ein fast 6 Jahre währender Briefwechsel entwickelt sich daraus, der schließlich eine innige und vielschichtige Liebesbeziehung spiegelt. Es kommt aber in dieser Zeit nur zu 24 Begegnungen, die dann allerdings zu Märchentagen verklärt werden.

Klug erkennt Frida bald die Stärken und Schwächen des grossen Gelehrten, insbesondere die seiner gefühlsbetonten Seite.

Haeckel sendet ihr Korrekturbögen der „Welträtsel“ mit der Bitte um Kritik. Sie warnt ihn vor Wiederholungen und Selbstgefälligkeit:

Ich habe leider nur zu oft gefühlt, wie Sie aus der Objektivität des „Über-Allen-Stehenden-Lehrers“ heraustreten und mit bitteren Spitzen die Menschen angreifen.“

Da sich das Geburtsjahr Fridas mit dem Todesjahr Annas deckt, sieht Haeckel in Frida seine entbehrte Anna:

Du bist und bleibst meine wahre heilige Frau, der Natur, dem Herzen, der Seele nach.“

Frida ihrerseits nimmt als würdige Vertraute regen Anteil an Haeckels Leben. Als er an dem Buch „Die Lebenswunder“ arbeitet, ermahnt sie ihn:

Prüfe Dich gründlich, ob Du der Welt wirklich etwas Neues zu geben hast.“

Frida und Ernst leiden unter der Ausweglosigkeit ihrer Beziehung: Haeckel ist verheiratet. Trotz einer längst vorhandenen Entfremdung zu seiner Frau kann und will er sich keinen Skandal leisten.

Es ist dabei bewundernswert, mit welcher Großmut Agnes (Haeckels Frau) die Freundin ihres Mannes gelten läßt.

Bewundernswert ist aber auch die mutige Haltung Fridas, die immer um eine Klärung der Verhältnisse bemüht ist. Sie scheut sich nicht, entsprechende Briefe an Agnes, an deren Tochter Lisbeth und an Haeckels Neffen Heinrich zu verfassen, die Haeckel dann allerdings nicht abschickt!

Als Haeckel sich 1903 entschließt den Winter mit seiner Frau in Italien zu verbringen, weiß Frida, daß dies das Ende ihrer Beziehung mit Ernst Haeckel ist. Im Dezember des selben Jahres erliegt Frida von Uslar-Gleichen, mit noch nicht 40 Jahren, einer Überdosis Morphium.

Daß diese unerfüllte Liebesgeschichte an die Öffentlichkeit kommt, geschieht auf Veranlassung des Sohnes Walter. Stets in Geldnöten, verkauft er das gesamte Konvolut in den 20er-Jahren dem Leipziger Verlag Koehler und Amelang. Dessen Lektor bastelt daraus einen Briefroman: „Franziska von Altenhausen“. Haeckel ist darin sinnigerweise zu „Paul Kämpfer“ umbenannt. In der von Norbert Elsner im Jahr 2000 neu edierten und kommentierten Ausgabe der Originalbriefe geben mehrere faksimilierte Blätter einen Eindruck davon, was dem Schriftwechsel widerfährt: zerschnitten, verschmiert, systematisch ausgeschlachtet und schließlich (teilweise) vernichtet.

Ich kann mich der Rezension aus der Berliner Zeitung nur anschließen:

Aus diesem durchlöcherten Restcorpus eine anständige Edition gemacht zu haben, mit vielen Bildern, Dokumenten und einem ausführlichen Anfang, ist das erhebliche Verdienst des Herausgebers Norbert Elsner.“

Durch ihn wird Ernst Haeckels zweite Seite, unter der dieser selbst doch so gelitten hat, wieder in das rechte Licht gerückt, vielleicht so, wie Haeckel es ursprünglich auch wünscht, als er die Briefe nicht seinem Sohn Walter, sondern seinem Neffen Heinrich Haeckel vermacht. 

Norbert Elsner (Hg. ): Das ungelöste Welträtsel. Frida von Uslar-Gleichen und Ernst Haeckel. Briefe und Tagebücher 1889-1903. Wallstein Verlag, Göttingen 2000.

Da Prof. Elsner unter anderem auch Zutritt in das Archiv im Murnauer Schlossmuseum hatte und so die Möglichkeit hatte im Nachlass meiner Großtante zu forschen,  habe ich viel über meine Vorfahren nachlesen können. Das Murnauer Schlossmuseum beherbergt unter andem einen Teil des Nachlasses meiner Gr0ßtante Ingeborg. Eine Zeitlang war dies nur bestimmten Personen zugänglich. Engen Angehörigen ( und darunter auch meine Familie) wurde der Zutritt erschwert bzw unmöglich gemacht. Doch das ist „ein weites Feld“.

Ich habe sein Buch mit großem Interesse gelesen und darauf hin bei Professor Elsner in Göttingen angerufen.

https://i2.wp.com/www.znv.de/images/elsner.jpg

Ich erinnere mich gern an dieses nette Gespräch mit ihm. Ein paar Tage später erhielt ich ein Päckchen welches 4 handsignierte Bücher von Professor Elsner enthielt.

Mit großem Bedauern habe ich letzes Jahr erfahren, dass Prof. Elsner im Juni 2011 verstorben ist.