Ernst Haeckel Museum in Jena

Das Ernst Haeckel Museum in Jena

2008/2009 und 2010 war ich mehrmals im Ernst Haeckel Museum zu Besuch.

Unter anderem wollte ich im Archiv einige Briefe lesen um mich für meinen Vortrag vorzubereiten, zum anderen wollte ich nach fast 15 Jähriger Pause nochmal unbefangen dorthinreisen.

Mein erster Besuch war 1991 mit meiner Großtante Ingeborg. Leider habe ich diesen nicht in guter Erinnerung.

Während der Bahnfahrt hielt mir meine Großtante Erdkundevorträge über die verschiedenen Gesteinsschichten, die man in der Landschaft Thüringens sehr gut bewundern kann.

Zu meiner größten Schande habe ich alles vergessen, zu aufgeregt war ich mit meiner Großtante unsere erste und letzte Reise anzutreten.

Jena war damals grau und staubig, überall hing der Braunkohledampf in der Luft, die Wende war noch nich allzulange her und ich fühlte mich wie auf einer albtraumhaften Zeitreise in die Nachrkiegszeit versetzt. Die Häuser waren heruntergekommen, der Bahnhof war zerfallen und schwarz vor Staub.

Berggasse 7

Unsere Station war das Ernst Haeckel Museum, indem meine Großtante als Kind oft zu Gast war und indem Sie später als Studentin zeitweise gewohnt hatte.

Doch auch das war eine Enttäuschung: Nach einer kurzen Führung verschwanden meine Großtante und die damalige Leiterin der Museums Erika Krauße im Arbeitszimmer meines Ur-Urgroßvaters und schickten mich mit den Worten: Sieh dich ein wenig um, hinaus.

Am Nachmittag folgte eine unendlich lange Fahrt quer durch Jena. Meine Großtante wollte eine bestimmte Wiese besuchen, auf der Sie als Kind Schlüsselblumen gefunden hatte.

Die „Wiese“ entpuppte sich als ein von Panzerfahrzeugen zerstörtes Militärgelände auf der man ausser brauner Erde nichts besonderes entdecken konnte.

Mein Vater beschloss mich nach zwei Tagen abzuholen. Am deutlichesten sind mir noch die traurigen Augen eines sehr freundlichen russischen Soldaten in Erinnerung, der meinem Vater einen Parkplatz auf dem Geländer der Kaserne anbot. So gut ist mein Auto noch nie bewacht worden meinte er später. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Vater damals einen Lada hatte, eine russische Automarke.

Später habe ich dann erfahren, dass Tante Ingeborg Ihren Nachlass regeln wollte und zudem Dinge begutachten wollte die mich in Ihren Augen nichts angingen: Zum Beispiel das Gehirn meines Ur-Urgroßvaters das heute noch in einem Zylinder mit Formalin aufbewahrt ist.

Doch 2007 wollte ich tiefer in unsere Familiengeschichte eintauchen

Angespornt durch die Einladung der VHS München einen Vortrag über meinen Ur-Urgroßvater zu halten, beschloss ich nach Jena zu reisen.

Jena hat sich sehr zum Positiven verändert. Aus dem grauen Städtchen ist eine bunte, wunderschöne Universitätsstadt geworden.

Gleich am Bahnhof begrüßte mich das Phyletische Museum. Das hatte ich noch in Erinnerung und ich war sehr froh etwas vertrautes wieder zu entdecken.

Die Berggasse 7, die Adresse des Ernst Haeckel Hauses  ist ca 10 Minuten vom Bahnhof entfernt. Das Museum ist inzwischen von vielen Bäumen verdeckt, und es leuchtet in einem freundlichen Gelb hinter den Bäumen hervor.

Man betritt das Grundstück und läuft ein paar Meter zur Eingangstür. Rechts, neben dem Gartentor steht eine kleine Sitzbank hinter einer Efeubewachsenen Steinmauer.

Dort ist Ernst Haeckel gern gesessen, wie viele Photos belegen.

Das Haus ist von einem kleinen Garten umgeben. Links hinten entdeckt man ein großes Blumenbeet auf dem eine eine Säule mit der Büste von Ernst Haeckel herausragt.

Sobald man das Museum betritt hat man das Gefühl in einer anderen Zeit zu sein.

Willkommen in der Villa Medusa

In der Eingangshalle grüßen der Tag und die Nacht, zwei in Marmor gehauene Allegorien.

An der Decke hängt eine wunderschöne Laterne in der Form eine Meduse die von einem Ornament umrahmt ist. Die Medusen waren Haeckels Lieblinge, man wird ihnen noch öfters im Museum begegnen.

Die Eingangshalle, das Arbeitszimmer und die Empfangshalle zu dessen Arbeitsszimmer sind noch Original erhalten, die restlichen Räume sind zu Ausstellungsräumen oder zu Arbeitszimmern umgestaltet.

In den unteren Räumen lernt man etwas über die ersten Lebensstationen meines Ur-Urgroßvaters ( dessen Kindheit und die ersten Jahre in der Universität)

An der Wand im Erdgeschoss steht eine Büste von Ernst Haeckel. Eine Kopie davon befindet sich bei meinen Eltern im Garten.

Im ersten Stock sind dessen Exponate, Bücher und sonstige Dinge die er im Laufe seines Lebens von seinen Reisen mitgebracht hat ausgestellt.

Desmonema Annasethe?

Das schönste Zimmer ist jedoch das Arbeitsszimmer.

Allein das Gefühl das Vorzimmer zu betreten ist ein Erlebnis.

Sobald sich die Türen des Arbeitszimmers öffnen, erwartet man, dass Ernst Haeckel hinter seinem Schreibtisch sitzt und den Besucher freundlich hereinbittet.

Als Angehörige durfte ich die Absperrung öffnen und nicht nur im Zimmer herumgehen, sondern auch an seinem Schreibtisch und auf der Chaiselonge sitzen.

Auf dem Schrank seht ihr die Büsten von Allmers und Gegenbauer, seine besten Freunde.

Später öffneten Frau Schwertner und Dr. Bach die Schränke und förderten Photoalben, Münzen und Briefe zu Tage. Frau Schwertner und Dr. Bach der Museumsleiter haben mir bei meinen Vorbereitungen für meinen Vortrag viel geholfen. 2009 habe ich die beiden nach Lochham ins „Walter Haeckel Haus“ eingeladen.

Dieses wunderschöne Regal kann man in Haeckels Arbeitszimmer bewundern. Es wurde nach seinen Wünschen gestaltet, seht ihr die vielen Radiolarien und Medusen?

Im zweiten Stock sind die Arbeitsräume der Wissenschaftlichen Mitarbeiter und auf dem Dachboden wo früher die Dienstmädchen wohnten ist die EDV untergebracht.

Dort durfte ich dann die Briefe aus dem Archiv lesen und Photos die man einscannt und ordnet betrachten.

Vielleicht führen mich meine Wege später nocheinmal nach Jena. Es gibt noch viel, was ich dort entdecken und recherchieren möchte.